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07.01.2016, 10:22

Mainzer Grenzerfahrung ohne Dusche

Schmidts Holzscheit in Eis und Schnee

Eisig weht der Wind um die Membranen. Minus zehn Grad. Auf 2700 Metern fällt der Schnee sanft auf die Dächer der rund zehn Zelte. In denen liegen nicht etwa Sherpas im Himalaya oder Bergretter in den Schweizer Alpen, sondern die Profis des 1. FSV Mainz 05.


Aus dem Mainzer Trainingslager in Marbella berichtet Benni Hofmann

Ging vor Marbella mit seinen Spielern in die Berge: Mainz-Trainer Martin Schmidt.
Ging vor Marbella mit seinen Spielern in die Berge: Mainz-Trainer Martin Schmidt.
© Pascal GertschenZoomansicht

"Ich wollte im Team etwas auslösen", erklärt Martin Schmidt. Eineinhalb Tage nach der Nacht in der Kälte sitzt der FSV-Trainer im feinen Mannschafts-Hotel in Marbella und spricht am Mittwochabend über das Teambuilding. "Grenzen verschieben war ein Hauptgedanke. Die Jungs sollten Grenzerfahrungen machen, Widerstände überwinden."

Am Montagmorgen besteigen die Fußballer den Zug nach Brig ins Schweizer Kanton Wallis, von dort geht es per Bus nach Blatten bei Naters, der Heimat Schmidts. "Packt nur das Nötigste ein", sagt der 48-Jährige seinen Schützlingen, die noch nichts ahnen. "Zahnbürste, Zahnpasta, Deo. Duschen ist jetzt zwei Tage nicht." Schon im November besucht ein Schneeschuh-Macher den Mainzer Bruchweg. Dass dort die Maße genommen werden für eine Wanderung in luftigen Höhen, damit rechnen Yunus Malli, Loris Karius und Co. nicht.

Die Berge sind mein Kraftort geworden.Mainz-Trainer Martin Schmidt

Tausend Höhenmeter überwinden die Kicker auf einer stundenlangen Wanderung, dann stehen sie vor der Schönbielhütte, die gegenüber dem Matterhorn liegt. Sie blicken auf ein Zeltbiwak. "Dann habe ich den Spielern gesagt, wo sie heute übernachten", sagt Schmidt und muss schmunzeln. "Bei Jhon (Cordoba, Anm. d. Red.) ging die Mütze noch ein bisschen tiefer ins Gesicht." Doch der Kolumbianer und seine Teamkollegen bekommen schnell Ablenkung. Michi Nellen, Chef der Bergrettung im Aletschgletscher-Gebiet, referiert über seinen Aufstieg auf einen 8000er. Ein Impulsvortrag als Betthupferl, denn dann wickeln sich die Kicker in die Schlafsäcke. Eine Toilette gibt es. Im Miniaturformat mit einem Waschbecken und einem Spiegel. Bei den Temperaturen sollte man es sich ohnehin lieber dreimal überlegen, die warme Höhle zu verlassen.

"Die Berge", sagt Martin Schmidt, "sind mein Kraftort geworden." Früher verbrachte er oft Wochen und Monate in der Höhe. Es ein perfekter Platz, um bei Sorgen oder Problemen "den Kopf zu lüften". Ob seine Spieler Kraft tanken in der Nacht von Montag auf Dienstag? "Viel geschlafen haben sie glaube ich nicht."

25 Zentimeter Neuschnee rieseln herab, ehe die Sonne aufgeht. Immer wieder kommt das Rettungsteam von Michi Nellen. Allerdings nur, um den Schnee von den Zelten abzuklopfen. Das weckt in der Stille der Alpen den ganzen Tross. "Ich hätte nie gedacht, dass gerade die Spieler aus anderen Kulturen das Element Schnee so annehmen", lobt Schmidt. In aller Herrgottsfrühe schlüpfen die Fußballer wieder in die Schneeschuhe, es geht nochmal weitere 600, 700 Meter hoch. Dann ist finito.

Extravagantes Teambuilding

Der Anfang dieser Vorbereitung soll wichtig für das Ende der Saison sein. Es gab eine Zielvereinbarung. Zudem "haben wir darüber gesprochen: Wer will im Bus nach Ingolstadt sitzen?" - die Nullfünfer beginnen die Rückrunde beim Aufsteiger. Am wichtigsten aber sei Schmidt die gemeinsame Nacht fernab jeglichen Luxus' und Alltags gewesen. Dazu der Aufstieg, also eine Kraftausdauereinheit, die sich trainingswissenschaftlich gut in den aktuellen Stand der Vorbereitung integrieren lässt.

"Es geht darum, kleine Schritte zu machen, um das Zwischenziel zu erreichen", erklärt Schmidt das extravagante Teambuilding. Entsprechend deduktiv war die Herangehensweise. Erst die Fahrt in die Berge, dann der Wechsel vom normalen Schuhwerk auf Schneeschuhe, der mühevolle Aufstieg. Weiter, immer weiter. Irgendwann die Gewissheit: Okay, wir nächtigen auf 2700 Metern bei minus zehn Grad. "Wir haben das nicht gemacht, weil etwas fehlte. Ich wollte einfach einen Holzscheit mehr ins Feuer werfen. Der Teamspirit muss eine Waffe der Kleinen sein." Er lodert nun, hofft Schmidt, heftiger als je zuvor. Trotz 25 Zentimetern Neuschnee.

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Mainz campiert auf 2700 Metern Höhe
Konditionstraining und Teambildung einmal ganz anders: In den Walliser Alpen gingen die Fußballer des FSV Mainz 05 neue Wege, um sich auf die Rückrunde der Bundesliga einzuschwören.
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© Pascal Gertschen

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07.01.16
 
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weitere Infos zu Schmidt

Vorname:Martin
Nachname:Schmidt
Nation: Schweiz
Verein:1. FSV Mainz 05

Vereinsdaten

Vereinsname:1. FSV Mainz 05
Gründungsdatum:16.03.1905
Mitglieder:13.500 (01.07.2015)
Vereinsfarben:Rot-Weiß
Anschrift:Isaac-Fulda-Allee 5
55124 Mainz
Telefon: (0 61 31) 37 55 00
Telefax: (0 61 31) 37 55 033
E-Mail: info@mainz05.de
Internet:http://www.mainz05.de