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16.03.2016, 00:10

Hertha: Nur Csaknady in dem Alter schon im Amt

Dardai 40 - und weiter als Csernai und Lorant

Die große Party hebt er sich auf, für den 50. Geburtstag womöglich. Wenn Pal Dardai am Mittwoch 40 Jahre alt wird, wird der Job im Mittelpunkt stehen. Zwei Trainingseinheiten hat Herthas Cheftrainer angesetzt, am Abend plant er ein beschauliches Abendessen mit der Ehefrau und den drei Söhnen. Dardai, seit 13 Monaten im Amt, will in dieser Saison mit dem Hauptstadt-Klub Geschichte schreiben. Bemerkenswert: Von den sechs Ungarn, die jemals als Cheftrainer in der Bundesliga arbeiteten, amtierte nur Jenö Csaknady (1. FC Nürnberg) bereits in Dardais Alter.

Pal Dardai
"Besten Dank für die Glückwünsche", könnte hier Pal Dardais Geste bedeuten.
© imagoZoomansicht

Die beiden ungarischen Trainer, die in der Bundesliga die bislang tiefsten Spuren hinterließen, starteten erst später ihre Karriere im deutschen Fußball-Oberhaus. Gyula Lorant, als Spieler Olympiasieger 1952 und Vizeweltmeister 1954, übernahm im August 1965 den 1. FC Kaiserslautern, da war er 42 - und hatte zuvor in seiner Heimat Honved Budapest und VSC Debrecen trainiert. In Deutschland coachte Lorant nach Lautern auch den MSV Duisburg, den 1. FC Köln, Kickers Offenbach, den Freiburger FC, Eintracht Frankfurt, Bayern München und Schalke 04. Seinen größten Erfolg als Trainer landete er freilich in Griechenland, wo er mit PAOK Saloniki 1976 Meister wurde - und wo er, bei seinem zweiten Abstecher, 1981 an den Folgen eines im Ligaspiel gegen Olympiakos Piräus erlittenen Herzinfarkts mit gerade 58 Jahren starb.

Csernai folgt auf Lorant - bei den Bayern

Lorants Assistent in Frankfurt und beim FC Bayern war Csernai. Er bekam seine erste Cheftrainer-Stelle in der Bundesliga im Dezember 1978, als die Bayern Lorant feuerten - und Csernai im Alter von 46 Jahren ins Amt hievten. Bayern-Präsident wollte eigentlich Max Merkel installieren, die Mannschaft um Paul Breitner rebellierte - Neudecker trat im März 1979 zurück. Unter Csernai errangen die Münchner zwei Meisterschaften (1980, 81) und einen DFB-Pokalsieg (1982). Drei weitere Bundesliga-Stationen hatte der ewige Junggeselle später: Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt - und Hertha BSC in der Chaos-Saison 1990/91, als der Aufsteiger vier Trainer (Werner Fuchs, Pal Csernai, Peter Neururer, Karsten Heine) verschliss und sang- und klanglos wieder abstieg.

Csernai wurde mit Hertha nie recht warm, er legte sich mit Publikumsliebling Axel Kruse an, der daraufhin nach Frankfurt wechselte, und hatte auch bei den Medien einen schweren Stand. Aber mit einem eher überschaubar talentierten Kader und unter einem eher zweitklassigen Präsidium holte er - immerhin - in sechs Spielen 5:7 Punkte. Nach nur 119 Tagen war das Kapitel beendet - für ihn war das schon der zweite Posten in Berlin, Ende der 60er Jahre hatte der 2013 verstorbene Csernai Wacker 04 trainiert. Nach den Jahren in München zog es ihn immer wieder auch ins Ausland (u.a. Benfica Lissabon, Fenerbahce Istanbul, YB Bern), in Deutschland war er mit seinem Pal-System und den Anfängen der Raumdeckung stilbildend.

Eine derartige Tingel-Tour ist, aus heutiger Sicht, für Dardais Karriere eher nicht zu erwarten. "Nur Hertha BSC und irgendwann nochmal die ungarische Nationalmannschaft" - das sind die Adressen, die Dardai nach eigenen Worten reizen. Er kennt das Wirken von Csernai und Lorant, neben denen außer Dardai noch drei weitere Ungarn als Bundesliga-Trainer tätig waren (Jenö Csaknady und Jenö Vincze beim 1. FC Nürnberg, Janos Bedl beim Wuppertaler SV), aufgrund des Generationenunterschieds nur mehr aus Überlieferungen. Ihn geprägt haben seine Trainer: Jürgen Röber, Huub Stevens, Hans Meyer, Lucien Favre, Erwin Koeman. Und mit Jozsef Garami, 1996 mit MTK Budapest Meister und Anfang der 90er Jahre Dardais Trainer bei MSC Pecs, tauscht sich der Berliner Trainer noch heute aus. Von jedem hat er etwas mitgenommen, von dem einen oder anderen wird er am Mittwoch vermutlich einen Anruf oder eine Glückwunsch-SMS bekommen.

Jüngster Hertha-Coach mit 41 Bundesligaspielen

Unter 40 Jahren im Amt waren überhaupt nur sieben Trainer in Herthas Bundesliga-Historie: Markus Babbel, Falko Götz, Andreas Thom, Peter Neururer, Karsten Heine und Hans Eder. Die großen Hertha-Trainer der Vergangenheit - ob Helmut "Fiffi" Kronsbein (beim ersten Amtsantritt im Sommer 1966 war er 51 Jahre), Georg Keßler (41), Kuno Klötzer (55), Jürgen Röber (42) oder Lucien Favre (49) - waren alle älter, als sie den Trainerstuhl in Berlin besetzten.

Steffen Rohr

Ungarische Trainer in der Bundesliga
Ungarische Einflüsse: Von Csernai bis Dardai
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Pal Dardai hat für frischen Wind in Berlin gesorgt und die Hertha in die Erfolgsspur gebracht. Er ist aber nicht der einzige ungarische Trainer, der in der Bundesliga seine Spuren hinterlassen hat. So dürfte vielen Pal Csernai ein Begriff sein, doch es gab noch andere.
© imago

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16.03.16
 
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weitere Infos zu Dardai

Vorname:Pal
Nachname:Dardai
Nation: Ungarn
Verein:Hertha BSC