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29.03.2016, 09:37

Krassimir Balakov feiert 50. Geburtstag

Balakov: "Vergessen wird man uns nie"

Nach Anfängen bei Etar Veliko Tarnovo und einem Zwischenstopp bei Sporting Lissabon wechselte Krassimir Balakov in die Bundesliga. Beim VfB Stuttgart stand der Bulgare von 1995 bis 2003 in 236 Bundesligaspielen auf dem Feld, verbuchte 54 Tore sowie 61 Assists. Zusammen mit Fredi Bobic und Giovane Elber formte er "Das Magische Dreieck", 1997 gewannen sie den DFB-Pokal. Anlässlich seines 50. Geburtstags erinnert sich Balakov nochmals an die unvergesslichen Momente seiner Karriere - zudem spricht er von Stuttgarts Rückkehr in den Europapokal.

Krassimir Balakov
Zum 50. Geburtstag blickt er zurück: Krassimir Balakov erinnert sich an die schönsten Karriere-Momente.
© imagoZoomansicht

kicker: Heute feiern Sie Ihren 50. Geburtstag. Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, was blieb in besonders schöner Erinnerung, Herr Balakov?

Balakov: Da gibt es einiges, sehr viele Erinnerungen. Blicken wir auf die Bundesliga: Es ist wahrscheinlich nicht, wie es die meisten erwarten. Es handelt sich nicht um den Champions-League-Einzug oder um den Pokalsieg.

kicker: Sondern?

Balakov: Das klingt vielleicht etwas komisch, aber von der Wichtigkeit und der Emotionalität war es ein spezielles Tor. Und zwar am 33. Spieltag der Saison 2001.

kicker: Gegen Schalke 04 in der 90. Minute. Der 1:0-Siegtreffer.

Balakov: Ganz genau. Damit sicherten wir den Klassenerhalt. Der Preis für einen Abstieg wäre für den ganzen Klub zu hoch gewesen. Dieser Moment hat uns und den Verein geprägt. Ich traf beinahe in letzter Sekunde.

kicker: Sie retteten Ihren Klub und legten für Ihren Kumpel Giovane Elber und den FC Bayern den Grundstein zur historischen Meisterschaft.

Balakov: Das war vor dem Spiel schon abgemacht (lacht). Nein, Spaß. Natürlich nicht. Aber wir haben uns schon unterhalten vor der Partie. Es war eine verrückte Meisterschaft, weil wir Schalke besiegten und Bayern an diesem 33. Spieltag ja parallel auch das Siegtor in der letzten Minute erzielte.

Krassimir Balakov
Das ominöse Siegtor: Krassimir Balakov trifft am 33. Spieltag der Saison 2000/01 gegen Schalke zum 1:0 in der Nachspielzeit.
© imago

kicker: Handgestoppte fünf Sekunden lagen zwischen Ihrem Tor in Stuttgart und dem von Alexander Zickler im Münchner Olympiastadion.

Balakov: Für Schalke lief es natürlich schlecht, aber so ist es eben manchmal im Fußball. Für uns und die Bayern war es super.

kicker: Diese Meisterschaft ging in die Geschichte ein. Ein weiteres Kapitel in der Fußballhistorie belegt "Das Magische Dreieck", das Sie zusammen mit Elber und Fredi Bobic bildeten. Was blieb hängen aus dieser Zeit?

Balakov: Diese Erinnerung ist genauso schön. Nicht nur für mich, sondern für alle VfB-Fans. Eine wunderschöne Zeit, ein Traum. Das Schönste aber daran ist, dass wir drei auch heute noch gute Freunde und ständig in Kontakt sind.

kicker: Wie oft sehen Sie sich?

Balakov: Weil Giovane weit weg ist, in Brasilien, ist es nicht einfach, sich oft zu treffen. Das ist mit Fredi anders, wir wohnten ja lange Zeit in der Nähe. Aber immer, wenn Giovane nach Deutschland kommt, versuchen wir, uns zu treffen.

Ja, wir schrieben Geschichte. Es ist eine Ehre, wenn die Leute auch heute noch darüber sprechen.Krassimir Balakov über das Magische Dreieck

kicker: Und wie oft sprechen Sie über Ihre gemeinsame Zeit?

Balakov: Wir unterhalten uns über viele Dinge, aber die Geschichte von damals taucht irgendwie immer auf (lacht). Auch auf der Straße ist es immer präsent. Letztens schaute ich ein Spiel im Hamburger Volksparkstadion - mindestens drei-, viermal sprachen die Leute darüber und mich darauf an. Sie sagten Dinge, wie "oh, das Magische Dreieck. Das waren ja Elber, Bobic und...". Ich winkte und sagte, "ich war der Dritte" (lacht). Das freut mich natürlich, dass es immer noch ein Thema ist. Vor allem bei jüngeren Menschen, die nur davon gehört haben. Ja, wir schrieben Geschichte. Es ist eine Ehre, wenn Leute auch heute noch darüber sprechen. Ich denke, dass sich junge Spieler so etwas als Ziel setzen und Motivation daraus ziehen. Das wird solange so bleiben, bis es noch dominantere Spieler gibt. Aber vergessen wird man uns nie.

kicker: Gab es einen Gegenspieler, der Ihnen das Leben schwer machte?

