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18.02.2016, 12:57

Werner Olk, Ex-Trainer in Darmstadt, im Interview

"Darmstadt war damals keine Fußball-Stadt"

Er ist sozusagen der Vorgänger von Dirk Schuster. Werner Olk gelang 1981 als Trainer der Bundesligaaufstieg mit Darmstadt 98. Er saß im Januar 1982 auf der Bank, als Darmstadt in München zum letzten Mal in der Bundesliga spielte. Das Ergebnis damals: 1:4. Vor dem erneuten Aufeinandertreffen in München kramte der 78-Jährige, der mit dem FC Bayern in den 60-er Jahren als Kapitän in die Bundesliga aufstieg, dann Pokalsieger und Meister wurde, in seinen Erinnerungen.

Werner Olk
Ihm gelang 1981 als Trainer der Bundesligaaufstieg mit Darmstadt 98: Werner Olk.
© imagoZoomansicht

kicker: Herr Olk, im Januar 1980 übernahmen Sie Darmstadt 98. Wie kam das?

Werner Olk: Es war Januar und plötzlich klingelte das Telefon. Darmstadts Präsident Georg Schäfer war am Apparat und fragte, ob ich das Team von Jörg Berger übernehmen wolle. Für mich war das keine Frage, denn ich war ja fast ein Jahr ohne Job, nachdem ich in Braunschweig 1979 entlassen worden war. Ich habe mich gleich einen Tag später auf den Weg gemacht. Das war eine absolut reizvolle Aufgabe. Sie waren ja gerade abgestiegen, standen auf dem neunten Platz der 2. Liga. Wir konnten das Blatt dann drehen und schlossen die Saison auf dem vierten Platz ab.

kicker: Dann kam das Aufstiegsjahr.

Olk: Richtig. Vor der Saison hatten wir das Team runderneuert, mit vielen neuen Spielern. Wir hatten kein Geld und mussten deshalb viel improvisieren, dabei vor allem auf junge Spieler setzen. Das war in meiner Trainertätigkeit aber immer mein Credo, auch in Darmstadt. Ich mochte es mit jungen Spielern zu arbeiten.

kicker: Sie starteten dann plötzlich durch.

Olk: Es funktionierte hervorragend. Wir waren im Winter Erster mit sieben Punkten Vorsprung und 58 geschossenen Toren in nur 19 Spielen, stiegen am Ende souverän auf.

kicker: Was für ein Fußball-Pflaster war Darmstadt damals?

Olk: Es war damals im Grunde keine Fußball-Stadt. Es war eine Studenten- und Beamtenstadt. Der Klub hatte zwar seine Anhänger, aber man musste schon oben stehen, damit sie ins Stadion kommen. Und obwohl wir in der Meistersaison der 2. Liga so eine tolle Serie hingelegt hatten, hatten wir im Winter 100.000 Mark weniger Einnahmen. Der Darmstädter war schwer hinter dem Ofen herzulocken.

Wir mussten dann Pfennig-Aktionen ins Leben gerufen, um Geld zu sammeln.Werner Olk

kicker: Aber wenigstens die Meisterschaft wurde 1981 dann gebührend gefeiert?

Olk: Ja, das war Jubel und Trubel in der ganzen Stadt, mit Corso und allem, was dazugehört. Der Klub war wieder in der Bundesliga, das wussten die Leute schon zu schätzen.

kicker: Und das in einem Stadion, das sich bis heute kaum verändert hat. Müssen Sie nicht manchmal schmunzeln, wenn Sie heute das Stadion am Böllenfalltor sehen?

Olk: Es ist identisch, nur kleiner geworden. Damals passten ja fast 30.000 Zuschauer rein. Doch wann kamen die schon? Es war für Darmstadt auch damals unheimlich schwer, einen Bundesligabetrieb auf die Beine zu stellen.

kicker: Sie sagen es, denn das nächste Problem stand ja schnell vor der Tür. Der Verein brauchte nach dem Aufstieg eine Flutlichtanlage für die Bundesliga, hatte aber kein Geld.

Olk: Der Klub hatte ja schon ohne diese Investition kaum Geld. Wir mussten dann Pfennig-Aktionen ins Leben gerufen, um Geld zu sammeln. Die Stadt wollte den Verein nicht unterstützen. Wir haben dann über 30 Firmen angeschrieben, damit sie uns unterstützen, doch der Rücklauf war katastrophal. Präsident Georg Schäfer versuchte alles, doch man musste sich dann noch weiter verschulden. Das bedeutete dann auch für mich, dass es kaum Mittel gab, um sich für die Bundesliga zu verstärken.

Dirk Schuster
Er leitete aktuell die Geschicke bei den Lilien: Trainer Dirk Schuster.
© imago

kicker: Sie haben zu viel verdient, Herr Olk...

Olk: Ach, ich habe noch Geld mitgebracht... (lacht). Ich habe damals 8000 Mark verdient. Das war nicht viel.

kicker: Das heißt, große Sprünge waren nicht möglich.

Olk: Überhaupt nicht. Wir mussten auf den Stamm des Aufstiegsjahres setzen: Rudolf, Westenberger, Beginski, Posniak, Hahn und Cestonaro.

kicker: Wie schlug sich dieses Team dann in der Bundesliga?

Olk: Einige hatten ja zuvor schon in der 1. Liga gespielt. Wir wurden am Anfang auch von einer gewissen Euphorie getragen. Wir verloren zwar am zweiten Spieltag unglücklich gegen Bayern, aber punkteten gegen Bochum, Düsseldorf, Bremen und Bielefeld. Doch als wir ein paar Mal hintereinander verloren, ging das Selbstvertrauen flöten. Das war ja eine ganz junge Truppe.

kicker: Und eine halbprofessionelle.

Olk: Ja, ein Teil arbeitete und die Feierabendfußballer wurde auch zum großen Problem, nachdem wir 1982 abgestiegen waren. Ich drängte darauf, dass die Spieler ihre Jobs aufgeben, um sich voll auf den Fußball zu konzentrieren, doch damit waren die meisten nicht einverstanden. Sie wollten, dass alles so weitergeht. Daran ist es letztlich mit mir gescheitert.

kicker: Vorher spielten Sie aber noch in der Bundesliga bei Bayern München, am 23. Januar 1982. Wissen Sie, wie viele Zuschauer damals ins Olympiastadion kamen?

Olk: 40 000?

kicker: Knapp 12 000.

Olk: Oh. 1:4 ging es aus, das weiß ich aber noch.

kicker: Genau. Die Torschützen hießen Augenthaler, zweimal Dieter Hoeneß und Rummenigge.

Olk: Damit kann man leben, das waren schon Granaten.

Interview: Mounir Zitouni

18.02.16
 
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zum Thema

weitere Infos zu Olk

Vorname:Werner
Nachname:Olk
Nation: Deutschland
Verein:SV Darmstadt 98

weitere Infos zu Schuster

Vorname:Dirk
Nachname:Schuster
Nation: Deutschland
Verein:SV Darmstadt 98