Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
Nicht registriert?
17.02.2016, 18:40

Nach Irritationen um späteren Termin

Darmstädter Stadionneubau: Zielsetzung 2018 bleibt

Der Neubau des Darmstädter Merck-Stadions am Böllenfalltor, das derzeit fast ausschließlich vom Bundesligisten SV 98 genutzt wird, soll weiter wie zuletzt angestrebt bis Mitte 2018 abgeschlossen werden. Das hat nach Irritationen in den vergangenen Tagen die Stadt als Eigentümerin und Projektverantwortliche (über ein eigens für Stadionbau und -betrieb gegründetes städtisches Unternehmen) klargestellt. Auch die Lilien selbst kalkulieren aktuell damit, ab der Spielzeit 2018/19 in einem fertigen Schmuckkästchen mit Platz für maximal 19.350 Zuschauer auflaufen zu dürfen. Auf Basis des momentanen Sachstands beantwortet der kicker die wichtigsten Fragen zum Neubau des "Bölle".

Das Stadion am Böllenfaltor
Das altehrwürdige Stadion am Böllenfalltor soll bis 2018 zum Schmuckstück umgestaltet werden.
© imago

Warum wird der millionenschwere Neubau von der Stadt Darmstadt und vom Bundesland Hessen inzwischen politisch auf breiter Front unterstützt?

Das bisherige "Städtische Stadion am Böllenfalltor", dessen Name nach dem Erwerb der Rechte durch den Darmstädter DAX-Konzern Merck (zahlt fünf Jahre lang jährlich eine halbe Million Euro, die direkt an die Stadt fließen) in "Merck-Stadion am Böllenfalltor" umgewandelt wurde, ist seit Jahren, sogar Jahrzehnten in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Zunehmend - und auch dank der Hartnäckigkeit des Ex-SV-98-Präsidenten Hans Kessler und seines Nachfolgers Rüdiger Fritsch - setzte sich in den politischen Gremien die Ansicht durch, anstelle der jedes Jahr horrenden Ausbesserungskosten (oft im mittleren sechsstelligen Eurobereich) das Steuergeld stattdessen für einen Neubau in die Hand zu nehmen. Auch der sportliche Erfolg des SV 98 trug seinen Teil zum weitgehenden Konsens bei. Kalkuliert wurde bislang mit Baukosten von mindestens 30 Millionen Euro, die aber nicht ganz ausreichen dürften. 14 Millionen Euro sagte das Land Hessen zunächst zu, überreichte vergangenen Samstag werbewirksam im Stadion (und inmitten des Kommunalwahlkampfs in Hessen) beim Heimspiel gegen Leverkusen eine zusätzliche Förderung in Höhe von 3,5 Millionen Euro, die ebenfalls die Stadt verwaltet. Den Rest des Betrags - dessen Aufbringung auch das Merck-Sponsoring erleichtert - übernimmt die Stadt. Der SV 98 wird sich auch in ein neues Stadion wie bislang einmieten, dann gewiss zu deutlich höheren Kosten, aber auch mit deutlich besseren Einnahmemöglichkeiten als im jetzigen Stadion, wo es beispielsweise keine Logen und nur einen mäßig attraktiven VIP-Bereich (mit entsprechend überschaubaren Preisen) gibt.

Wie soll das Stadion gestaltet werden?

Die für die Fans wichtigste Frage wurde mit der Festlegung einiger Parameter - und in Abstimmung unter anderem mit dem SV 98 sowie seiner organisierten Anhängerschaft - bereits größtenteils beantwortet: Das Stadion wird an selber Stelle wie das jetzige errichtet, was Tribüne für Tribüne geschehen soll, damit der Spielbetrieb durchweg aufrecht erhalten werden kann. Wegen der Lage am Rande eines Wohngebiets darf es nicht mehr als 20.000 Menschen fassen. Die maximale Zahl wurde auf 19.350 festgelegt, davon knapp 2000 Plätze im Gästebereich. Ins jetzige Stadion dürfen nur 17.000 Fans hinein, davon knapp 15.000 in den Heimbereichen. Die jetzige Zahl der Sitzplätze von knapp unter 4000 soll sich auf etwa 10.000 erhöhen. Die Zahl der Stehplätze, die auf den Unterrängen von drei der vier Tribünen entstehen sollen (mit Ausnahme der Haupttribüne), wäre damit annähernd so groß wie die Zahl der Sitzplätze. Das wäre in der 1. Bundesliga einzigartig. Die Flutlichtmasten sollen maximal 40 Meter hoch werden, die Tribünen maximal 25 Meter hoch. Für das neue Stadion werden Dutzende weitere Veranstaltungen kleinerer Art erwartet, Ankermieter wird jedoch der SV 98 bleiben. Der Neubau soll einhergehen mit besseren Geschäfts- und Sanitärräumen sowie der Sportinfrastruktur (Trainingsplätze, Therapie- und Fitnessbereich) am Stadion, wovon ebenfalls vor allem die Lilien größter Nutznießer, allerdings auch größter Einzahler in den Stadtsäckel wären.

Was sorgte vergangene Woche für Irritationen?

Für Wirbel sorgte in der vergangenen Woche ein Bericht des "Darmstädter Echos", in dem sich Baudezernentin Cornelia Zuschke angeblich nicht auf den seitens Oberbürgermeister Jochen Partsch ausgegebenen Fertigstellungstermin Sommer 2018 festlegen wollte. Dies ging im Umfeld einher mit Befürchtungen, der Neubau könnte erst später als zum Saisonstadt 2018/19 eingeweiht werden. Die Stadt betonte in einer Klarstellung anschließend jedoch, man wolle "dieses wichtige Projekt bis Saisonstart 2018/19 schaffen". Auch der SV 98 ging am Mittwoch gegenüber dem kicker davon aus, dass das bisherige Wort weiter gilt: "Wir haben keine neue Situation", so Geschäftsführer Michael Weilguny. Man gehe weiterhin von einer Fertigstellung 2018 aus. Etwas anderes habe die Stadiongesellschaft als Ansprechpartner der Lilien bisher auch nicht kommuniziert.

Wie geht es in den kommenden Wochen weiter?

Bis Freitag liegt nun noch der Bebauungsplan öffentlich aus. Die weitere Planung sieht vor, in den ersten Sitzungen des neu gewählten Stadtparlaments - Kommunalwahlen sind in Hessen am 6. März - den Satzungsbeschluss zu fassen, der damit das Baurecht auslöst. Wohl ab Ende März soll im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung nach einem Generalunternehmer für Planung, Architektur nach den städtischen Vorgaben und Bau gesucht werden. Erste Bauarbeiten könnten Anfang 2017 stattfinden - und müssten es auch, wenn das Stadion bei einer bislang kalkulierten Bauzeit von 18 Monaten zum Saisonstart 2018/19 fertig werden soll.

Jens Dörr

 
Seite versenden
zum Thema

DIE GANZE WELT DER KICKER APPS!
Informieren Sie sich über unser vielfältiges App Angebot:
Smart TV Tippspiel eMagazine kicker MeinVerein FußballQuiz GloryRun