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30.03.2016, 14:07

Diskussionen um den neuen TV-Vertrag

Der Verteilungskampf spaltet die Bundesliga

Noch sind die neuen TV-Verträge, die ab der Saison 2017/18 greifen werden, nicht gemacht. Die Fraktionen formieren sich aber immer mehr. Eine Analyse und ein Blick ins Ausland.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, BVB-Boss Hans-Joachim Watzke
Wer kriegt wie viel? DFL-Geschäftsführer Christian Seifert (l.) handelt die Verträge aus. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke fordert weiche Parameter.
© imagoZoomansicht

Die Ausschreibung für die Vergabe der nationalen Übertragungsrechte der Liga wurde erst im März gestartet, die neuen Vierjahresverträge ab der Saison 2017/18 sollen im Mai geschlossen werden. Noch kann niemand beurteilen, ob bei den Abschlüssen die Schallmauer von einer Milliarde Euro pro Saison durchbrochen wird. Doch schon seit Monaten tobt ein großer Kampf zwischen der Bundesliga und der 2. Liga um die künftige Verteilung der Gelder.

2015/16 kassiert der Profifußball aus den laufenden TV-Verträgen 663 Millionen Euro (plus 36 Millionen Euro aus der Gruppenvermarktung, z. B. Ligaball). In der kommenden Saison werden 673 Millionen Euro aus den nationalen TV-Erlösen verteilt. Dazu kommen aus der internationalen Vermarktung aktuell 154 Millionen Euro. Von den nationalen Einnahmen gehen 20 Prozent an die 2. Liga, von den internationalen Erlösen nur 1,8 Millionen Euro. 107 Millionen Euro werden unter den elf deutschen Europacup-Teilnehmern der vergangenen fünf Jahre verteilt. Pauschal bezieht jeder Erstligaklub aus diesem Topf 2,5 Millionen Euro.

Nur in England fließt mehr Geld an die Zweitligaklubs

Die Bundesliga will die 2. Liga an Wachstumsraten nicht mehr beteiligen, die 20-Prozent-Klausel soll entfallen. Zwei Modelle stehen zur Diskussion. 142 Millionen Euro, die die 2. Liga in der Saison 2016/17 erhalten wird, sollen für die folgenden Jahre festgeschrieben werden. Das andere Modell sieht vor, dass die 2. Liga mit 15 Prozent (und mindestens 142 Millionen Euro) an den Erlösen beteiligt wird.

Nur in England, wo die 2. Liga ihre Rechte selbst verkauft, fließt mehr TV-Geld an die Zweitligaklubs als in Deutschland. Und nur in Frankreich werden analog zu Deutschland die TV-Rechte gemeinsam für die beiden Profiligen ausgehandelt. Auch dank der Solidarzahlungen der Bundesliga hat die 2. Liga zuletzt mit 504,8 Millionen Euro nach England (587 Mio.) den zweithöchsten Umsatz aller 2. Ligen in Europa erzielt, bei den Gesamtumsätzen aller Profiligen in Europa damit den siebten Platz eingenommen.

 

Der Marktwert der 2. Liga liegt unter den aktuell gezahlten TV-Honoraren. Für die Saison 2008/09 hatten die Sender für die Übertragungsrechte der 2. Liga 45 Millionen Euro geboten; tatsächlich erhielt die 2. Liga 92 Millionen Euro. In den folgenden Jahren fielen die Angebote zeitweise noch niedriger aus; die Zahlungen an die 2. Liga blieben lange Zeit im Bereich der 90-Millionen-Marke. Für die Saison 2014/15 hatten die Sender 63 Millionen Euro geboten. Insgesamt aber flossen 129 Millionen Euro an die 2. Liga, die unter dem Strich in den zurückliegenden sieben Spieljahren von der Bundesliga mit 368 Millionen Euro subventioniert wurde.

