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17.02.2016, 15:18

Brisanter Prozess um Mainzer Ex-Torwart

Landesarbeitsgericht im Fall Müller: Befristung zulässig

Am Mittwoch standen sich vor dem Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz der 1. FSV Mainz 05 und sein Ex-Torwart Heinz Müller gegenüber. Ein Rechtsstreit, der möglicherweise für den kompletten Profifußball tiefgreifende Neuerungen nach sich ziehen könnte. Und der am Mittwoch einen Etappensieg für Mainz 05 brachte. Gespräche über eine gütliche Einigung könnten folgen.

Heinz Müller
Schauplatz Landesarbeitsgericht Mainz: Heinz Müller bei der Gerichtsverhandlung an diesem Mittwoch.
© imago

"Das Spiel ist noch nicht vorbei." Das stellte der Vorsitzende Richter Michael Bernardi bereits vor der zweistündigen Pause fest, in der die vierte Kammer des Landesarbeitsgerichtes (LAG) ihr Urteil fällte. Dieses besagt, dass "die Befristung eines Arbeitsverhältnisses zwischen einem Fußballverein der ersten Bundesliga und einem Lizenzspieler zulässig ist, wenn sie durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt ist".

Laut Bernardi ergibt die Gesamtbetrachtung des Profifußballs bestimmte Besonderheiten. Dazu gehört das berechtigte Interesse der Vereine an Befristungen. Denn es bestehe ein außergewöhnlich hohes Maß an der Ungewissheit der sportlichen Leistung auf Dauer - unabhängig vom Alter des Spielers, etwa durch Verletzungen oder Leistungstäler. Wobei der Vorsitzende Richter während der Verhandlung angemerkt hatte: "Bei Torhütern bewegen wir uns da auf dünnem Eis." Bernardi führte als Beispiele Dino Zoff, Gabor Kiraly und Gianluigi Buffon an, die als Schlussmänner in höherem Alter noch grandiose Leistungen gezeigt haben.

Dazu kommen gemäß Urteilsbegründung aber noch nicht prognostizierbare Umstände wie Änderungen des Spielsystems, Trainerwechsel und Veränderungen im Kader, um diesem einen dem Leistungsgedanken dienlichen Altersschnitt zu geben. Profis aufgrund ihres Alters auszusortieren, das wäre nicht mit dem gängigen Arbeitnehmerschutz und dem Gesetz gegen Altersdiskriminierung zu vereinbaren. Als weitere Gründe führte die Kammer das Abwechslungsbedürfnis des Publikums - betreffend den ganzen Kader, nicht einzelne Spieler - an und die Tatsache, dass die EU-Teilzeit- und Befristungsrichtlinie den Zweck verfolgt, finanziell schwächer gestellte Arbeitnehmer zu schützen. Davon kann im deutschen Profifußball wahrlich nicht die Rede sein.

Das LAG wies auch die weiteren Berufungspunkte Müllers ab: Nämlich die Frage, ob Mainz 05 in Person des damaligen Trainers Thomas Tuchel durch die Verbannung Müllers zur U23 dem 37-Jährigen treuwidrig die Chance verbaut habe, seinen Kontrakt mittels Option zu verlängern? Das wäre bei 23 Bundesligaeinsätzen in der Saison 2013/14 der Fall gewesen. Damit hat auch die Forderung des heute 37-Jährigen nach Prämien in Höhe von 261.000 Euro zuzüglich Zinsen vorerst keinen Bestand mehr. Es sei denn, Müller und sein Anwalt Horst Kletke (Frankfurt) gehen vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt in Revision. Diese ließ die Kammer zu. "Es ist sicher denkbar, dass wir das tun", sagte Kletke. Dafür werde man aber die genaue Urteilsbegründung abwarten.

Auszuschließen ist das nicht. Richter Bernardi wies vor dem Urteilsspruch die Mainzer sowie deren Anwalt auf das Risiko hin, auf ein Urteil hinzuwirken. Denn kurz schien Gesprächsbereitschaft für eine gütliche Einigung zwischen den Parteien zu herrschen. Doch FSV-Präsident Harald Strutz, Noch-Manager Christian Heidel und deren Anwalt Johan-Michel Menke von der Hamburger Kanzlei Heuking-Kühn-Lüer-Wojtek, die auf Empfehlung der DFL zu Rate gezogen wurde, drängten auf einen Spruch des LAG. Der fiel für Mainz 05 und die DFL positiv aus. "Das ist eine Entscheidung im Sinne des Fußballs", sagte Menke. "Wir sind ins Risiko gegangen, indem wir dann doch auf ein Urteil bestanden haben. Denn wir haben während der Verhandlung den Eindruck erhalten, dass wir gute Chancen auf einen Sieg haben."

Es ist nun die Frage, ob Kletke und Müller nach Erfurt ziehen. Dass ein Richter den Sachverhalt der Befristung anders bewerten kann, zeigte das erstinstanzliche Urteil des Arbeitsgerichtes Mainz. Ob dann das Transfersystem wackelt, käme auf den Entscheid des BAG an. Denn im Falle einer Unbefristung der Profiverträge könnten Spieler jederzeit kündigen - und nach Ablauf der gesetzlichen Frist ablösefrei wechseln. In Müllers Sinne wäre es sicher, nicht auch noch die Gerichtskosten - es dürfte um rund 50.000 Euro gehen - tragen zu müssen. Kletke signalisierte bereits nach der ersten Instanz Gesprächsbereitschaft, sich außergerichtlich zu einigen. Mainz und dahinter die DFL haben mit dem LAG-Urteil im Rücken gute Chancen, den Ex-Torwart günstiger als zuvor abzufinden. Bis dahin ist das Spiel in der Tat noch nicht vorbei.

Benni Hofmann

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 17.02., 17:56 Uhr
Urteil im Fall Müller: Befristete Verträge bleiben zulässig
Ein Urteil wurde gesprochen, das Ende des Rechtsstreits muss dies aber noch nicht sein: Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz stellte zwar im Fall "Müller gegen Mainz 05" fest, dass "die Befristung eines Arbeitsverhältnisses zwischen einem Fußballverein der ersten Bundesliga und einem Lizenzspieler zulässig ist, wenn sie durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt ist". Doch dem früheren Mainzer Torhüter Heinz Müller bleibt die Möglichkeit, in Revision zu gehen.
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17.02.16
 

8 Leserkommentare

Sciathan
Beitrag melden
19.02.2016 | 14:53

@Eysenbeiss

Aber das Gericht hatte die Parteien erst darauf "gedrängt", eine gütliche Einigung zu fi[...]
Baal1985
Beitrag melden
19.02.2016 | 09:05

Ähm...

@Heider 669: Bitte noch einmal meinen Text lesen. Sie haben ihn nicht verstanden.

Ich habe nicht ge[...]
Breitnigge80
Beitrag melden
19.02.2016 | 00:02

Ich beiss ins Eysen

Die Betrugskarte, die Du da ins Spiel bringen willst, käme doch niemals zur Ausspielung.
Scheitert sch[...]
Eysenbeiss
Beitrag melden
18.02.2016 | 08:58

Wieder nur Experten hier

@RadiGAF : Das Meiste von dem, was du aufgelistet hast, ist doch schon aktuell, da ist nichts "könnte", [...]
RadiGAF
Beitrag melden
17.02.2016 | 22:47

Man darf hierbei nicht vergessen, das auch der Verein dann die gleiche Rechte hat wie ein normaler Arbeitgeber. [...]

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