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22.01.2016, 10:15

HSV vs. FCB: David Jarolim im großen kicker-Interview

Jarolim: "Das hat mir die Augen geöffnet"

Von seinen 318 Bundesligaspielen absolvierte David Jarolim 257 im Trikot des Hamburger SV und eines im Dress des FC Bayern. Er kennt beide Klubs, ganz besonders aber den aktuellen HSV-Coach. Vor dem Nord-Süd-Duell spricht der 36-Jährige im Interview mit dem kicker über seine Anfänge bei den Münchnern, die Stärken und Schwächen der Rothosen, seine Zeit unter Bruno Labbadia und erklärt, warum der Rekordmeister damals noch Respekt hatte vor dem HSV.

David Jarolim
Wünscht sich ein Hamburger Erfolgserlebnis: David Jarolim hofft auf einen guten Start des HSV gegen die Bayern.
© imagoZoomansicht

kicker: Sie trainierten selbst noch unter Bruno Labbadia. Vor kurzem verlängerte der Coach seinen Vertrag beim Hamburger SV. Wie wichtig ist dieser Schritt für den Verein, Herr Jarolim?

Jarolim: Das ist in jedem Fall positiv. In der Vergangenheit lief es ja anders beim HSV, schließlich war die Planung mit Trainern das größte Problem. Man muss ganz klar sagen: Er hat den Verein gerettet. Damit ist es die logische Entscheidung - für beide Seiten.

kicker: Sie kennen Labbadia gut. Was ist er für ein Typ?

Jarolim: Ich machte mit ihm super Erfahrungen. Unter Labbadia war ich Kapitän. In seinem damals letzten Jahr standen wir im Halbfinale der Europa League - und er musste gehen. Er ist ein Arbeiter, ein echter Profi. Er hat einen Plan. Vergangene Saison hielt er den Klub am Leben, obwohl es sehr schwierig war. Nun sieht es besser aus. Der HSV ließ in der Hinrunde bei zu vielen Heimspielen Punkte liegen, es wäre schön, wenn sie am Freitag gleich Selbstvertrauen tanken könnten.

kicker: Im Volksparkstadion gewann der FC Bayern lediglich zwei der vergangenen acht Bundesligaspiele. Was bedeutet diese Statistik?

Jarolim: Schwer zu sagen. In meiner Zeit hatten wir eine gute Bilanz gegen die Bayern. Wir waren noch Konkurrenten, Bayern reiste mit Respekt nach Hamburg. Diesen Respekt muss sich die aktuelle Mannschaft des HSV erst wieder erkämpfen. Ich freue mich auf die Partie, es ist das erste Spiel nach der Winterpause.

Verbessert der HSV seine Torausbeute, kann es nach oben gehen.David Jarolim

kicker: Was macht der HSV besser als im vorigen Jahr?

Jarolim: Sie präsentieren sich kompakter, was vergangene Saison bei weitem nicht der Fall war. Die Defensivarbeit hat sich eindeutig verbessert. Aber: Im Spielaufbau zeigen sie Defizite. Vor allem offensiv fehlt es dem Spiel an Durchschlagskraft. Das macht sich auch in der Statistik bemerkbar: zu wenig Tore. Das liegt nicht nur an den Stürmern.

kicker: In der Montagsausgabe des kicker sagten Sie, dass Sie "keinen akuten Abstiegskampf" erwarten, prognostizieren aber "eine schwere Rückrunde". Wie sieht die Zukunft des Bundesligadinos aus?

Jarolim: Wenn es dem HSV gelingt, mehr Heimspiele zu gewinnen, zu Hause mehr Punkte zu holen, traue ich Ihnen mehr zu. Da, wo sie aktuell stehen, das ist ein klares Zeichen. Verbessert der HSV seine Torausbeute, kann es nach oben gehen. Man sagt das zwar immer so, aber es ist wirklich enorm wichtig, erfolgreich in die Runde zu starten und die ersten Spiele zu gewinnen. Davon profitiert man, das gibt einen Schub und Selbstvertrauen.

Bruno Labbadia und David Jarolim
Alte Bekannte: Trainer Bruno Labbadia im Dialog mit seinem damaligen Kapitän David Jarolim.
© imagoZoomansicht

kicker: Wie kann der Hamburger SV den FC Bayern ärgern?

Jarolim: Sich nur passiv verhalten, nur verteidigen wird wenig bringen - Bayern hat immer die Möglichkeit sich auch dann durch die Reihen zu kombinieren. Die Münchner stellen eine Weltklassemannschaft. Spielt der HSV aber aggressiv mit Doppelpressing, können sie unangenehm werden. Das mag kein Team. In der Hinserie kam es mir so vor, dass Bayern nur dann Probleme hatte, wenn eine Mannschaft aggressiv zur Sache ging und sich gegenseitig unterstützte.

kicker: Sie selbst kennen auch das Umfeld an der Isar. Was unterscheidet diese beiden Vereine?

