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07.12.2015, 11:29

Kommentar zu den hässlichen Szenen beim Derby in Frankfurt

Fischers Fehltritt: Eintracht-Präsident verteidigt Chaoten

"Bevor die irgendwelche Leute prügeln, können die von mir aus auch ein Banner verbrennen": Peter Fischer, der Präsident von Eintracht Frankfurt, stärkte nach den hässlichen Szenen beim Derby gegen Darmstadt den Chaoten den Rücken - und offenbarte ein merkwürdiges Verständnis von Fankultur. Ein Kommentar von Julian Franzke.

Darmstädter Fan-Utensilien brennen im Eintracht-Block
Darmstädter Fan-Utensilien brennen im Eintracht-Block - Frankfurts Präsident zeigte Verständnis.
© imagoZoomansicht

Eintracht Frankfurt gab am Sonntagabend im Derby gegen Darmstadt 98 in jederlei Hinsicht ein erschreckendes Bild ab. Die Profis spielten wie ein Absteiger, und auf den Rängen arbeiteten vermummte Chaoten am Bild des "Randalemeisters", verbrannten kurz vor Schluss etliche Darmstadt-Banner und stürmten hinterher in den Stadion-Innenraum. Als wäre all das nicht schon schlimm genug, verteidigte Peter Fischer das Fehlverhalten dieser Anhänger.

Der Eintracht-Präsident erklärte zu den hässlichen Szenen: "Das sind Dinge, die muss man ein Stück weit akzeptieren, und da muss man auch Fankultur akzeptieren. Die ist eben nun mal so, die ist nicht aerodynamisch und angepasst. Wenn wir schon eine Fankultur und Fankurve haben, die wir seit 1899 abfeiern, und das auch mit Recht, dann verstehe ich, dass dort bei so unglaublich viel Frust und Leidenschaft irgendwo etwas passiert. Bevor die hingehen und irgendwelche anderen Leute prügeln, können die von mir aus auch ein Banner verbrennen. Irgendwo gibt es auch Ventile, das kann ich verstehen. Wie sollen die ihren Frust loslassen?"

Das Verbrennen war eine geplante Aktion, nicht einfach Frust-Abbau

Es ist ein merkwürdiges Verständnis von Fankultur, das Fischer offenbart. Man mag sich lieber nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn kurz vor dem Schlusspfiff jeder frustrierte Eintracht-Fan begonnen hätte, auf der Tribüne Fanutensilien anzuzünden. Zudem ist die Argumentation nicht schlüssig. Es handelte sich beim Aufhängen und Verbrennen der Transparente um eine geplante Aktion, die Banner sind nach dem Rückstand und der sich anbahnenden Niederlage schließlich nicht plötzlich vom Himmel gefallen.

Mit widerlichen Hetzplakaten hatten sogenannte Fans schon Ende November zur Jagd auf die "Lilienschweine" aufgerufen. Derlei Aktionen haben nichts mit Fankultur und Derby-Frust, sondern schlichtweg mit blindem Hass auf Darmstadt 98 und seine Anhänger zu tun. In einem Internetforum der Darmstädter Fanszene berichten einige Anhänger, dass teils schon vor geraumer Zeit Banner geklaut worden seien. Nach kicker-Recherchen stimmen diese Aussagen. Fischer verharmloste auch diesen Tatbestand.

Gekauft statt geklaut? Fischer verharmlost auch den Banner-Diebstahl

"Banner wegnehmen, das ist so eine Sache", sagte er. "Ich weiß, dass wir einige Banner gekauft haben. Die können das mindestens so gut wie in Hollywood inszenieren, vor dem Stadion gab es genügend Darmstadt-Banner und Schals zu kaufen. Wenn man zusammenlegt, kauft man die für 20 Euro ein und verbrennt sie dann. Ich weiß nicht, ob jemand Banner abgenommen bekommen hat, das halte ich für Polemik." Schals und Fahnen gibt es vor dem Stadion tatsächlich haufenweise zu kaufen, individuell angefertigte Banner eher nicht.

Eintracht-Präsident Peter Fischer beim Derby gegen Darmstadt
"Ich weiß nicht, ob jemand Banner abgenommen bekommen hat, das halte ich für Polemik": Eintracht-Präsident Peter Fischer.
© imagoZoomansicht

Gewissermaßen sind Fischers Aussagen ein Schlag in die Magengrube eines jeden friedlichen Fans. Die tolle Choreografie vor dem Anpfiff, hinter der wahnsinnig viel Arbeit und Geld steckt, die lautstarke Anfeuerung, die das Stadion in einen Hexenkessel verwandelte - all das, was wahre Fankultur auszeichnet, konterkarierten einige unverbesserliche Vermummte. Dass der in der Kurve großgewordene Fischer den Chaoten den Rücken stärkt, ist ein schwerer Fehltritt.

Bruchhagen findet die richtigen Worte

Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen fand bei "Sky" hingegen die richtigen Worte: "Ich bedauere das sehr, das ist sicherlich nicht im Sinne von Eintracht Frankfurt. Man kann den Unmut auch anders äußern als auf diese Art und Weise. Das ist nicht Fußball-like und sehr, sehr enttäuschend. Die Niederlage ist keine Rechtfertigung für solche Vorgänge. Wir müssen im Fußball insgesamt darüber nachdenken, wie wir dieser Dinge Herr werden. Das versuchen wir seit vielen Jahren. Der heutige Tag war in jederlei Hinsicht enttäuschend."

Julian Franzke

1. Bundesliga, 2015/16, 15. Spieltag
Eintracht Frankfurt - SV Darmstadt 98 0:1
Eintracht Frankfurt - SV Darmstadt 98 0:1
Gut gelaunt

Darmstadts Trainer Dirk Schuster hat vor dem Spiel in Frankfurt gute Laune.
© Getty Images

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52 Leserkommentare

steff-70
Beitrag melden
08.12.2015 | 16:32

Aha..

..nur weil sich Leute gibt, die sich noch mehr daneben benehmen, soll nicht soviel Theater um das bissel [...]
Eisenowski
Beitrag melden
08.12.2015 | 16:32

War es so kalt?

@USTS-06

Zitat ihres Beitrages:
"[...] Stattdessen nur [...]
- Erregter Meinungsaustausch mit der[...]
Klacic
Beitrag melden
08.12.2015 | 14:03

Falsch verstandener Sport

Ich durfte am Sonntag mit meinem Sohn diesem Spiel beiwohnen.
Und war wirklich sprachlos, was aus Frankfu[...]
Sonnenloewe
Beitrag melden
08.12.2015 | 09:30

@Peace1979

in Ihrer Welt ist aber wohl einiges durcheinander!1
Sie vermischen Sachen wie es Ihnen gefält:[...]
jobb
Beitrag melden
08.12.2015 | 09:29

ein Schlag in die Magengrube des Fans

... ist es aus meiner Sicht auch, wenn der Torwart Hitz für eine der übelsten Sauereien, die ich - Foulspiele [...]

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