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09.11.2015, 21:30

Hertha: Valerenga Oslos Coach über die Berliner Leihgabe

Rekdal: "Die Zeit bei uns hat Burchert weitergebracht"

Sein Leihvertrag mit Valerenga endet erst am 31. Dezember, aber am Montag flog Sascha Burchert (26) von Oslo zurück nach Berlin. 14 Liga-Spiele bestritt der im Juli von Hertha BSC verliehene Keeper in Norwegen, mit Valerenga belegte er Platz sieben in der am Sonntag beendeten Meisterschaft. Am Mittwoch wird Burchert wieder bei Hertha erwartet, wo er noch einen Vertrag bis 2016 besitzt. "Wir werden sehen, ob er hier dann sofort ins Training einsteigt oder zunächst eine Pause erhält", sagt Herthas Torwarttrainer Zsolt Petry, der mit Burchert "fast wöchentlich" Kontakt hatte und konstatiert: "Die Ausleihe hat allen Beteiligten etwas gebracht."

Kjetil André
© Getty ImagesZoomansicht

Der kicker sprach mit Valerenga-Coach Kjetil Rekdal (47) über Burcherts Zeit in Oslo, seinen norwegischen Landsmann Rune Jarstein und die eigenen Deutschland-Ambitionen. Rekdal, 83-facher norwegischer Nationalspieler und WM-Teilnehmer von 1994 und 1998, war bei Hertha BSC Ende der 90er Jahre Kapitän und bestritt für Borussia Mönchengladbach und Hertha insgesamt 73 Bundesliga-Spiele (vier Tore). Später trainierte er den 1. FC Kaiserslautern.

kicker: Als Sascha Burchert im Juli zu Valerenga kam, war Ihr Team Dritter. Am Ende wurde es Platz sieben. Sind Sie trotzdem zufrieden mit Burchert ?
Kjetil Rekdal: Ja. Als er kam, war ihm anzumerken, dass ihm die Spielpraxis im höheren Bereich fehlt. Aber je länger er bei uns im Tor stand, umso sicherer wurde er. Dass wir am Ende nur Siebter wurden, enttäuscht mich, aber das lag vor allem an unserer fehlenden Konstanz. Wir haben selten zwei gute Halbzeiten in einem Spiel hinbekommen. Unser letztes Saisonspiel am Sonntag (2:2 bei Strömsgodset IF Drammen, d. Red.) war das beste Beispiel. Die erste Halbzeit war schwach, wir lagen 0:2 hinten. Die zweite Halbzeit war richtig gut. Wir hatten im August und September eine schlimme Phase mit vier Niederlagen am Stück, da haben wir eine bessere Platzierung verspielt.
kicker: Burchert kassierte in 14 Spielen 14 Gegentore, darunter beim 1:1 gegen Start Kristiansand ein Freistoß-Tor von der Mittellinie, als der gegnerische Keeper traf. Wie hat er diesen Fehler weggesteckt?
Rekdal: Er hat diesen Ball völlig unterschätzt, das war im Grunde ein Blackout. Aber das war sein einziger schwerer Fehler in den 14 Spielen. Er hat weiter mein Vertrauen bekommen und diesen Patzer schnell abgeschüttelt, anders geht es auch nicht.

Er ist ein moderner, mitspielender Keeper mit einer Top-Mentalität.Valerenga-Coach Kjetil Rekdal über Sascha Burchert

kicker: Für welches Torwartspiel steht er?
Rekdal: Er ist ein moderner, mitspielender Keeper mit einer Top-Mentalität. Wir haben eine sehr offensive Spielanlage, er war stark ins Spiel eingebunden. Das hat er gut gemacht. Die Zeit bei uns hat ihn weitergebracht.
kicker: Wollen Sie ihn etwa für die neue Saison, die im März beginnt, fest verpflichten?
Rekdal: Nein. Wir könnten ihn für eine ganze Saison gar nicht bezahlen. Wir werden zur neuen Saison einen jungen Torhüter aus Schweden holen.
kicker: Was trauen Sie Burchert auf Sicht zu?
Rekdal: Ich traue ihm zu, sich bei einem guten Zweitligisten in Deutschland als Nummer eins durchzusetzen. Aber dazu muss er spielen. Er hat in den vergangenen Jahren zu viel Zeit auf der Bank verbracht. Bis Jahresende ist er für Hertha nicht spielberechtigt, danach muss er irgendwo im Tor stehen. Praxis ist für einen Torwart durch nichts zu ersetzen.

