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05.02.2016, 18:25

Hertha - Dortmund: Fredi Bobic im großen kicker-Interview

Bobic: "Der BVB spielt eine gefühlte Meistersaison"

Nach seiner erfolgreichen Stuttgarter Zeit wechselte Fredi Bobic 1999 zu Borussia Dortmund, das er im Winter 2001/02 wieder verließ. Von 2003 bis 2005 spielte er dann für Hertha BSC. In 110 Bundesligaspielen für Berlin und den BVB, erzielte der jetzt 44-Jährige 25 Tore. Vor dem Topspiel zwischen seinen Ex-Klubs spricht Bobic über die starke Entwicklung der Teams, die beiden Trainer Dardai und Tuchel sowie den Top-Torjäger Aubameyang.

Fredi Bobic
Tippt auf ein Remis: Weil er beide Vereine schätzt, wünscht sich Fredi Bobic ein 3:3.
© imagoZoomansicht

kicker: Vor genau einem Jahr waren Dortmund und Hertha ebenfalls Tabellennachbarn, nur nicht auf Rang zwei und drei, sondern auf den Plätzen 17 und 18. Was hat sich seitdem geändert, Herr Bobic?

Fredi Bobic: Der BVB hat in der vergangenen Rückrunde ja noch die Kurve bekommen und das eigentliche Potenzial in der Mannschaft wieder ausgeschöpft. Hinzu kommt der Trainerwechsel im Sommer, der eine neue Ausrichtung und eine neue Inspiration brachte und weiter bringen wird. Man merkt, dass alle Spieler wieder auf ihrem Niveau spielen, so wie wir es gewohnt waren.

kicker: Und bei Hertha?

Bobic: Pal Dardai hat es geschafft, die ohnehin wahnsinnig gute Defensive nochmal zu verstärken. Die Entwicklung in Berlin lässt sich deutlich erkennen, die Truppe präsentiert sich stabil. Durch die Transfers im Sommer entstand ein sehr gutes Gebilde, was dem Team zusätzliches Selbstvertrauen schenkt. Das beflügelt natürlich.

kicker: Nun trifft am Samstag das zweitbeste Auswärtsteam der Liga auf die viertbeste Heimmannschaft. Dortmund musste auf fremden Boden jedoch bereits 14 Gegentreffer hinnehmen, die Hertha im eigenen Stadion erst sieben. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Bobic: Es wird eine sehr interessante Partie. Klar, Dortmund ist qualitativ besser besetzt und hat offensiv mehr Möglichkeiten. Sie werden dominant auftreten. Berlin muss das Augenmerk auf die Defensive richten. Zudem hängt viel vom ersten Tor ab. Geht der BVB in Führung, muss Hertha aufmachen - und umgekehrt: Erzielt Berlin das 1:0, sind sie immer in der Lage, mit ihren schnellen Kontern gefährlich zu werden. Aber: Dortmund tritt aktuell reifer auf als in der vergangenen Saison.

Aktuell sehe ich leichte Vorteile bei Aubameyang für die kicker-Torjägerkanone.Fredi Bobic

kicker: Sie selbst waren ein Topstürmer, erzielten 1996/97 für den VfB Stuttgart 19 Saisontreffer. Pierre-Emerick Aubameyang steht derzeit schon bei 20 Toren. Was zeichnet ihn neben seiner Schnelligkeit in dieser Spielzeit aus?

Bobic: Die überdurchschnittliche Geschwindigkeit ist seine Basis. Er legte in Sachen Antizipation zu, versteht es, die Situationen richtig einzuschätzen und auf den Punkt da zu sein; ebenfalls stark: sein Effizienz.

kicker: Wie kann Hertha ihn stoppen?

Bobic: Sie dürfen ihm keinen Platz lassen: Es gilt, die Räume eng zu machen. Auch im Sechzehner, wegen seiner Kopfballstärke. Ihn komplett auszuschalten, wird verdammt schwierig - das funktioniert nur im Verbund, aber nicht alleine.

kicker: Ist Aubameyang für Sie damit Anwärter Nummer eins auf die kicker-Torjägerkanone?

Bobic: Ich erwarte einen spannenden Zweikampf zwischen Aubameyang und Robert Lewandowski. Es wird auch davon abhängen, wer den besseren Lauf hat. Aktuell sehe ich leichte Vorteile für den Dortmunder, weil die Münchner in den Englischen Wochen aufgrund der höheren Belastung mit der Champions League sicherlich rotieren werden. Ich freue mich auf ein klasse Duell.

Fredi Bobic
Dortmunder Vergangenheit: Von 1999 bis 2002 spielte Fredi Bobic 56-mal für die Borussia und erzielte 17 Tore.
© imago

kicker: Seit Coach Dardai in Berlin die Verantwortung trägt, läuft es. Sie spielten mit ihm zusammen. Was ist er für ein Typ?

