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19.12.2015, 10:00

Interview mit dem früheren Spieler von Mainz und Hertha BSC

Fathi: "Das Niveau unter Dardai ist bemerkenswert"

Seit Februar dieses Jahres spielt Malik Fathi (32) auf Mallorca Fußball. Beim spanischen Drittligisten Club Deportivo Atletico Baleares, der dem deutschen Hotelunternehmer Ingo Volckmann gehört, ist er neben Benedikt Pliquett, Michael Wiemann und Thilo Leugers der vierte deutsche Profi im Kader. Betreut wird das Team seit kurzem vom früheren Nationalspieler Christian Ziege, der Aufstieg in die 2. Liga ist das erklärte Ziel. Im kicker-Interview spricht Fathi darüber - genauso wie über seine Ex-Klubs Mainz und Hertha BSC.

Malik Fathi spielte einst bei Hertha BSC mit dem heutigen Trainer Pal Dardai zusammen.
Malik Fathi spielte einst bei Hertha BSC mit dem heutigen Trainer Pal Dardai zusammen.
© imagoZoomansicht

Nach einer Meniskusoperation hat Fathi in der Hinrunde wieder Fuß gefasst, "seit ein paar Wochen habe ich nicht mehr jeden Tag Schmerzen". Mit Hertha BSC und Mainz treffen am Sonntag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) zwei seiner Ex-Klubs aufeinander.

kicker: Kennen Sie den Bundesliga-Spielplan an diesem Wochenende, Herr Fathi?

Malik Fathi: Ich verfolge die Bundesliga natürlich noch, aber nicht mehr so intensiv wie früher. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich nicht im Detail weiß, wer an diesem Wochenende gegeneinander spielt.

kicker: In Berlin kommt es zu einem unerwarteten Topspiel zwischen Ihrer ehemaligen Klubs Hertha BSC und Mainz 05. Welcher Höhenflug überrascht Sie mehr?

Fathi: Der von Hertha. Die individuelle Qualität war in den letzten Jahren eigentlich immer vorhanden, aber als Team hat man nicht so harmoniert wie jetzt unter Pal Dardai. Mainz hingegen kommt seit Jahren über die mannschaftliche Geschlossenheit, deshalb überrascht mich die gute Platzierung der Nullfünfer eher weniger.

kicker: Sie waren fünf Jahre lang im Hertha-Bus der direkte Sitznachbar von Pal Dardai. Was ist er für ein Typ?

Malik Fathi hat auch Thomas Tuchel beim 1. FSV Mainz 05 erlebt (noch im Bild: Niko Bungert).
Malik Fathi hat auch Thomas Tuchel beim 1. FSV Mainz 05 erlebt (noch im Bild: Niko Bungert).
© imagoZoomansicht

Fathi: Wenn ich an Pal Dardai denke, fällt mir als erstes sein herzhaftes ungarisches Lachen ein. Als Spieler war er immer für einen Spruch zu haben, er hat positive Stimmung ins Team gebracht. Seine Art zu spielen war von viel Ehrgeiz geprägt. Sein Fokus lag immer darauf, defensiv gut zu stehen. Und das war offenbar auch sein erster Ansatz als Trainer. Dass Hertha aber mittlerweile auch durch ein hohes spielerisches Niveau überzeugt, finde ich schon bemerkenswert.

kicker: Blicken wir nach Mainz. Unter Trainer Martin Schmidt haben Sie gearbeitet, wenn Sie in der zweiten Mannschaft aushelfen mussten. Was sind seine Stärken?

Fathi: Grundlegend zeichnet es ihn aus, dass er die erfolgreiche Arbeit von Thomas Tuchel weiterführt und vieles von ihm übernommen hat, ohne ihn komplett zu kopieren. Er bringt seinen eigenen Stil ein, hat wie Tuchel viele Facetten und kommuniziert ähnlich viel. Und in der Kabine gelingt es ihm, den Spaß mit klaren Ansagen zu verbinden.

kicker: Stichwort Tuchel. Wer unter ihm gearbeitet hat, den dürfte seine äußerst erfolgreiche Arbeit in Dortmund wenig überraschen.

Fathi: So ist es. Er ist charismatisch, hat seine eigenen Ideen und die setzt er durch. Als Spieler muss man unter Tuchel mitziehen, das ist von vornehinein klar. Wer offen ist, Tuchels Ideen versteht, sich darauf einlässt und sie umsetzt, wird als Spieler ungemein profitieren.

Ich bin ein Typ, der sich gut anpassen und zurücknehmen kann. Und außerdem stehe ich sicherlich nicht mehr im Frühling meiner Karriere.Malik Fathi

kicker: Sie selbst haben bei Atletico Baleares seit kurzem mit Christian Ziege einen neuen Trainer. Wie sind die ersten Eindrücke?

