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11.10.2013, 22:47

Nürnberg: Koller auf der Liste - und nun vertragslos

Gross kommt nicht - Magath ist kein Thema

Der Plan von Roger Prinzen für die nächsten Tage sah wie folgt aus: Als Interimscoach nach der Wiesinger-Beurlaubung die Bundesliga-Profis des 1. FC Nürnberg auf Trab halten, am Sonntag dann sein Team, die Regionalliga-U-23 des Clubs, beim Auswärtsspiel in Ingolstadt coachen und am Montag dem neuen Cheftrainer der FCN die Trainingseindrücke der vergangenen Tagen schildern. "Ich gehe davon aus, dass ich ab dem Montag oben nicht mehr gebraucht werde", so der Ex-Profi der SG Wattenscheid.

Christian Gross
Überlegungen abgeschlossen: Christian Gross folgt nicht auf Michael Wiesinger.
© imagoZoomansicht

Am Freitagnachmittag, als er mit den Profis gerade auf dem Trainingsplatz stand, entpuppte sich dies überraschend als Fehleinschätzung - er dürfte auch am Montag noch bei den Profis das Sagen haben. Mit Christian Gross ist der heiße Kandidat für die vakante Cheftrainerstelle des 1. FC Nürnberg an diesem Nachmittag von der Liste gestrichen worden: Der Schweizer und der Club haben die bereits weit gediehenen Gespräche ergebnislos beendet. Sportvorstand Martin Bader dazu: "Es gibt etliche Komponenten, die bei einer Vertragsübereinkunft passen müssen. Wir sind nicht zusammengekommen."

Ins Detail mochte der FCN-Sportvorstand nicht gehen, wenn er jedoch anfügt, dass er sich nun die nötige Zeit nehmen will, "um den Kandidaten zu finden, der sich voll und ganz mit dem 1. FC Nürnberg identifiziert", dann lässt dies dennoch einige Rückschlüsse zu.

Nun muss man wissen, dass Gross kein leichter Verhandlungspartner ist. Der VfB Stuttgart hatte vor der Saison 2009/10 dessen Ja-Wort erst nach etlichen wie zähen Gesprächsrunden erhalten. Bader wusste darum: So hat er zwar die Karte Gross gespielt, aber nicht das gemacht, was fahrlässig gewesen wäre: alles auf sie zu setzen. "Wir haben von Beginn an betont, dass wir mit mehreren Kandidaten Gespräche führen", so der Sportvorstand, der nun die bislang neben Gross geführten Gespräche intensivieren wird - und zwar dort, wo er sie am liebsten führt: im Verborgenen.

Dass die Personalie Gross überhaupt so an die Öffentlichkeit kam, haben er und der FCN ausgerechnet einem wichtigen Funktionsträger des Vereins zu verdanken: Klaus Schramm, Vorsitzende des Aufsichtsrats, plauderte kurz nach der Bekanntgabe von der Beurlaubung von Michael Wiesinger freimütig aus, dass Christian Gross der Wunschkandidat sei. Der FCN wurde mit einem Schlag in die Zeiten zurückkatapultiert, in denen hinter verschlossenen Türen Besprochenes nur so lang geheim blieb, bis sich diese öffneten.

Magath ist kein Thema - Koller ist frei

Dass sich dies geändert hat, daran hat Martin Bader während seiner nunmehr fast zehnjährigen Ägide gearbeitet - indem er sich unter anderem bei wichtigen Personalentscheidungen nie in die Karten hat blicken lassen und in der Öffentlichkeit gehandelte Namen nie kommentiert hat. Schramms Plauderstunde brachte Bader in die Zwickmühle, er versuchte, zu dementieren und gleichzeitig zwischen den Zeilen zu bestätigten, was ohnehin schon bekannt war. Vorbei, die Karten sind wieder verdeckt. Und dass dies die Gerüchteküche zum Brodeln und viele Namen zum Vorschein bringt, damit kann der FCN und Bader leben. Was soll er sich zum Beispiel zu einem Felix Magath äußern, der fernab jeder Realität und kein Thema ist? Viel schwerer wiegt der Umstand, dass mit dem Namen Gross die Messlatte hochliegt. Die Gefahr, dass der potenzielle Nachfolger als Notlösung angesehen wird, nur weil er wie Gross keine sechs Meistertitel vorzuweisen hat, ist zumindest gegeben.

Marcel Koller würde diese Gefahr deutlich verringern, auch wenn er als Trainer "nur" zwei Schweizer Meistertitel in seiner Vita stehen hat. Der 52-Jährige, der 2006 den VfL Bochum in die Bundesliga führte und ihn dort hielt, ehe er im September 2009 gehen musste, gehört nach kicker-Informationen seit Anfang an zum engeren Kandidatenkreis. Koller, der seit November 2011 die österreichische Nationalelf betreut, ist ab Dienstag vertragslos, weil sich die Alpennation nicht für die WM qualifizieren konnte.

Bader lässt sich nicht unter Druck setzen

Klar ist indes, dass sich Martin Bader nicht unter Zeitdruck setzen mag: "Wir arbeiten weiterhin an der bestmöglichen, nicht schnellstmöglichen Lösung für den 1. FCN". So erscheint es derzeit eher unwahrscheinlich, dass der Sportvorstand am Montag bei der Mitgliederversammlung einen Wiesinger-Nachfolger präsentiert, in dem Wissen, das ihm dies unangenehme Fragen bescheren könnte ("das halte ich aus").

Christian Biechele/Harald Kaiser

11.10.13
 
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weitere Infos zu Gross

Vorname:Christian
Nachname:Gross
Nation: Schweiz
Verein:VfB Stuttgart