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10.12.2014, 17:50

Ex-Trainer im Interview über Karriere und Leben

Röber: "Ich bin raus aus der Warteschleife"

Er ist erst am Vorabend aus Kühlungsborn, seinem Zweit-Domizil, zurückgekehrt nach Berlin - in die Stadt, die längst seine Heimat ist und immer bleiben wird. Jürgen Röber (60) sitzt in einem Café am Potsdamer Platz und spricht vor dem Duell seiner beiden Ex-Klubs Hertha und Dortmund über seine Karriere und sein Leben jenseits der Tretmühle Profi-Fußball.

Rob Maas, Jürgen Röber, Dick van Burik (v.li.)
Jürgen Röber in seiner Zeit als Hertha-Coach, hier mit Rob Maas (li.) und Dick van Burik (re.).
© picture allianceZoomansicht

Zentraler geht es nicht, aber Röber wirkt entspannt. Er war fast vier Jahrzehnte im Hamsterrad Profi-Fußball: 303 Bundesliga-Spiele (75 Tore) als Profi für Werder Bremen, den FC Bayern München und Bayer Leverkusen, nach dem Ende der Laufbahn als Aktiver bei Rot-Weiß Essen wechselte er 1991 nahtlos ins Trainer-Business. Fünf Stationen im Inland, drei im Ausland - 2011 verkündete Röber sein Karriere-Ende als Coach. Am Samstag treffen im Berliner Olympiastadion mit Hertha BSC und Borussia Dortmund zwei seiner Ex-Klubs aufeinander.

kicker: Mit Berlin, Dortmund, Stuttgart und Bremen rangieren vier Vereine, bei denen Sie als Spieler oder Trainer gearbeitet haben, im Keller der Liga. Haben Sie überhaupt genügend Hände fürs Daumendrücken, Herr Röber?

Jürgen Röber: Emotional bin ich natürlich den Klubs am engsten verbunden, bei denen ich am längsten war: Werder Bremen und Hertha BSC. Bei Werder sitzt mit Hans Schulz mein bester Freund im Aufsichtsrat, in Berlin wohne ich und hatte als Trainer sechs tolle Jahre.

kicker: Wer aus dem Quartett steigt ab?

Röber: Ich hoffe, dass keiner der vier absteigt. Die Liga ist so eng, da genügen zwei Siege, um sich vier, fünf Plätze nach vorn zu schieben. Dortmund wird sich von dort unten schnell verabschieden. Ich traue Borussia sogar immer noch zu, mit einer Super-Serie noch die Champions-League-Qualifikation zu erreichen. Für die anderen drei wird es schwerer.

kicker: Gewinnt Dortmund am Samstag in Berlin?

Röber: Der BVB scheiterte über Wochen an seiner schlechten Chancenverwertung und an den individuellen Fehlern in der Defensive. So ein Sieg wie gegen Hoffenheim kann Blockaden lösen - unabhängig von dem späten Gegentor am Dienstag gegen Anderlecht. Es wird für Hertha sehr, sehr schwer am Samstag.

Auf dem Platz fehlt mir im Mittelfeld ein Lenker. Hosogai ist es nicht, Skjelbred - bei allem Fleiß - auch nicht.Jürgen Röber

kicker: Vor einem Jahr sagten Sie, Jos Luhukay sei "ein guter Trainer mit einem klaren Plan". Verzettelt er sich gerade etwas?

Röber: Um das zu beurteilen, bin ich nicht nah genug dran. Grundsätzlich halte ich Luhukay immer noch für einen sehr guten Trainer. Aber ich denke auch, dass dem Klub mehr Fußball-Kompetenz - in den Gremien - gut tun würde. Auf dem Platz fehlt mir im Mittelfeld ein Lenker. Hosogai ist es nicht, Skjelbred - bei allem Fleiß - auch nicht. Und Ronny, der ein genialer Fußballer ist, hat körperlich offenbar zu kämpfen mit den Anforderungen der Bundesliga. Das ist schade. Denn er hat das Auge und das Füßchen, um eine tragende Rolle zu spielen.

kicker: Wundern Sie sich, dass Stars wie Kalou und Heitinga, die im Sommer mit großen Erwartungen verpflichtet wurden, nur auf der Bank sitzen?

Röber: Natürlich ist das auffällig. Aber Jos Luhukay ist ein erfahrener und, wie ich höre, geradliniger Trainer. Er sieht die Jungs jeden Tag im Training. Kein Trainer der Welt lässt einen Profi draußen, von dem er annimmt, dass er die Mannschaft stärker macht.

kicker: Benötigen besondere Profis auch eine besondere Behandlung?

Röber: Sicher. Du kannst nicht 25 oder 28 Spieler gleich behandeln. Ich hatte in Berlin Alex Alves und Marcelinho, in Wolfsburg später Andres D'Alessandro. Das waren Spieler für die besonderen Momente. Das waren aber auch Spieler, für die die Mitspieler mehr arbeiten mussten. Das ist immer eine Gratwanderung.

kicker: Wer war Ihr talentiertester Schützling?

Röber: Ganz klar Sebastian Deisler. Eine phantastische Schlagtechnik, Übersicht, Schnelligkeit, Intuition - er hatte alles, nur den Körper nicht für den Hochleistungssport. Und als der Körper nicht mehr mitmachte, machte auch die Seele irgendwann nicht mehr mit.

kicker: Sie waren sechs Jahre bei Hertha und zwischen Dezember 2006 und März 2007 vier Monate in Dortmund: War Ihr Engagement beim BVB ein Missverständnis?

Röber: Nein. Ich würde diesen Schritt immer wieder gehen. Wir gewannen damals das erste Spiel unter meiner Führung gegen die Bayern mit 3:2, aber am Ende lief es eben anders als erhofft. Der Klub war mit Thomas von Heesen für den Sommer im Grunde schon klar, das hat es nicht einfacher für mich gemacht. Und der Kader, muss ich im Rückblick sagen, gab vielleicht auch nicht mehr her. Von der heutigen Mannschaft sind noch Kehl und Weidenfeller übrig - und Kehl war verletzt zu meiner Zeit.

Steffen Rohr

 
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weitere Infos zu Röber

Vorname:Jürgen
Nachname:Röber
Nation: Deutschland
Verein:Borussia Dortmund

Vereinsdaten

Vereinsname:Hertha BSC
Gründungsdatum:25.07.1892
Mitglieder:34.000 (01.07.2016)
Vereinsfarben:Blau-Weiß
Anschrift:Hanns-Braun-Straße, Friesenhaus 2
14053 Berlin
Telefon: (0 30) 30 09 28 0
Telefax: (0 30) 30 09 28 94
E-Mail: info@herthabsc.de
Internet:http://www.herthabsc.de

Vereinsdaten

Vereinsname:Borussia Dortmund
Gründungsdatum:19.12.1909
Mitglieder:139.088 (01.07.2016)
Vereinsfarben:Schwarz-Gelb
Anschrift:Rheinlanddamm 207-209
44137 Dortmund
Telefon: (02 31) 90 20 0
Telefax: (02 31) 90 20 105
E-Mail: info@bvb.de
Internet:http://www.bvb.de

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