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16.03.2015, 16:52

Dokumentation über die Entstehung des BVB feiert Premiere

"Am Borsigplatz geboren": Lehrstück ohne zu viel Pathos

Über 3000 Menschen und Institutionen beteiligten sich am Crowdfunding-Projekt "Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB". Am Sonntag feierte die Dokumentation in Dortmund Premiere. Herausgekommen ist ein Lehrstück mit viel Erzählkraft ohne zu dick aufgetragenes Pathos, das nicht nur Fans von Borussia Dortmund gefallen dürfte.

Franz Jacobi und seine Mitstreiter
Das Team von Borussia Dortmund vor seinem ersten offiziellen Spiel im Januar 1911.
© picture allianceZoomansicht

Selbstverständlich sind sie begeistert von dem Film. Die aktuellen Stars Sebastian Kehl und Kevin Großkreutz ebenso wie Präsident Dr. Reinhard Rauball, Sportdirektor Michael Zorc, Marketing-Chef Carsten Cramer und die - Verzeihung - "alten" Helden Siggi Held, Hans Tilkowski oder Norbert Dickel. Sie alle zählen zu den mehr als 600 Gästen bei der Premiere - oder soll man besser sagen: Familienfeier? - am Sonntagabend im Dortmunder Cinestar. Weil sie hier die prominentesten Vertreter des Ballspielvereins Borussia sind, werden ihre Kritiken nach der Vorführung am häufigsten abgefragt. Punkt 21:09 Uhr hat der offizielle Teil geendet. Das war Zufall, der Beginn um 19.09 Uhr natürlich nicht.

Denn "Am Borsigplatz geboren - Franz Jacobi und die Wiege des BVB" dreht sich um die spannende, in den entscheidenden Stunden gar dramatische Entstehung des heutigen Bundesligisten. Sie handelt von seinem Gründer Franz Jacobi und 17 Mitstreitern, die sich mit List und Hartnäckigkeit gar der katholischen Kirche widersetzen, um Fußball spielen zu können. Zunächst mit proletarischer roter Schärpe um die blau-weiß längsgestreiften Trikots der Jünglingssodalität. Ab 1913, nach der Aufnahme der Ballbeweger von "Britannia", in Schwarz und Gelb.

Vom Gasthaus "Zum Wildschütz" zum Europapokalsieg in Glasgow

Was im Gasthaus "Zum Wildschütz" begann, führte 1966 gegen den FC Liverpool (2:1 nach Verlängerung) zum ersten Europapokalsieg einer deutschen Elf. Franz Jacobi erlebte den Triumph, 78-jährig, in Glasgow noch persönlich mit. Aufnahmen dieses Endspiels sind, gleich zu Beginn, die einzigen echten Fußballszenen des Dokumentarfilms, in dem sich nachgestellte Aktionen und Erzählungen von Zeitzeugen und Hinterbliebenen der BVB-Pioniere unterhaltsam abwechseln. Herausragend dabei: Die Sandmalereien von Anne Löper, die Originalzitate von Franz Jacobi illustrieren. Wohltuend: die unaufdringliche Filmmusik. Herzerfrischend: die Kommentare der Tochter von Mitgründer Robert Unger, die in der besten Nebenrolle ihr Herz auf der Zunge trägt.

Den drei Filmemachern Jan-Henrik Gruszecki, Marc Quambusch und Gregor Schnittker ist bei aller Leidenschaft für den BVB ein Werk ohne zu dick aufgetragenes Pathos gelungen, das auf akribischer, beharrlicher Recherche beruht. Ein Lehrstück mit viel Erzählkraft über die schwierigen und angefeindeten Anfänge des Fußballs nicht nur in Dortmund.

Choreographie auf der Südtribüne
Die Gründerväter: Die Südtribüne ehrte Jacobi & Co im Dezember 2013 mit einer Choreographie.
© imago

Ihrer Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass die Urväter des Klubs nicht in Vergessenheit geraten, dass aus der Idee, die Tradition neu zu entdecken, ein Crowdfunding-Projekt wurde, an dem sich mehr als 3000 Menschen und Institutionen mit über 250 000 Euro beteiligten. Recherche-Leiter Gregor Schnittker charakterisiert Franz Jacobi als "einen, der sich nicht so wichtig nimmt und dennoch die Dinge vorantreibt".

Das könnte auch auf ihn und seine Mitstreiter gemünzt werden, die im Zuge der Dreharbeiten nun beide an den Borsigplatz und noch dazu in den ehemaligen "Wildschütz" einzogen. Der Film wird, wenn die Freiwillige Selbstkontrolle die Altersfreigabe festgelegt hat, was nur von der Bewertung von Archivaufnahmen aus dem 1. Weltkrieg abhängt, auf DVD erscheinen und in Kinos gezeigt, zunächst im Dortmunder Roxy. Mit den Erlösen sollen soziale Projekte im Dortmunder Norden unterstützt werden.

Was ein Muss für jeden BVB-Fan sein dürfte, ist eine sehr gute Empfehlung für jeden Fußballfreund mit Hang zu Tradition und History - und vielleicht gar kein so schlechtes Begrüßungsgeschenk für Neuzugänge, die später mal das Wappen küssen möchten.

Jörg Jakob

16.03.15
 

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