Balakov: Ja, die gab es. Stig Töfting in Hamburg. Ein robuster und giftiger Spieler - wir lieferten uns harte Zweikämpfe und spannende Duelle. Oder Dieter Eilts von Werder Bremen, der aber sehr korrekt war. Knallhart, aber wir hatten immer Spaß. Daran erinnere ich mich gerne. Auch mit Stefan Effenberg ging es hart zur Sache, ich musste sogar einmal nach 20 Minuten ausgewechselt werden, weil ich verletzt war. Aber er hat sich gleich entschuldigt. Früher ergaben sich noch mehrere Eins-gegen-eins-Situationen, heute ist das Spiel dynamischer.

Das Magische Dreieck
Das Magische Dreieck: Gemeinsam mit Giovane Elber und Fredi Bobic begeisterte Krassimir Balakov die Bundesliga.
© imago

kicker: 2003 beendeten Sie nach einer sehr erfolgreichen Saison Ihre Profikarriere in Stuttgart.

Balakov: Ein ganz spezieller Moment. Mit Felix Magath erreichten wir die Champions League, wurden am letzten Spieltag noch Zweiter. Dortmund spielte Unentschieden, und wir gewannen 2:0 gegen Wolfsburg. Ich durfte in meinem letzten Spiel nochmal ein Tor schießen, verwandelte den Strafstoß zum 2:0.

kicker: Aber das war noch nicht das Ende, oder?

Balakov: Nein. Am 29. Mai folgte noch mein Abschiedsspiel - der wohl gefühlvollste Moment meiner Karriere. Das Stadion war ausverkauft und ich habe geweint. Im ersten Moment konnte ich es nicht nachvollziehen. Das dauerte. Es herrschten gemischte Gefühle, weil ich zum einen traurig war und zum anderen enorm glücklich. Ich kann es nicht beschreiben. Die Leute liebten mich. In den Genuss eines Abschiedsspiel kommt nicht jeder Fußballer.

kicker: Sind Sie stolz auf Ihre Karriere?

Balakov: Ja. Wenn man zurückblickt, sollte man zufrieden sein als Profi. Und ich bin sehr, sehr zufrieden damit, wie alles lief.

kicker: Wenn Sie nun auf den VfB Stuttgart blicken, macht Ihnen der Verein Sorgen oder wieder Mut?

Balakov: In den vergangenen zwei Jahren hatten sie mit Problemen zu kämpfen, aktuell scheint es so, als hätten sie sich aber wieder gefangen. Sie holen die notwendigen Punkte, was in dieser Saison enorm wichtig ist. Ich denke, dass sie mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben werden. Es geht Schritt für Schritt vorwärts.

Wenn sich der Verein weiter so entwickelt, wie zuletzt, dann kommt er auch wieder dahin, wo er hingehört. International zu spielen, das wäre angebracht.Krassimir Balakov über den VfB Stuttgart

kicker: Seit einigen Jahren sind Sie selbst Coach, Sie können das Trainer-Dasein also sehr gut einschätzen. Ist Jürgen Kramny der richtige Mann für die Schwaben?

Balakov: Der Beruf des Trainers, ganz egal, wer an der Seitenlinie steht, ist verdammt kompliziert geworden. Klar, ein Coach hat eine enorme Verantwortung, aber hin und wieder fehlt es an der nötigen Unterstützung. Klar ist aber auch, wenn es nicht läuft, hat der Trainer Schuld. Ich mache den Job seit acht Jahren und respektiere deshalb jeden, der diesen Beruf ausübt. Man muss viel aushalten. Dennoch: Es ist ein schöner Beruf. Ich hoffe, dass Kramny es schafft. Er wirkt ruhig und entspannt. Es läuft wieder beim VfB.

kicker: Wie sieht Stuttgarts Zukunft aus?

Balakov: Wenn sich der Verein weiter so entwickelt wie zuletzt, dann kommt er auch wieder dahin, wo er hingehört. Platz fünf oder sechs ist drin in der kommenden Saison. International zu spielen, das wäre angebracht.

kicker: Und was wünschen Sie sich persönlich für die nächsten 50 Jahre?

Balakov: Zu allererst nehme ich mir vor, immer gesund zu bleiben. Und als Trainer irgendwann dort zu landen, wo ich meine Philosophie von Fußball verwirklichen kann. Man braucht Glück, das gehört dazu: zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Wenn ich mir also etwas wünsche für die nächsten 50 Jahre, dann, dass ich bei der nächsten Vereinswahl als Coach mehr Glück habe. Dass ich den für mich richtigen Klub finde.

kicker: In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag.

Interview: Georg Holzner

50 Jahre Krassimir Balakov
Balakov - die Karriere in Bildern
Höhepunkt in Berlin

Krassimir Balakov gehörte zwischen 1995 und 2003 zu den Stars der Bundesliga, beim VfB Stuttgart zog er im Mittelfeld die Fäden. Die einzige Trophäe gab's 1997: den DFB-Pokal-Sieg in Berlin.
© picture alliance

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29.03.16
 
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weitere Infos zu Kramny

Vorname:Jürgen
Nachname:Kramny
Nation: Deutschland
Verein:VfB Stuttgart

weitere Infos zu Balakov

Vorname:Krassimir
Nachname:Balakov
Nation: Bulgarien
Verein:1. FC Kaiserslautern

Vereinsdaten

Vereinsname:VfB Stuttgart
Gründungsdatum:09.09.1893
Mitglieder:44.000 (01.07.2015)
Vereinsfarben:Weiß-Rot
Anschrift:Mercedesstraße 109
70372 Stuttgart
Telefon: 01 80 6 - 991893
Telefax: (07 11) 55 00 71 96
E-Mail: service@vfb-stuttgart.de
Internet:http://www.vfb.de