Jarolim: Niemand kann aktuell mit dem FC Bayern mithalten. Keine Mannschaft ist ligaweit mit den Münchnern zu vergleichen - sie gehören zur Weltspitze. Klar, auch der HSV ist ein Topverein, aber nicht in diesem Maße. Hinter beiden Teams stehen super Fans. Aber sportlich bewegen sie sich in verschiedenen Welten, das kann man nicht vergleichen.

kicker: Was macht die Bayern so stark?

Jarolim: Unter Pep Guardiola treten sie noch dominanter auf. Mit ihrem Kurzpassspiel gehören sie in Europa zu den beiden Mannschaften mit dem attraktivsten Fußball. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Der Fußball verbindet den Stil von Barcelona und die deutsche Mentalität.

Bei Bayern habe ich vieles gelernt und wichtige Erfahrungen gemacht - das ist unbezahlbar.David Jarolim über seine Zeit in München

kicker: Kann sich dieses Team nur selbst schlagen, so wie in den vergangen beiden Jahren, wenn Leistungsträger verletzt ausfallen?

Jarolim: In der Bundesliga sicherlich, die Dominanz und Qualität ist zu riesig. In der Champions League ist es ausgeglichener. Das Finale zu erreichen, bleibt das erklärte Ziel, dort aber entscheiden Kleinigkeiten.

kicker: Schon lange schaffte kein FCB-Talent mehr den Sprung in das A-Team. Sie selbst machten die Erfahrung als Jungspund bei diesem Klub. Wie war es bei Ihnen?

Jarolim: Bei Bayern befinden sich sehr viele talentierte Jungs. Es gibt genügend Beispiele, Spieler, die sich bei den Amateuren durchsetzen konnten und es in die Bundesliga geschafft haben. Das hängt natürlich auch vom Personal ab. Man muss ein Ausnahmetalent und mental darauf vorbereitet sein, um sich letztlich durchsetzen zu können - was natürlich sehr schwer ist als Junger.

David Jarolim als Hamburger und Münchner
Er kennt beide Seiten: Sein letztes Spiel gegen die Bayern fand am 4.2.2012 in Hamburg statt; bei Bayern kam er einst unter Trainer Ottmar Hitzfeld zum Einsatz.
© imago

kicker: Sie verließen die Bayern in Richtung Nürnberg.

Jarolim: Ja. Ich saß oft auf der Bank, lief je einmal in der Bundesliga und in der Champions League auf. Anfangs wollte ich mich durchbeißen, doch dann wählte ich den Umweg über Nürnberg. Im Nachhinein war es die absolut richtige Entscheidung.

kicker: Was haben Sie mitgenommen aus der Zeit in München?

Jarolim: Sehr viele Dinge. Diese Zeit hat mir die Augen geöffnet. Ich kam aus Prag, lebte dann im Internat und wurde selbstständig. Ich habe vieles gelernt und wichtige Erfahrungen gemacht, die mir auch jetzt in meinem neuen Job nutzen. Das ist unbezahlbar.

kicker: In Ihrer Karriere trafen Sie häufig auf die Bayern. Was macht diese Spiele so besonders?

Jarolim: Damals befanden wir uns noch auf Augenhöhe. Die Brisanz glich dem Derby gegen Bremen. Wenn ich an die Fans denke, an die Emotionen, das war unglaublich. Gänsehaut-Feeling. Wenn man solche Spiele am Ende dann auch noch gewinnt, das ist einfach nur wunderbar.

Interview: Georg Holzner

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1. Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Bayern München48:949
 
2Borussia Dortmund50:2441
 
3Hertha BSC26:1833
 
4Bor. Mönchengladbach35:3329
 
5Bayer 04 Leverkusen26:2128
 
6FC Schalke 0424:2627
 
7VfL Wolfsburg28:2426
 
81. FSV Mainz 0523:2424
 
91. FC Köln19:2424
 
10FC Ingolstadt 0412:1823
 
11Hamburger SV20:2522
 
12SV Darmstadt 9819:2721
 
13FC Augsburg21:2620
 
14Eintracht Frankfurt24:3020
 
15VfB Stuttgart25:3818
 
16Werder Bremen20:3318
 
17TSG Hoffenheim18:2614
 
18Hannover 9619:3114

weitere Infos zu Labbadia

Vorname:Bruno
Nachname:Labbadia
Nation: Deutschland

weitere Infos zu Guardiola

Vorname:Josep
Nachname:Guardiola
Nation: Spanien
Verein:Manchester City

1. Bundesliga - Zuschauer am 18. Spieltag

FC Schalke 04
 - 
Werder Bremen
62.271

Hamburger SV
 - 
Bayern München
57.000

Bor. Mönchengladbach
 - 
Borussia Dortmund
54.010

1. FC Köln
 - 
VfB Stuttgart
50.000

Hannover 96
 - 
SV Darmstadt 98
35.600

Hertha BSC
 - 
FC Augsburg
35.196

Eintracht Frankfurt
 - 
VfL Wolfsburg
35.000

TSG Hoffenheim
 - 
Bayer 04 Leverkusen
24.140

FC Ingolstadt 04
 - 
1. FSV Mainz 05
13.500


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