Bobic: So wie als Mitspieler - unheimlich konsequent. Er fürchtet keine unangenehmen Entscheidungen, wie mit Änis Ben-Hatira. Dardai schweißt das Team zusammen, er legt großen Wert auf mannschaftliche Geschlossenheit, überlässt den Spielern dennoch ihre Freiheiten. Das brauchen Typen wie Salomon Kalou und Vedad Ibisevic.

kicker: Und sportlich?

Bobic: Ihm gelang es, die Defensive noch weiter zu stabilisieren und das Team übernimmt mehr Ballkontrolle. Er hat einen klaren Plan.

kicker: Kann sich Hertha in der oberen Tabellenhälfte etablieren?

Bobic: Das wird sich zeigen. Es ist schwer genug, nach einer erfolgreichen Saison, das Niveau zu halten. Die Mannschaft befindet sich in einer guten Position, eine Basis für die kommenden Jahre zu schaffen. Man darf nicht davon ausgehen, jedes Jahr um die Europaplätze zu spielen. Die Menschen in Berlin denken aber realistisch genug.

Dortmund spielt eine gefühlte Meistersaison.Fredi Bobic

kicker: Sie sprachen bereits den Trainerwechsel von Jürgen Klopp zu Thomas Tuchel an. Was macht Tuchel momentan besser als Klopp?

Bobic: Ich würde nicht sagen, dass Tuchel etwas besser macht. Unter Klopp spielte der BVB enorm erfolgreich - die beiden Trainer zu vergleichen, gestaltet sich schwierig.

kicker: Wie würden Sie es dann formulieren?

Bobic: Tuchel gelingt es, aus seinen Spielern viel rauszuholen. Bestes Beispiel: Henrikh Mkhitaryan. Ein neuer Trainer bringt immer neue Ideen, das beziehe ich überhaupt nicht negativ auf Klopp. Tuchel geht seinen Weg mit seiner erfrischenden Art - damit tut er dem BVB gut. Ihm steht eine tolle Zukunft in Dortmund bevor.

kicker: Ist der BVB schon wieder der Meisterschaftskandidat, den sich der neutrale Zuschauer wünscht?

Bobic: Gefühlt, ja. Mit dieser Punkteausbeute wären sie vor ein paar Jahren definitiv auf Meisterkurs gewesen, das ist stark. Für mich spielen sie eine gefühlte Meistersaison. Jedoch gibt es eine Mannschaft, die noch mehr Zähler verbucht. Daher liegt es einzig an Bayern. Wenn die Münchner es schaffen, das Niveau zu halten, wird es für alle Mannschaften schwierig. Der BVB muss auf eine Schwäche-Phase des Rekordmeisters hoffen.

Fredi Bobic
Berliner Vergangenheit: Von 2003 bis 2005 schloss sich Fredi Bobic dem Hauptstadtklub an - in 54 Spielen traf er achtmal.
© imago

kicker: Sie kennen Berlin und Dortmund, die Verein wie die Städte. Was zeichnet die Klubs aus?

Bobic: Es handelt sich um komplett unterschiedliche Vereine. Dortmund ist ein Revierklub, wie er im Buche steht. Die Stadt atmet BVB-Luft, es wirkt wie eine Religion. Und das Stadion - einzigartig. Berlin hingegen ist der Hauptstadtklub. Auch das Olympiastadion hat ein gewisses Flair, wegen der besonderen Architektur. Natürlich liegen die Ansprüche der Berliner nicht auf dem Level der Borussia. Hertha ist ein Klub, der sich in den vergangenen zwei Spielzeiten enorm entwickelt hat. Für mich ist es daher zu Recht das Top-Spiel des Wochenendes.

kicker: Wem gönnen Sie die drei Punkte?

Bobic: Beiden (lacht). Aber weil ich beide Teams sehr schätze, für beide Klubs gespielt habe, tippe ich auf ein Unentschieden. Damit hat jeder was davon: 3:3.

Interview: Georg Holzner

 

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1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Bayern München50:953
 
2Borussia Dortmund52:2445
 
3Hertha BSC29:2135
 
4FC Schalke 0429:2633
 
5Bayer 04 Leverkusen29:2132
 
6Bor. Mönchengladbach40:3532
 
71. FSV Mainz 0525:2430
 
8VfL Wolfsburg29:2827
 
91. FC Köln21:2626
 
10FC Ingolstadt 0414:2126
 
11SV Darmstadt 9821:2924
 
12VfB Stuttgart31:4124
 
13Hamburger SV22:2823
 
14FC Augsburg22:2821
 
15Eintracht Frankfurt26:3421
 
16Werder Bremen24:4119
 
17TSG Hoffenheim18:3014
 
18Hannover 9619:3514

weitere Infos zu Tuchel

Vorname:Thomas
Nachname:Tuchel
Nation: Deutschland
Verein:Borussia Dortmund

weitere Infos zu Dardai

Vorname:Pal
Nachname:Dardai
Nation: Ungarn
Verein:Hertha BSC