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02.09.2015, 14:58

Spurensuche beim Rekordtransfer

Warum Koo in Mainz scheiterte

Er war der Rekordtransfer und kam als große Hoffnung zum 1. FSV Mainz 05 - nun ist Ja-Cheol Koo wieder weg. Geliefert hat er nie wirklich. Das allein an ihm festzumachen, wäre unfair. Es gibt viele Gründe, weshalb der Südkoreaner in Rheinhessen nie die Rolle gespielt hat, die ihm nach dem Kauf für fünf Millionen Euro vom VfL Wolfsburg am 18. Januar 2014 eigentlich zugedacht war.

Ja-Cheol Koo
Läuft wieder im Trikot des FC Augsburg auf: Ja-Cheol Koo.
© imagoZoomansicht

"In seiner gesamten Art, Fußball zu spielen, und als Charakter passt er gut in unsere Mannschaft. Ich bin froh, dass der Transfer geklappt hat, weil er uns zusätzliche Impulse geben kann." Thomas Tuchel sagte das am Tag des Koo-Transfers, damals Trainer der Nullfünfer. Mit Impulsen meinte der heutige BVB-Coach vor allem, das Mainzer Spiel bei eigenem Ballbesitz zu entwickeln. Beim Namen Tuchel beginnt auch das Problem: Für den 42-Jährigen war Koo ein Wunschspieler. Doch nicht einmal ein halbes Jahr später ging Tuchel freiwillig in die Pause. Nur eine Facette, die das Scheitern des Rekordeinkaufs erklärt.

Koo ist in seiner Heimat ein gefeierter Star. Er war es, der Südkorea im Juni 2014 als Kapitän zur WM nach Brasilien führte. Später unter Trainer Uli Stielike verlor er diesen Status vor der Asienmeisterschaft im Januar 2015, bei der er sich auch noch einen Bänderriss im Ellenbogen zuzog. Wer aufmerksam liest, wird feststellen: Turnier im Juni 2014, Turnier im Januar 2015, dazu kam der zweimonatige Militärdienst im Sommer 2015, von dem Koo einen Muskelfaserriss in der Wade mitbrachte. In 17 Monaten Mainz absolvierte der 26-Jährige keine einzige Vorbereitung vollständig mit der Mannschaft. Auffällig häufige kleinere Blessuren während der Saison wie Muskelfaserrisse oder Sprunggelenkprobleme mögen auch darauf zurückgehen.

An guten Tagen bringt Ja-Cheol Koo alles mit, um ein Leader bei vielen Bundesligisten zu sein. Er verfügt über eine ganz hervorragende Technik, einen beidfüßig guten Abschluss, ist robust, hat ein klasse Gefühl für Räume. Doch Koo wirkte in Mainz gehemmt. "Die Ablöse ist sein größter Rucksack", vermutete im Frühjahr 2015 Manager Christian Heidel im kicker. Das mag sein. Fakt ist: Koo traf in den Situationen, für die er geholt wurde - Ballannahme mit dem Rücken zum Gegner, aufdrehen, durchstecken in die Offensivreihe oder selbst Tempo Richtung Tor aufnehmen - häufig die falschen Entscheidungen. Ob das nun eine Sache des Kopfes oder des fehlenden Rhythmus ist, darüber lässt sich nur mutmaßen. Seine Rolle hat der fan-nahe junge Mann in Mainz nie so recht gefunden.

Auch nicht, als Ballbesitz-Prediger Kasper Hjulmand übernahm. Und ebenso wenig unter Martin Schmidt. Weder im 4-2-3-1 noch im 4-4-2 des 48-Jährigen ist Koos Top-Position, die Acht, vorgesehen. Dennoch startete er unter dem 48-Jährigen in der Rückrunde 2014/15 immerhin sieben Mal, wurde vier Mal eingewechselt (drei Tore, zwei davon Elfmeter, kicker-Notenschnitt 3,78). Zumeist setzte ihn Schmidt auf der Bahn ein. Ein Kompromiss, der Verletztenmiseren (Hofmann, Clemens) oder Formschwächen (Jairo) der 05-Flügelspieler geschuldet war. Denn Schmidt steht auf Endgeschwindigkeit auf der Bahn, die Koo nicht mitbringt. "Ich habe manchmal links, manchmal rechts gespielt, am Ende der letzten Saison habe ich in der Startelf gespielt, aber ich war nicht zufrieden, weil ich immer links oder rechts spielen musste", sagte Koo bei seiner Vorstellung beim FCA. "Ich habe auch oft mit Trainer Schmidt gesprochen. Ich kann aber nicht immer wechseln. Das Zentrum ist wichtig. Ich möchte im Zentrum spielen, ich kann auch für die Mannschaft rechts oder links spielen. Aber besser ist es im Zentrum." Trotz des Faibles für die Mitte trug die ehemalige Nummer 13 der Mainzer vor allen Dingen mit defensiver Zweikampfstärke dazu bei, dass sich das Team unter dem Schweizer stabilisierte und frühzeitig den Klassenerhalt sicherte.

Die Ablöse ist sein größter Rucksack.FSV-Manager Christian Heidel im Frühjahr 2015

"Ich möchte gerne noch oft die Humba singen", gab Koo, der erstaunlich gut Deutsch spricht, einmal wieder. Das war am 1. Februar 2014. Er hatte bei seinem Heimdebüt mit herrlichem Linksschuss den 2:0-Endstand gegen den SC Freiburg besorgt. Es war ein Versprechen auf eine bessere Zukunft. Für ihn, der in Wolfsburg zum zweiten Mal zu scheitern droht. Und für Mainz, das sich mit dem Rekordtransfer entscheidend verstärkt zu haben schien. Allein: Es wurde keine bessere Zukunft. Interessant ist, dass beide Seiten zumindest das Ende der Zusammenarbeit als Win-Win-Situation definieren können. Mainz 05, weil es mit fünf Millionen Euro vom FC Augsburg die eigenen Transferausgaben ausgeglichen hat. Und Koo, weil sein Wechsel zu den bayerischen Schwaben, wo er mit acht Toren und vier Vorlagen in 36 Bundesligapartien seine mit Abstand bislang beste Zeit in Europa hatte, sein zweites Versprechen auf eine bessere Zukunft binnen eineinhalb Jahren ist.

Benni Hofmann/moz

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02.09.15
 
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weitere Infos zu Koo

Vorname:Ja-Cheol
Nachname:Koo
Nation: Südkorea
Verein:FC Augsburg
Geboren am:27.02.1989

weitere Infos zu Weinzierl

Vorname:Markus
Nachname:Weinzierl
Nation: Deutschland
Verein:FC Schalke 04

Vereinsdaten

Vereinsname:FC Augsburg
Gründungsdatum:08.08.1907
Mitglieder:13.500 (01.07.2015)
Vereinsfarben:Rot-Grün-Weiß
Anschrift:Donauwörther Straße 170
86154 Augsburg
Telefon: (08 21) 45 54 77 0
Telefax: (08 21) 45 54 77 77
E-Mail: info@fcaugsburg.de
Internet:http://www.fcaugsburg.de

Vereinsdaten

Vereinsname:1. FSV Mainz 05
Gründungsdatum:16.03.1905
Mitglieder:13.500 (01.07.2015)
Vereinsfarben:Rot-Weiß
Anschrift:Isaac-Fulda-Allee 5
55124 Mainz
Telefon: (0 61 31) 37 55 00
Telefax: (0 61 31) 37 55 033
E-Mail: info@mainz05.de
Internet:http://www.mainz05.de