"No way!": Bundesligisten gegen Fortbestand der 20-Prozent-Klausel

Sollte die DFL in den anstehenden Verhandlungen eine Steigerung der Erlöse beispielsweise um 300 Millionen Euro erzielen, würde die 2. Liga bei Beibehaltung der aktuellen 20-Prozent-Klausel einen Zuwachs von 60 Millionen Euro erfahren. Jeder Bundesligaklub müsste auf etwa 3,33 Millionen Euro pro Jahr verzichten. Das würde bei Bayern München etwa 0,6 Prozent des 2014/15 erzielten Konzernumsatzes von 523,7 Millionen Euro ausmachen. Bei jenen Klubs, die sich in Umsatzbereichen um 100 Millionen Euro bewegen, fällt diese Summe von 3,33 Millionen Euro weitaus deutlicher ins Gewicht.

"No way", heißt es deshalb in der Bundesliga zu einem Fortbestand der 20-Prozent-Klausel. Mitte Februar formierte sich der Mittelstand der Bundesliga (der kicker berichtete exklusiv). Werder Bremen, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, der Hamburger SV, der 1. FC Köln und der VfB Stuttgart sind strikt gegen eine Fortsetzung der "Scheckbuch-Politik" auf ihre Kosten zugunsten der 2. Liga.

Gleichzeitig fordert diese Gruppe einen "Fallschirm" für die Absteiger angesichts der großen Kluft zwischen Bundesliga und 2. Liga. In dieser Saison bezieht der Letzte der Bundesliga in jener der Verteilung zugrunde liegenden Fünfjahreswertung etwa 20,19 Millionen Euro. Der Ranglistenerste der 2. Liga erhält etwa 11,77 Millionen Euro. Um den Sturz abzufedern, sollen Bundesliga-Absteiger einmalig eine Zahlung in Millionenhöhe erhalten. Dieses Solidaritätsmodell wird am Ende dieser Saison erstmals an der Schnittstelle der 2. Liga zur 3. Liga praktiziert. Die Zweitliga-Absteiger erhalten einmalig jeweils 500 000 Euro. Die Summe macht zwar nur knapp zehn Prozent des Betrages aus, den auch der Letzte der 2. Liga in dem Fünfjahresranking aus den TV-Erlösen bekommt. Im Vergleich zu den etwa 800 000 Euro, die die Vereine der 3. Liga an TV-Honorar erhalten, nimmt sich diese Summe jedoch ganz ansehnlich aus.

DFL braucht die Zustimmung der Klubs - Spaltung droht

Die TV-Verträge handelt zwar die DFL mit Geschäftsführer Christian Seifert an der Spitze aus. Deren Annahme erfordert aber eine mehrheitliche Zustimmung der 36 Profiklubs. Da kommt es auf die Zustimmung des Mittelstandes ebenso an wie auf die Stimmen der Vereine der 2. Liga. Die einfache Mehrheit reicht; dafür ist mindestens eine Stimme aus der 2. Liga erforderlich.

Sollten die Zweitligaklubs ihre Zustimmung angesichts der drohenden Streichung der 20-Prozent-Klausel verweigern, dürfte der Ligaverband auseinanderbrechen. Dann müssten die Bundesliga und die 2. Liga die TV-Verträge getrennt mit den Medienunternehmen aushandeln.

Ligavorstand entscheidet über die Verteilung der TV-Gelder

Über die Verteilung der Gelder entscheidet satzungsgemäß der Ligavorstand - er wird es erst nach Abschluss der neuen Verträge tun. Gestritten wird nicht nur um die 20-Prozent-Klausel. Die meisten Bundesligavereine und mehrere Klubs der 2. Liga erwarten, dass ab 2017/18 die Gelder nicht nur über einen Sockelbetrag (Gleichverteilung) und das sportliche Abschneiden in den zurückliegenden fünf Spielzeiten ausgeschüttet werden. Mit diesem Modell steht Deutschland allein auf weiter Flur in Europa.

