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05.05.2015, 19:26

Befristung unwirksam - Arbeitsgerichtsurteil birgt Sprengstoff

Müller kontra Mainz: Es ging um 429.000 Euro

Die Klage des ehemaligen Torhüters Heinz Müller gegen seinen Ex-Klub, den FSV Mainz 05, erregte vor einigen Wochen die Gemüter. Das Arbeitsgericht (AG) Mainz wies diese in ihrer ursprünglichen Form zwar ab, erklärte aber die Befristung des Vertrags ohne Sachgrund für nicht rechtens. Nun, zwei Wochen nach den Streitparteien, ist die Urteilsbegründung auch für die Öffentlichkeit anonymisiert einsehbar.

Heinz Müller
Am Ende in Mainz nur noch Tribünengast: Torhüter Heinz Müller.
© imagoZoomansicht

Interessant darin ist vor allem die Festsetzung des Streitwertes auf eine konkrete Zahl: Es ging um 429.000 Euro. Müller hatte ursprünglich auf die Auszahlung von Prämien sowie ein Jahr Vertrag geklagt. Begründung: Wegen der Verbannung durch den vormaligen FSV-Trainer Thomas Tuchel zur U 23 in der Hinrunde der Saison 2013/14 sei er der Chance beraubt worden, genug Spiele zu absolvieren, damit sich sein Kontrakt automatisch verlängere. Eine entsprechende Option (23 Bundesligaspiele) war vereinbart worden. Dem widersprach die vorsitzende Richterin Ruth Lippa, erklärte aber, dass die Befristung des Arbeitsverhältnisses bis 2014 fragwürdig sei - worauf Müller und dessen Anwalt Horst Kletke (Frankfurt) umschwenkten.

Am 19. März erklärte das AG Mainz, dass die Befristung unwirksam sei. Der Klub ist wie angekündigt mit Rückendeckung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Berufung gegangen und wird in der zweiten Instanz vor dem Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz von der Hamburger Kanzlei Heuking-Kühn-Lüer-Wojtek vertreten. In der 27-seitigen Abschrift des Urteils zu dem Prozess, dessen Kosten zu 60 Prozent Müller und zu 40 Prozent Mainz 05 trägt, sind die Sichtweisen beider Lager zusammengefasst dargestellt.

Das ist eine Fucking-Schande.

So habe Müller, nach muskulären Problemen vor dem Spiel beim FC Augsburg am 3. November 2013, nach dem Abschlusstraining auf Frage des damaligen Trainers mitgeteilt, dass er einsatzfähig sei. Als die Verletzung während der Partie wieder aufgebrochen sei und Müller erklärte, nicht mehr spielen zu können, habe der Trainer - es ist von Thomas Tuchel auszugehen - gesagt: "Das ist eine Fucking-Schande."

Nach seiner Degradierung zur U 23 sei dem Torhüter, so die weitere Darstellung, auch die Teilnahme an gemeinsamen Einheiten der Nachwuchsmannschaft mit den Profis vorenthalten worden. Diese finden in der Regel am Sonntag am Bruchweg statt. Der damalige U-23-Coach - es dürfte sich um Martin Schmidt, nun Profi-Trainer handeln - habe ihm mitgeteilt, dass er nun sonntags frei habe. Insgesamt machte Müller geltend, dass es nicht um Leistungsdinge, sondern um persönliche Anfeindungen des ehemaligen Trainers gegangen sei.

Mainz: Sportliche Entscheidung gegen Müller

Die Argumentation des Klubs liest sich wie folgt: In der U 23 (damals in der Spitzengruppe der Regionalliga) hätte Müller ebenfalls professionelle Trainingsbedingungen gehabt. Persönliche Anfeindungen hätten keine Rolle gespielt. Zentraler Punkt: Sportlich habe sich die Leitung für eine andere Nummer eins entschieden. Dieser Darstellung gab das Gericht recht. Zitat: "Mit den Aussagen des Trainers (Zeuge, Anm. d. Red.) ist zwar bestätigt, dass dem Kläger keine Möglichkeit mehr eingeräumt wurde, am Spielbetrieb der Erstligamannschaft teilzunehmen. Diese Entscheidung erweist sich aber unter Zugrundelegung der geschilderten vielschichtigen Motivation nicht als treuwidrig, sondern von solchen Gründen geleitet, zu deren Zweck, wie oben ausgeführt, dem Verein der Entscheidungsvorbehalt bei der Mannschaftsbesetzung eingeräumt worden ist. Sie folgt insgesamt sportlichen Gründen (...)."

Ursprungsklage: Die 429.000 Euro sind vom Tisch

Das Aus für die Ursprungsklage, in der es um die oben genannten 429.000 Euro ging. Nun geht es um vielmehr. Denn um eine Chance auf Erfolg in einer weiteren Instanz zu haben, musste die Müller-Partei gegen die Befristung klagen, die Lippa zuvor als überprüfungswürdig darstellte. Und sie am Ende für unwirksam erklärte. Bestätigt das Landesarbeitsgericht (und in der Folge höhere Instanzen) den Spruch, hätte dies eine mit dem Bosman-Urteil vergleichbare Sprengkraft für den Fußball, da dies eine Weiterbeschäftigung von Profis bis zur Rente nach sich ziehen könnte.

Zwei Argumentationen stehen sich gegenüber: die Auslegung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes nach EU-Richtlinie, die grundsätzlich gegen jede Befristung tendiert. Dagegen beruft sich Mainz 05 auf die Besonderheiten des Sports. Demzufolge ist es fraglich, wie lange ein Profifußballer seinen Beruf ausüben kann und ob dieser mit einem Millionengehalt ähnlich schützenswert ist wie ein Angestellter oder Arbeiter.

Benjamin Hofmann

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05.05.15
 
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Vereinsdaten

Vereinsname:1. FSV Mainz 05
Gründungsdatum:16.03.1905
Mitglieder:13.034 (01.07.2016)
Vereinsfarben:Rot-Weiß
Anschrift:Isaac-Fulda-Allee 5
55124 Mainz
Telefon: (0 61 31) 37 55 00
Telefax: (0 61 31) 37 55 033
E-Mail: info@mainz05.de
Internet:http://www.mainz05.de