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19.10.2015, 15:15

Nach irregulärem Tor von Hannovers Leon Andreasen

Anachronismus in der Liga: Debatte um Videobeweis

Stolz verweist seit Monaten ein Bundesligist nach dem anderen darauf, dass sein Stadion dank neuester Technik komplett vernetzt wurde, man keine Kosten und Mühen gescheut habe, den Fans die Möglichkeit zu geben, per WLAN auf Tablets und Smartphones das Spiel beispielsweise via "Sky go" zusätzlich zu verfolgen, über strittige Szenen zu diskutieren, sich wunderschöne Tore noch einmal anzuschauen. Aber: Was den Fans längst offeriert wird, bleibt den Schiedsrichtern vorenthalten.

Ron-Robert Zieler und Leon Andreasen
Hannovers Leon Andreasen erzielt beim 1. FC Köln mit dem Arm das 1:0-Siegtor.
© imagoZoomansicht

Deutlicher kann der Anachronismus nicht präsentiert werden, der aktuell in den Stadien der Bundesliga herrscht. Denn als am Sonntag im - natürlich vernetzten - Rhein-Energie-Stadion ein Tor gegeben wurde, das man nie hätte geben dürfen, da wussten alle Second-Screen-User binnen Sekunden darüber Bescheid, dass Leon Andreasen die Kugel mit dem Unterarm ins Tor geschlagen hatte. "Auffälliger", spottete auf der Tribüne Ex-Keeper Toni Schumacher, "wäre nur gewesen, wenn er den Ball zuerst gefangen und dann ins Tor geworfen hätte."

Was die meisten der Zuschauer im Stadion sahen, sahen die vier Unparteiischen nicht. Schwer verständlich zwar, weil mindestens zwei von ihnen einen sehr guten Blick auf das Geschehen hatten. Aber: "Fehler passieren", sagt Jörg Schmadtke, der Geschäftsführer des 1. FC Köln. Was ihn auch am Tag danach noch viel mehr aufregt: "Dass keiner von ihnen auf die Idee kommt, den Spieler zu befragen, obwohl auf dem Platz alles darauf hinweist, dass etwas nicht stimmte, das zeigt eine Haltung, die der Sache nicht gerecht wird." FC-Kapitän Matthias Lehmann bat Schiedsrichter Bastian Dankert so eindringlich wie sinnlos: "Bitte fragen Sie den Torschützen."

Dankert verzichtete darauf und wird sich nun Fragen gefallen lassen müssen, ebenso wahrscheinlich ist es, dass er und seine Assistenten ein paar Spiele Pause zur Besinnung bekommen. Den Fehler zugegeben zu haben, damit stellte Dankert niemanden zufrieden angesichts der Offensichtlichkeit des Fauxpas'.

Er hätte sich also selbst helfen können - mittels Kommunikation. Ihm hätte geholfen werden können - mittels Technik. Aber: Was den Fans längst offeriert wird, bleibt den Schiedsrichtern vorenthalten. Der Videobeweis ist in unterschiedlichsten Sportarten vom Fechten über American Football bis hin zum Eishockey und Ski Alpin ein probates Mittel, um möglichst große Gerechtigkeit im Falle eines begründeten Zweifels walten zu lassen.

Ein aufgeklärter Funktionär wie Michael van Praag - ehemals Spitzenschiedsrichter, Präsident von Ajax Amsterdam und heute Chef des holländischen Fußballverbandes - plädiert für die Einführung der Technik: "Ich bin für die Einführung eines Videoschiedsrichters, wo immer es möglich ist", sagte er: "Es kann doch nicht sein, dass die Zuschauer auf der Tribüne mit Smartphones über eine Wiederholung umstrittener Szenen verfügen, aber die Schiedsrichter nicht."

Franken-Derby: Fehlentscheidung auf Videowand

Felix Zwayer und Jan Polak
Alles Flehen von Club-Kapitän Jan Polak half nichts: Schiedsrichter Felix Zwayer blieb im Franken-Derby bei seiner Entscheidung.
© picture allianceZoomansicht

Ein Beispiel für das ganze Dilemma zeigte sich vor wenigen Wochen in der 2. Liga bei einem unfreiwilligen Videobeweis. Ausgerechnet im brisanten Franken-Derby zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg ereignete sich dieses: Nachdem Fürths Weilandt die 2:1-Führung gegen Nürnberg aus klarer Abseitsposition erzielt hatte, war die Aktion im Stadion noch vor dem Wiederanpfiff zu sehen. Schiedsrichter Felix Zwayer, von Nürnberger Spielern darauf aufmerksam gemacht, sah sich die Aktion in der Wiederholung an, blieb aber bei seiner Fehlentscheidung. Das musste er nach den Regeln auch tun, denn sonst hätte er eine Tatsachenentscheidung durch einen nicht zugelassenen Videobeweis korrigiert. Angesichts der Brisanz in dieser Partie war es sicherlich glücklich, dass es in Fürth nur eine Videowand gibt - die im Rücken der Gästefans von den Nürnberger Anhängern nicht gesehen werden konnte.

Frank Lußem

 

37 Leserkommentare

markfisher
Beitrag melden
21.10.2015 | 09:40

Rugby

Rugby zeigt doch gerade die Gefahr auf, die sich für den Fußball in puncto Videobeweis stellt. Das Spiel [...]
Fussballbeobachter
Beitrag melden
21.10.2015 | 08:30

Achillez

Man sollte hier nicht Äpfel mit Birne vergleichen und die Sportschau ist schon lange kein ernstzunehmendes [...]
alwinschulze
Beitrag melden
20.10.2015 | 16:55

Mehr Gerechtigkeit?

AchilleZ:
auch ich brauche keine Fehlentscheidungen für Diskussionen und dass Technologie, maßvoll eingesetz[...]
HankonTheBeach
Beitrag melden
20.10.2015 | 14:33

Formel 1 äh... Fußball

Warum nicht gleich wie in der Formel 1 alle strittigen Entscheidungen in Ruhe analysieren und dann in [...]
kkjohannes
Beitrag melden
20.10.2015 | 13:52

Gegenfrage

Wenn denn, wie hier die meisten behaupten, Fehlentscheidungen zum Diskutieren nicht notwendig sind - [...]

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zum Thema

weitere Infos zu Andreasen

Vorname:Leon
Nachname:Andreasen
Nation: Dänemark
Verein:Hannover 96
Geboren am:23.04.1983


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