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17.10.2013, 23:05

Hoffenheim: Angreifer braucht kein "Bling-Bling"

Modeste: "Kanone? Welche Kanone?"

Er ist die Überraschung der Saison: Anthony Modeste verzückt Hoffenheim. Der Angreifer, der erst im Sommer aus Bordeaux, von wo er zuletzt ins korsische Bastia ausgeliehen war, ins Kraichgau wechselte, überzeugte bislang mit sechs Toren und einer Vorlage in nur acht Spielen. Vor der Partie am Freitag (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) gegen Leverkusen erzählt der Torjäger, was ihn bewegt.

Anthony Modeste
Durfte in acht Bundesliga-Spielen bereits sechs eigene Tore bejubeln: Anthony Modeste.
© Getty ImagesZoomansicht

kicker: Monsieur Modeste, Sie sind in Cannes geboren. Haben Sie früher die Stars bei den Filmfestspielen bewundert?

Anthony Modeste (25): Natürlich, das war immer eine große Nummer! Arnold Schwarzenegger habe ich dort zum Beispiel gesehen, und Diego Maradona durfte ich sogar aus nächster Nähe erleben. Ich war bei einem Film über ihn zur Premiere eingeladen.

kicker: Aber Sie haben insgesamt nicht viel Zeit in Cannes verbracht.

Modeste: Nein, aufgewachsen bin ich in Frejus. Mein Vater Guy war ja ebenfalls Profi, er spielte Verteidiger in der 2. Liga. Und deshalb sind wir oft umgezogen.

kicker: Auch in Ihrer Karriere gab es viele Umzüge. Sie hatten bereits sechs Vereine in sechs Profijahren. Warum das?

Modeste: Dadurch habe ich in jungen Jahren schon viele gute, aber auch viele schlechte Erfahrungen gesammelt. Die ganze Wechselei war manchmal wirklich ermüdend und frustrierend, oft allerdings auch sehr lehrreich.

kicker: Was hat zum Beispiel in Blackburn oder bei Bordeaux nicht gepasst?

Modeste: Das waren teils unglückliche Umstände. Es gab taktische Gründe, oder auch Trainerwechsel und dann einen Vertrauensverlust des neuen Coachs in mich. Bei den Rovers sah ich zum Beispiel eine Rote Karte, danach stellte der Trainer in den folgenden Spielen das System um, die Mannschaft gewann - und ich war draußen.

kicker: Oberflächlich betrachtet könnte man bei so vielen Transfers auch am Charakter des Spielers zweifeln, dabei wirken Sie eigentlich sehr locker.

Modeste: Ich bin ganz sicher kein schwieriger Typ, der sich nirgends eingewöhnen kann. Im Gegenteil. Aber ich will auch nicht Geld kassieren und auf der Bank sitzen. Dann wechsle ich lieber den Verein.

kicker: Warum werden Sie in Hoffenheim länger bleiben?

Modeste: Ich habe jetzt eine kleine Tochter und will mich hier zur Ruhe setzen (lacht). Wir haben eine starke Truppe, alle sind ungefähr im gleichen Alter, die Stimmung ist wirklich richtig gut, so etwas habe ich selten erlebt. Und ich lerne fleißig Deutsch.

kicker: Wie gefällt einem Stürmer die Spielweise der TSG?

Modeste: Prima! Unser Trainer lässt sehr offensiv spielen. Aber der Fußball in Deutschland ist auch insgesamt viel attraktiver und spektakulärer als in Frankreich, wo es viele 1:0 oder 0:0 gibt. Wäre Hoffenheim in der Ligue 1, wir würden um einen Europacup-Platz spielen.

kicker: Sind Sie stolz auf Ihre sechs Tore in acht Spielen?

Modeste: Klar. Ich habe ja auch hart dafür gearbeitet. Aber viel glücklicher wäre ich, wenn wir mehr Punkte hätten und ich dafür zwei Tore weniger.

kicker: Wussten Sie, dass Sie der Franzose mit dem besten Start bisher in der Bundesligageschichte sind? Auch Papin oder Ribery legten nicht so stark los.

Modeste: Nein, das wusste ich nicht. Aber ich weiß, dass Papin eine Legende ist und Ribery der beste Fußballer Europas. Es hilft mir wenig, den besten Start zu haben, wenn am Ende nichts dabei herauskommt. Meine Tore bringen noch zu wenig Siege.

kicker: An die kicker-Kanone denken Sie nicht?

Modeste: Kanone? Welche Kanone?

kicker: Die verleiht unsere Zeitschrift alljährlich dem besten Torschützen der Saison.

Modeste: Natürlich sind solche Preise ein Ziel und auch eine tolle Sache. Aber wie schon gesagt: Wichtiger ist mir, dass wir vernünftig in der Tabelle dastehen. Und da haben wir noch viel Arbeit vor uns.

Anthony Modeste (re.)
Eiskalter Torjäger: Anthony Modeste trifft gegen den FC Schalke 04.
© Getty Images

kicker: Nun warten drei schwere Spiele: Am Freitag gegen Leverkusen, dann in Hannover, anschließend kommt der FC Bayern.

Modeste: Warum sollen wir Angst haben? Mönchengladbach haben wir doch auch besiegt, gegen Schalke wären drei Punkte drin gewesen. Allerdings sollten wir gemeinsam besser verteidigen und weniger Gegentore kassieren.

kicker: Warum ist Didier Drogba ihr Vorbild?

Modeste: Weil er es aus den untersten Klassen in Frankreich bis ganz nach oben geschafft und viele Titel gewonnen hat. Didier ist ein Killer vor dem Tor, er setzt seinen Körper gut ein und spielt mannschaftsdienlich. Von ihm kann man sich viel abschauen. Außerdem ist er ein sehr netter Typ.

kicker: Kennen Sie ihn persönlich?

Modeste: Ja, wir haben den gleichen Berater, vor zwei Jahren habe ich Didier kennengelernt. Er hat mich mit seinem Auftreten wirklich beeindruckt. Er ist gar nicht wie der große Star, sondern ganz normal.

kicker: Ihr Nachname bedeutet auf Deutsch "bescheiden". Fahren Sie deshalb einen kleinen Smart?

Modeste: Den habe ich seit vier Jahren, funktioniert einwandfrei. Für meinen Namen kann ich nichts, aber er passt schon ganz gut. Ich brauche Spaß und Vertrauen, kein Bling-Bling oder großen Rummel um mich.

kicker: Aber für die Equipe Tricolore würden Sie bestimmt gern spielen. In Frankreichs U 21 waren Sie 14-mal dabei.

Modeste: Natürlich ist es ein Traum, für sein Land zu spielen. Mal sehen, was wir mit Hoffenheim erreichen, dann kann es ja vielleicht noch etwas werden.

Interview: Martin Gruener

17.10.13
 
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weitere Infos zu Modeste

Vorname:Anthony
Nachname:Modeste
Nation: Frankreich
Verein:1. FC Köln
Geboren am:14.04.1988