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20.01.2016, 15:55

Schiedsrichterschulung

Fröhlich und Krug coachen die Medien

Der Austausch zwischen Profis und Schiedsrichtern ist elementar, deswegen treffen sich die beiden Parteien auch regelmäßig vor Saisonbeginn, damit die Spieler mit neuen Regelauslegungen vertraut gemacht werden. Kurz vor dem Rückrundenstart fand zum wiederholten Male eine Regel-Schulung für die Medienschaffenden statt - die früheren Unparteiischen Lutz Michael Fröhlich und Hellmut Krug, Schiedsrichter-Manager der DFL, diskutierten mit rund 50 Journalisten knifflige Pfiffe und Szenen.

Hellmut Krug
Regelschulung: Hellmut Krug erklärt auch den Journalisten das Regelwerk.
© Getty ImagesZoomansicht

Die Schiedsrichter-Kommission hatte in Kooperation mit dem Verband Deutscher Sportjournalisten in die Sky-Zentrale nach Unterföhring geladen. Nach kurzen Vorreden ging es gleich in "media res", die Schwerpunktthemen lauteten Abseits, Handspiel, Strafraum und Disziplinarkontrolle - letzteres bedeutet, bei welchem Vergehen welche Karte gezückt wird.

Abseits

Hellmut Krug, ehemaliger FIFA-Schiedsrichter und jetziger Schiedsrichter-Beauftragter bei der Deutschen Fußball-Liga, stellt von vornherein fest, dass "wir Fehler prinzipiell nicht gänzlich loswerden", um dann die wesentlichen Punkte für strafbares Abseits zu erklären. Der Spieler müsse sich im Kampf um den Ball befinden, eine Zweikampfführung um den Ball findet nicht statt, wenn zwei Spieler einen bis eineinhalb Meter Abstand voneinander haben. Ein Spieler verdeckt nur dann strafbar das Sichtfeld des Torhüters, wenn er direkt in der Fluglinie des Balles steht und dieser aus kürzerer Distanz geschossen wird. Bei einem Schuss aus zum Beispiel 22 Metern hat der Torwart genug Zeit, um sich auf den Ball einzustellen, auch wenn die Stürmer an der Strafraumkante stehen und vermeintlich die Fluglinie des Balles verdecken. Also kein Abseits. Das gilt auch dann, wenn im Abseits stehende Spieler im Fünfmeterraum keinerlei Aktion Richtung Ball unternehmen.

Krug betont zudem, dass ein bewusstes Spielen des Balles auch eine ungewollte Verlängerung des Balles oder eine missglückte Rettungsaktion eines Abwehrspielers sein kann, die ein Abseits aufhebt. Gerade bei Standards oder weiten Bällen aus der Abwehr ist dies häufig der Fall.

Handspiel und Strafraum

Ehe Lutz Michael Fröhlich die nächsten beiden Schwerpunkte in Angriff nimmt, erläutert der Abteilungsleiter der Schiedsrichter beim DFB, dass sich das Verhalten der "modernen Referees von heute" auf dem Platz kolossal verändert hat im Vergleich zu der Zeit, als er und Kollege Krug aktiv an der Pfeife waren. "Wir tauchten nie im Strafraum auf", sagt Fröhlich und sofort flackern Erinnerungen von Unparteiischen auf, die die 90 Minuten mehr oder weniger im Mittelkreis verbrachten. Die folgenden Videoaufzeichnungen belegen in der Tat, dass bei kniffeligen Entscheidungen im oder am Strafraum der Schiedsrichter selten mehr als zehn Meter entfernt steht. "Um physisch über 90 Minuten immer in Ballnähe sein zu können, schicken wir unsere Schiedsrichter in ein Wintertrainingslager", sagt Fröhlich. Dort wird dann auch die Antizipation von Spielsituationen geschult, Laufwege werden eingeschliffen und das Umgehen von Störquellen, sprich die Sicht versperrende Spieler, wird aufgezeigt.

In der Praxis geht es beim strafbaren Handspiel im Strafraum um drei wesentliche Punkte: Der Spieler muss absichtlich und bewusst mit dem Arm zum Ball gehen. Eine unnatürliche Armhaltung ist ein Indiz für Absicht. Und zudem spielt die Orientierung des Spielers zum Ball und seine Blickrichtung eine Rolle. Die Distanz, aus der der Ball an den Arm fliegt, spielt eine untergeordnete Rolle. Die nachfolgenden Videobeispiele belegen, wie schwierig die Entscheidung letztlich bleibt. Klar ist, dass an den Körper angelegte Arme kaum geahndet werden, dass Bälle an weit ausgestreckte Arme auch dann häufig zur Ahndung führen, wenn gelernte Fußballspieler darauf hinweisen, dass dies nun mal die natürliche Armhaltung bei einer Fluggrätsche sei. Bei unübersichtlichen Aktionen wie zum Beispiel einem Getümmel im Strafraum, bei dem ein Spieler den Ball an den Arm bekommt, rät Fröhlich eher vom Pfiff ab, eine so genannte "Schutzhand gibt es nicht". Wehrt ein Spieler einen Torschuss mit dem Arm ab, ist eine Gelbe Karte zwingend zu zeigen. Vereitelt er damit ein Tor, muss es die Rote Karte sein.

Disziplinarkontrolle - welche Farbe darf es denn sein

Hellmut Krug nennt vier Kriterien, die ein Schiedsrichter bei der Beurteilung eines zu ahndenden Körpereinsatzes beachten muss. Wie hoch ist das Tempo und die Intensität der Attacke? In welcher Höhe findet die sie statt? Wie ist die Fußhaltung zu bewerten? Kommt die Attacke von hinten, vorne oder von der Seite? Im Schiedsrichter-Deutsch ist eine "fahrlässige Spielweise" mit einem Freistoß zu ahnden. "Rücksichtsloses Spiel" zieht eine Gelbe Karte nach sich, "brutales, gewaltsames und gesundheitsgefährdendes Spiel" wird mit der Roten Karte bestraft. Der Ort des Geschehens spielt laut Krug keine Rolle.

Speziell bei Ellenbogen-Vergehen in der Luft kommt es auf den Schwung an, mit dem der foulende Spieler agiert, um zwischen Gelber und Roter Karte zu unterscheiden. Das Hineinspringen in einen Gegenspieler mit ausgestrecktem Arm ist mit Gelb zu ahnden, das Weghalten eines Gegenspielers im Laufduell mit Kontakt zum Gesicht ist ebenfalls verwarnungswürdig. Nur eine tatsächliche Schlagbewegung mit dem Ellenbogen soll mit der Roten Karte bestraft werden. "In dieser Hinsicht sind wir in der Bundesliga auf einem guten Weg", sagt Krug, der in dieser Saison noch kein Vergehen dieser Art registriert hat.

Beim Verhindern eine 100-prozentigen Torchance oder eines Tores muss es zwingend Rot geben, allerdings reichen auch schon geringste Zweifel des Referees aus, um Milde walten zu lassen. Ein Elfmeterpfiff, ein wahrscheinliches Tor und eben keine Rote Karte wäre in manchen Fällen eine angenehme Umgehung der von den internationalen Verbänden geforderten Dreifach-Bestrafung.

bst

20.01.16
 

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