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14.01.2016, 20:46

Frankfurt: Der Pirlo aus der eigenen Jugend

Stendera: "Ich spiele ein bisschen mehr mit Köpfchen"

Marc Stendera ist im Dezember zwar erst 20 Jahre alt geworden, dennoch spielt der Mittelfeldakteur bereits seine vierte Saison bei den Profis von Eintracht Frankfurt. Der kicker traf das Ausnahmetalent während des Trainingslagers in Abu Dhabi zum Gespräch über seine Karriere. Einige Tage nach dem Treffen am Pool des Mannschaftshotels verglich ihn Trainer Armin Veh mit einem ganz Großen des Weltfußballs.

Wird von Trainer Armin Veh mit Pirlo verglichen: Eintracht Frankfurts Youngster Marc Stendera.
Wird von Trainer Armin Veh mit Pirlo verglichen: Eintracht Frankfurts Youngster Marc Stendera.
© imagoZoomansicht

Eigentlich wollte Veh gar nicht zu viel Lob über seinen Mittelfeldstrategen ausschütten - und dann tat er es doch. "Auch wenn er noch lange nicht so weit ist, würde ich ihn mit Pirlo vergleichen", sagte der Fußballlehrer. Der Ausgangspunkt war eine Frage nach dem Schelligkeitsdefizit Stenderas. Pirlo sei trotz fehlender Qualitäten im Sprint ein "Weltklasse-Spieler" - Veh erläuterte: "Du lernst viele Dinge, indem du aus deinem vermeintlichen Defizit etwas Gutes machst. Stendera ist nicht der Pfeil, deshalb eignete er sich ein gutes Zweikampfverhalten an. Er musste immer Mittel suchen." Auch darüber spricht der Techniker, den Veh schon im naher Zukunft als Anführer sieht, im Interview.

kicker: Wann entstand der Wunsch, Profifußballer zu werden, Herr Stendera?

Marc Stendera: Das war schon relativ früh klar, mit 12 oder 13 Jahren. Damals fing ich an, den Fußball richtig mitzubekommen, mir die Spiele im Fernsehen genauer anzuschauen - und dann wollte ich das unbedingt schaffen.

kicker: Gab es in dieser Zeit schon Jugendtrainer, die sagten: Du bist ein Guter, das kannst du packen?

Stendera: Meine Trainer sagten schon, dass ich besser bin als die anderen. Voraussagen kann man diese Entwicklung aber nicht. Mir war es immer wichtig, nicht so viel darauf zu geben, sondern einfach weiterzumachen, um den Sprung zu schaffen.

kicker: Sie wechselten im Alter von 14 Jahren vom OSC Vellmar zu Eintracht Frankfurt und kamen zunächst in einer Gastfamilie unter, bevor Sie später in das Internat am Riederwald zogen. Wie schwer war es, so jung das Elternhaus zu verlassen?

Stendera: Am Anfang war das ungewohnt. Das Internat war damals noch nicht fertig. Du bist auf dich alleine gestellt. Wenn du Probleme hast, weißt du nicht, wen du ansprechen sollst, da die Eltern nicht mehr eine Tür weiter leben, sondern zwei Autostunden entfernt. Das ist nicht so einfach. Trotzdem hat mich diese Zeit stärker gemacht. Ich habe viele Dinge alleine gelernt, war in meinem Alter weiter als andere und fühlte mich früher erwachsen. Ich war auch deshalb unter meinen Freunden immer der Jüngste, die anderen sind alle ungefähr zwei Jahre älter.

Es ist für jeden jungen Spieler wichtig, einen klaren Kopf zu behalten und sich nicht zu viel darauf einzubilden.Marc Stendera

kicker: Gab es ein Schlüsselerlebnis, nach dem Sie wussten: Ich schaffe den Schritt zum Bundesligaspieler?

