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25.10.2014, 23:20

Der Spieltagskommentar von Thiemo Müller

Di Matteos Spiegelbild fehlt das Charisma

Borussia Dortmund leidet unter einem Kopfproblem und befindet sich in einer ernstzunehmenden Situation. Werder Bremen nahm den "programmierten" Trainerwechsel vor, doch ist die "moderne" Lösung auch die beste? Schalke 04 sucht nach der Balance und lässt auf dem Platz jegliches Charisma vermissen. Der Spieltagskommentar von Thiemo Müller.

Sah keinen Glanz auf dem Rasen: Schalkes Trainer Roberto di Matteo.
Sah keinen Glanz auf dem Rasen: Schalkes Trainer Roberto di Matteo.
© Getty ImagesZoomansicht

Dortmund leidet unter einem Kopfproblem

Ist die Bundesliga der stärkste Wettbewerb der Welt? Wer sieht, wie Borussia Dortmund aktuell in der Champions League dominiert und zeitgleich in der heimischen Liga zum Kellerkind mutiert, der könnte diese Frage im Brustton der Überzeugung bejahen. Makellos mit drei Siegen aus drei Spielen führt der BVB seine Königsklassen-Gruppe vor Arsenal, Anderlecht und Galatasaray an. National dagegen wird die Truppe von Trainer Jürgen Klopp regelrecht durchgereicht: Vier Niederlagen in Serie, und das noch nicht einmal gegen Europacup-Kandidaten, sondern eher gegen Liga-Durchschnitt. Mainz, Hamburg, Köln und Hannover heißen jene Klubs, von der sich die Borussia nacheinander düpieren ließ.

Schon vergangene Woche nahm Klopp das Wort "Abstiegskampf" in den Mund. So absurd das klingen mag, so ernstzunehmen ist die Situation tatsächlich. Denn gerade die Unterschiede im Auftreten auf internationaler und heimischer Bühne belegen: Der BVB leidet unter einem veritablen Kopfproblem, das sich mit jedem Misserfolg in der Liga vergrößert. Im Moment scheinen die Schwarz-Gelben in einem Strudel, aus dem sie sich aus eigener Kraft nicht befreien können. Und ausgerechnet in dieser Verfassung geht es nächste Woche zum FC Bayern. Nutzt der die Gelegenheit, den einstmals schärfsten Titelrivalen so richtig zu demütigen? Oder schafft der BVB mit dem Mut der Verzweiflung just dann den Befreiungsschlag, wenn niemand damit rechnet?

Skripnik: Die beste Alternative? Oder die nächstliegende?

Weniger sensationell nimmt sich der Absturz von Werder Bremen ans Tabellenende aus. Angesichts der (fehlenden) Substanz im Kader sind die Grün-Weißen ein logischer Abstiegskandidat. Nach der Niederlage im "Schicksalsspiel" gegen Köln war die Entlassung von Trainer Robin Dutt ebenfalls programmiert. Der ehemalige DFB-Sportdirektor konnte den Auftrag nicht erfüllen, mit dem er das Erbe des großen Thomas Schaaf angetreten war: Die individuellen Defizite der Profis durch System und Taktik zu kompensieren. Ob dies nun ausgerechnet dem bisherigen U-23-Trainer Viktor Skripnik gelingt?

Auf eine Trainerlösung aus dem eigenen Stall zu setzen, ist zweifellos "modern". So hat jüngst Nordrivale HSV mit Joe Zinnbauer als Nachfolger von Mirko Slomka zumindest kurzfristig gute Erfahrungen gemacht. Freilich: Einen Automatismus sollte daraus niemand ableiten. Der schon als Profi unscheinbare, aber untadelige und loyale Skripnik mag auch als Fußballlehrer fachlich über jeden Zweifel erhaben sein. Zum Führen einer Bundesligamannschaft gehört jedoch mehr. Ob Werders Verantwortliche um Thomas Eichin sich wirklich auf die beste Alternative festlegten? Oder vielleicht nicht doch nur auf die nächstliegende und kostengünstigste?

Schalkes Auftritt grenzte an Offensiv-Verweigerung

kicker-Redakteur Thiemo Müller
Der Spieltagskommentar von kicker-Redakteur Thiemo Müller.

Auf Schalke blieb die hausgemachte Variante Jens Keller trotz zweimaliger Champions-League-Qualifikation zwei Jahre lang umstritten, ehe der Klub unlängst die viel zitierte "Reißleine" zog. Nachfolger Roberto di Matteo galt vielen hiesigen Beobachtern zunächst als "Wundertüte". Und nach den ersten drei Spielen lässt sich das Wirken des Italo-Schweizers auch wirklich noch so gut wie gar nicht greifen. Das 2:0 gegen Hertha war ein reiner Pflicht- und Arbeitssieg, das 4:3 gegen Sporting Lissabon äußerst glücklich. Klar ist, dass di Matteo seinem Team eine defensivere Grundordnung verschrieben hat, um die Flut der Kontergegentore zu stoppen. Eine passende Balance bekam Schalke beim 0:1 in Leverkusen dennoch nicht hin: Der Auftritt der Königsblauen grenzte an Offensiv-Verweigerung.

Immerhin: Di Matteo analysierte das anschließend treffend und stellte Besserung in Aussicht. Doch so weltmännisch und international renommiert der Champions-League-Sieger von 2012 auch daherkommt - sein Spiegelbild auf dem Platz, sprich die Mannschaft, präsentierte sich, kaum ging es gegen ein echtes Spitzenteam, fußballerisch bieder und ohne jegliches Charisma.

Bilder des Spieltages
1. Bundesliga, 2014/15, 9. Spieltag
1. Bundesliga, 2014/15, 9. Spieltag
Respekt ...

... hat Gladbachs Trainer Lucien Favre vor der anstehenden Aufgabe gegen die Bayern.
© Getty Images

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25.10.14
 

6 Leserkommentare

Kicker_73
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27.10.2014 | 17:06

Keine Vergleiche zwischen CL und BL bitte!

"Ist die Bundesliga der stärkste Wettbewerb der Welt? Wer sieht, wie Borussia Dortmund aktuell in der [...]
JMLkicker
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27.10.2014 | 13:18

3 unterschiedliche Situationen

Beim BVB - Meiner Meinung nach kann es sich schon um ein Kopfproblem handeln, jedoch anders gelagert: [...]
witti25
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26.10.2014 | 16:56

BVB Krise vorhersehbar

Die BVB Krise überrascht mich nicht. Mit Hummels, Reus, Gündogan, Sahin, Blaszczykowski, und zuletzt [...]
fandessvwilhelmshaven
Beitrag melden
26.10.2014 | 12:52

Vorschnelles Urteil über di Matteo

Mit einem Zwischenurteil für di Matteo sollte man sehr vorsichtig sein. Er hat Jens Keller während der [...]
Vietore
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26.10.2014 | 12:13

Man ist ja nie ganz frei, von den Dingen, die um einen herum geschehen. Ich glaube, Klopp hat sich zu [...]

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