Sascha Burchert
© Getty ImagesZoomansicht

kicker: Im Moment steht Ihr Landsmann Rune Jarstein im Hertha-Tor. Bleibt er drin, wenn Thomas Kraft seine Kapselverletzung in der Schulter auskuriert hat und wieder fit ist?
Rekdal: Das wird ein heißer Zweikampf zwischen zwei guten Torhütern, das kann Hertha nur gut tun. Jarstein zeigt jetzt, was er kann. Er sammelt Argumente.
kicker: In seinem ersten Berliner Jahr war er den Verantwortlichen zu zurückhaltend, auch im Training.
Rekdal: Es ist nicht leicht, wenn du als Ausländer in eine so starke Liga kommst. Dass er jetzt so stabil spielt, wundert mich nicht. Ich halte viel von ihm. Und dass mit Siegen und der Spielpraxis Ausstrahlung und Sicherheit steigen, ist klar. Ein guter Torhüter braucht Dominanz. Die zeigt Jarstein jetzt.
kicker: In der norwegischen Nationalmannschaft kommt er aktuell nicht an Örjan Nyland vorbei, der in Ingolstadt nur auf der Bank sitzt. Verstehen Sie Nationaltrainer Per-Mathias Högmo?
Rekdal: Ja, schon. Im Tor änderst du als Trainer nicht ständig die Besetzung. Jarstein saß mehr als ein Jahr nur auf der Bank, jetzt spielt er seit ein paar Wochen. Wenn das so bleibt, wird der Trainer im Januar neu überlegen müssen. Aber in den EM-Play-Offs wird er nichts umschmeißen.
kicker: Ist Norwegen Favorit gegen Ungarn?
Rekdal: Ja, leichter Favorit. Ich sehe die Chancen bei 60:40.
kicker: Hertha ist mit Ihren Landsleuten Per Skjelbred und Rune Jarstein aktuell Bundesliga-Vierter. Überrascht Sie das?
Rekdal: Ja. Nach den letzten Wochen der vorigen Saison, als Hertha von den letzten sieben Spielen keines gewann, hatte ich etwas Sorge. Jetzt bin ich angenehm überrascht, wie Hertha auftritt. Trainer-Team, Manager, Mannschaft: Alle machen einen guten Job.

Mein Ziel bleibt, irgendwann als Trainer nach Deutschland zurückzukehren.
Valerenga-Coach Kjetil Rekdal

kicker: Weckt Hertha wegen der beiden Spieler und des Höhenflugs derzeit besonderes Interesse bei Ihren Landsleuten?
Rekdal: Eher nicht. Ich schaue natürlich genau hin, was in Berlin passiert. Aber für die meisten Norweger ist die Premier League nach wie vor das Maß aller Dinge. England zieht das große Interesse auf sich, die Bundesliga wird eher am Rande wahrgenommen.
kicker: Sehen wir Sie nochmal in Deutschland als Trainer?
Rekdal: Das hoffe ich. Meine Zeit beim 1. FC Kaiserslautern (Juli 2007 bis Februar 2008, d. Red.) lief nicht glücklich. Ich musste damals fast bei Null anfangen: viele neue Spieler, ein neues System. Unterm Strich gewannen wir zu selten. Aber mein Ziel bleibt, irgendwann als Trainer nach Deutschland zurückzukehren.
kicker: Gehen Sie definitiv mit Valerenga in die neue Saison?
Rekdal: Ja, ich habe noch einen Vertrag für drei Jahre. Ich bin jetzt mit Unterbrechung neun Jahre Trainer in diesem Verein, das ist mehr als ein Job. Ich wurde hier Meister, Pokalsieger, bin aufgestiegen und habe einen Fast-Konkurs erlebt. Rosenborg Trondheim und Molde sind uns finanziell weit voraus, aber es bewegt sich was bei Valerenga. Wir haben in diesem Jahr mit 49 Punkten sieben Punkte mehr geholt als letztes Jahr, davon 26 auswärts. Wir wollen nächstes Jahr in die Medaillenränge und uns für die Europa League qualifizieren. Es ist ein bisschen wie bei Hertha: Wir sind der Hauptstadtklub, aber nur deshalb werden die Probleme ja nicht kleiner. Wir bekommen 2017 ein neues Stadion. Damit wollen wir den finanziellen Abstand zur Spitze verkürzen. Ich habe hier eine Aufgabe, die schön und schwierig zugleich ist.

Interview: Steffen Rohr

 
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weitere Infos zu Burchert

Vorname:Sascha
Nachname:Burchert
Nation: Deutschland
Verein:SpVgg Greuther Fürth
Geboren am:30.10.1989


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