Stendera: Ich schoss in der Jugend viele Tore und gab viele Vorlagen. Nach der U-17-EM 2012 durfte ich schließlich bei den Profis mittrainieren, was relativ gut klappte. Dabei ist es für jeden jungen Spieler wichtig, einen klaren Kopf zu behalten und sich nicht zu viel darauf einzubilden. Man sollte es als große Freude und Ehre begreifen, dass man hier mittrainieren darf und auf gar keinen Fall Zufriedenheit zeigen. Ich nahm die Einstellung mit, mich jeden Tag verbessern zu wollen.

Debüt als viertjüngster Bundesligaprofi der Geschichte

kicker: Sie debütierten am 6. April 2013 im Alter von 17 Jahren, drei Monaten und 27 Tagen als bis heute viertjüngster Bundesligaprofi der Geschichte - und das auch noch gegen den Lieblingsklub Ihrer Kindheit, den FC Bayern. Wie lebendig ist Ihnen dieser Tag noch in Erinnerung?

Stendera: Dieses Spiel werde ich bis an das Ende meines Lebens nicht vergessen. Das kann man auch gar nicht vergessen, weil es viel zu schön ist. Gegen Bayern sein erstes Spiel zu machen, das ist eigentlich unvorstellbar.

kicker: Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?

Stendera: Nicht großartig. Ich habe immer noch das gleiche Umfeld, die gleichen Freunde. Das ist mir sehr wichtig.

kicker: Es gibt bestimmt viele Schulterklopfer.

Stendera: Das ist eine normale Situation, wenn man in der Bundesliga spielt. Man wird erkannt, lernt aber mit der Zeit, damit umzugehen.

kicker: Können Sie noch in Ruhe einkaufen gehen?

Stendera: Ein so großer Star bin ich auch noch nicht, das geht schon noch, auch wenn ab und zu ein paar Leute kommen und mich ansprechen.

kicker: In der Vorbereitung auf die Saison 2013/14 erlitten Sie mit einem Kreuzbandriss einen schweren Schlag. Hatten Sie Angst um Ihre Karriere?

Stendera: Wenn man so jung ist, realisiert man das erst mal gar nicht richtig. Man versucht einfach alles, um so schnell wie möglich wieder Fußball spielen zu können. Natürlich war das bitterer Zeitpunkt, heute kann ich allerdings sagen, dass ich durch diese Erfahrung gereift bin.

Meine Fähigkeit war es von klein auf, dass ich immer unbedingt gewinnen wollte und sehr schlecht verlieren konnte - ob im Training oder im Spiel.Marc Stendera

kicker: Trainer Armin Veh sagte nach der Derby-Niederlage gegen Darmstadt: "Es kann nicht sein, dass ein 19-Jähriger die Mannschaft anführt." Indirekt ist das durchaus ein Kompliment für SIe. Waren Sie schon in der Jugend der Typ Anführer?

Stendera: Ich glaube, jeder Spieler hat seine Fähigkeiten. Meine Fähigkeit war es von klein auf, dass ich immer unbedingt gewinnen wollte und sehr schlecht verlieren konnte - ob im Training oder im Spiel. Ich versuche stets, alles zu geben und mir keinen großen Kopf zu machen, wenn irgendetwas mal nicht klappt.

Interview: Julian Franzke

 
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weitere Infos zu Veh

Vorname:Armin
Nachname:Veh
Nation: Deutschland

weitere Infos zu Stendera

Vorname:Marc
Nachname:Stendera
Nation: Deutschland
Verein:Eintracht Frankfurt
Geboren am:10.12.1995

Vereinsdaten

Vereinsname:Eintracht Frankfurt
Gründungsdatum:08.03.1899
Mitglieder:35.000 (01.07.2016)
Vereinsfarben:Rot-Schwarz-Weiß
Anschrift:Mörfelder Landstraße 362
60528 Frankfurt/Main
Telefon: 0800 - 7431899
Telefax: (0 69) 95 50 31 10
E-Mail: info@eintrachtfrankfurt.de
Internet:http://www.eintracht.de


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