65 Prozent der TV-Einnahmen werden in Deutschland als eine Art Startgeld ausgeschüttet. Bevor der erste Spieltag angepfiffen wurde, hatte in dieser Saison jeder Bundesligaklubs 20,19 Millionen Euro aus den nationalen Erlösen sicher und jeder Zweitligaklub 5,22 Millionen Euro. Nur 35 Prozent der Gesamterlöse werden dazu auf Basis der Platzierungen in den Abschlusstabellen der vorangegangenen fünf Spielzeiten gezahlt.

In allen anderen großen Ligen gelten auch andere Parameter

So werden die TV-Gelder in den europäischen Topligen verteilt.
© kicker

In allen anderen großen Ligen in Europa werden neben dem Sockelbetrag und dem sportlichen Abschneiden auch andere Parameter in einer Größenordnung von 20 bis 50 Prozent berücksichtigt. In der niederländischen Eredivisie gibt es überhaupt keinen Sockelbetrag. Zu 50 Prozent werden die Erlöse allein nach dem Abschneiden der Vereine in der vorangegangenen Saison verteilt. Bei der Ausschüttung der anderen Hälfte spielen viele andere Faktoren wie Fanaufkommen, Tradition oder Reichweiten eine Rolle. Italiens Serie A zahlt 50 Prozent als Sockelbetrag. 30 Prozent der Gesamtsumme entfallen auf die sportlichen Erfolge der Klubs - und da wird bis 1946 zurückgeblickt!

Mit fünf Prozent werden die Platzierungen der vorangegangenen Saison bewertet, mit 15 Prozent die vorangegangenen fünf Jahre und mit zehn Prozent alle Platzierungen eines Vereins seit 1946. 25 Prozent der Gesamterlöse werden proportional zur Anzahl der Fans der Vereine gezahlt. Und fünf Prozent der Einnahmen werden proportional ausgeschüttet nach der Höhe der Einwohnerzahl der Städte, in denen die Klubs beheimatet sind.

Über "weiche Faktoren" wird seit Jahren diskutiert

Seit Jahren wird in der Bundesliga über sogenannte weiche Faktoren bei der Verteilung der TV-Gelder diskutiert. Angestoßen hat diese Diskussion Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Watzke gehörte auch dem Kreis von neun Spitzenfunktionären der Bundesliga an, die sich schon am 16. November 2015 mit DFL-Boss Seifert in Düsseldorf mit der "strategischen Ausrichtung der Liga" befasst haben. Zwei Wochen später trafen sich am 30. November in Frankfurt sieben andere Bundesligafunktionäre mit Seifert in dieser Angelegenheit.

Das Thema "Tradition" dürfte bei einer Änderung des Verteilungsschlüssels kein Thema mehr sein. Jetzt geht es um ein Reichweitenmodell, das der Mittelstand der Liga, das selbsternannte "Team Marktwert", in die Diskussion gebracht hat. Dieses Modell würde die Einschaltquoten der Sender ebenso berücksichtigen wie die Präsenz und Akzeptanz der Vereine im Internet, in den Printmedien und bei den digitalen Endgeräten.

Ein gewaltiger Umbruch steht auf jeden Fall an

Auf jeden Fall steht die Liga über diesen Verteilungskampf vor einem gewaltigen Umbruch, unabhängig davon, ob ihre Spiele ab dem Sommer 2017 von einem oder mehreren Pay-Anbietern und weiter in der ARD-Sportschau oder beispielsweise von RTL übertragen werden. Dass der Ligaverband als Zusammenschluss von Bundesliga und 2. Liga bei diesem Kampf zerbrechen kann, wird offenkundig von einigen Klubvertretern in Kauf genommen.

Rainer Franzke

 

2 Leserkommentare

hapeen
Beitrag melden
01.04.2016 | 12:49

Ojeeee

Nein, all das wünsche ich mir nicht, bis auf die angemahnte Solidarität.
Aber wer mit wem? Die Erstligist[...]
magical
Beitrag melden
01.04.2016 | 11:33

Für mehr Solidarität

Und somit bin ich in der Sache gegen das "Team Marktwert" und meinem Verein.

Ich sehe die Lösun[...]

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