Fathi: Positiv. Bei uns in der Mannschaft stimmt zwar die Basis, aber wir vernachlässigen zu oft das Fußballspielen, agieren in manchen Phasen zu hektisch und treffen die falschen Entscheidungen. Unter Christian Ziege merkt man, dass gerade im taktischen Bereich mehr Zug im Spiel ist. Das ist wichtig. Wir sind eine Mannschaft, die aufsteigen will, und dann muss man das Zepter in die Hand nehmen. Schon in den wenigen Trainingseinheiten und in der Art, wie wir spielen, wird deutlich, dass wir die Philosophie, die er mitbringt, umsetzen können.

kicker: Seit Februar 2015 ist die dritte spanische Liga Ihre sportliche Heimat. Wie schwer fällt das jemandem, der 175 Bundesliga-Spiele, zwei Länderspiele und Champions-League-Einsätze mit Spartak Moskau in seiner Vita stehen hat?

Fathi: Ich bin ein Typ, der sich gut anpassen und zurücknehmen kann. Und außerdem stehe ich sicherlich nicht mehr im Frühling meiner Karriere. Die Erwartungshaltung ist einfach eine andere. Anfangs war es ein Lernprozess, nicht mit irgendwelchen Vorstellungen ranzugehen, die utopisch sind. Andererseits darf man nicht vergessen, dass es selbst in der 3. Liga viele Spieler gibt, die eine sehr hohe individuelle Qualität haben, aber denen der entscheidende Schritt zum Profi aus unterschiedlichsten Gründen nicht gelungen ist. Mir war von vornherein klar, dass ich hier nicht mit ein paar Solos alle an die Wand spiele.

kicker: Sie sind in Berlin aufgewachsen, haben in anderen Metropolen gespielt wie Moskau oder München, aber auch in beschaulichen Städten wie Mainz oder Kayseri. Wie lebt es sich auf Mallorca?

Fathi: Von der Lebensqualität her ist es top. Es ist nicht schwer, sich an das Leben auf der Insel zu gewöhnen.

Malik Fathi
Im Trikot seines aktuellen Klubs Atletico Baleares: der 32-jährige Malik Fathi.
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kicker: Gibt es Dinge, die sie vermissen?

Fathi: Ich vermisse die Sauna. In Mainz war ich der Saunameister, mit den Kollegen oder auch alleine mit einem Buch konnte ich dort vier bis fünf Stunden verbringen. Aufguss, essen, schlafen, lesen - gerade im Winter gibt es für mich kaum etwas Besseres. Und Saunen sind hier auf Mallorca naturgemäß etwas rar.

kicker: Spielen Sie mit dem Gedanken, im nächsten Sommer, wenn Ihr Vertrag endet, einen anderen Schritt zu wagen?

Fathi: Mein Fokus liegt darauf, im Sommer mit meinem Klub aufzusteigen. Und dann verlängert sich mein Vertrag sowieso wieder. Für die Zeit nach der Karriere habe ich jedenfalls vorgesorgt. Ich habe einen Abschluss zum Sportmanager gemacht, über 16 Monate eine Ausbildung zum Mentaltrainer absolviert und werde nach der B-Lizenz im nächsten Jahr den nächsten Trainerschein angehen.

Neben der Physis wird im Fußball künftig die mentale Komponente eine immer wichtigere Rolle einnehmen.Malik Fathi

kicker: Auf welcher dieser drei Säulen liegt Ihr Hauptaugenmerk?

Fathi: Ein wenig schiele ich in Richtung Mentalcoach. Ich selbst arbeite seit Jahren schon mit "Kompass Mentoring" zusammen. Das ist ein Team, das Unternehmen, Mitarbeiter von Firmen, aber auch Profisportler im Hinblick auf eine umfassende Laufbahnbegleitung betreut. Auch einen Lewis Holtby oder einen Marcel Risse. Neben der Physis wird im Fußball künftig die mentale Komponente eine immer wichtigere Rolle einnehmen. In Einzelsportarten gibt es das schon länger, Mannschaftssportarten kommen immer mehr dahin. Ich finde es faszinierend, dass Techniken, Kniffe oder auch Charaktereigenschaften von Spielern letztlich den entscheidenden Unterschied ausmachen können. In diesem Bereich würde ich später gerne arbeiten.

Interview: Uwe Röser

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19.12.15
 
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weitere Infos zu Schmidt

Vorname:Martin
Nachname:Schmidt
Nation: Schweiz
Verein:1. FSV Mainz 05

weitere Infos zu Dardai

Vorname:Pal
Nachname:Dardai
Nation: Ungarn
Verein:Hertha BSC