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20.07.2013, 23:11

Leverkusen: Teamwork ist das Erfolgsrezept

Hyypiä als "Erster unter Gleichen"

Der Deutsche an sich hat es ja nicht so mit Neuerungen. Meist werden sie skeptisch beäugt, selten willkommen geheißen, häufig brüsk abgelehnt. Obwohl Wolfgang Holzhäuser, scheidender Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, die Fußball-Gesellschaft als "erzkonservativ" einschätzt, wagten er und seine Kollegen im vergangenen Jahr eine innovative Variante auf der Trainerposition.

Sami Hyypiä mit seinen Co-Trainern Jan-Moritz Lichte und Daniel Niedzkowski (v. l.).
Sami Hyypiä mit seinen Co-Trainern Jan-Moritz Lichte und Daniel Niedzkowski (v. l.).
© picture allianceZoomansicht

Die Doppelspitze ward geboren, hier Sascha Lewandowski als Cheftrainer, dort Sami Hyypiä als Teamchef. Beide bekamen einen Vertrag über drei Jahre und machten ihre Sache ausgezeichnet, anders ist Platz drei mit nur einem Zähler Rückstand auf Borussia Dortmund ja nicht zu erklären. Außerdem darf sich Bayer als einziges deutsches Team "Triplesiegerbesieger" nennen, nach dem 2:1-Erfolg in München am 9. Spieltag.

Dennoch: Heute wissen wir, dass diese Lösung keine auf Dauer war, Lewandowski zog sich zunächst auf die Position des Nachwuchs-Cheftrainers zurück, warum auch immer. Übrig geblieben ist Sami Hyypiä, der Mann mit Charisma, die Legende ohne Lizenz. Die erwirbt er nun im "Learning-by-doing"-Verfahren in Leverkusen, unter lockerer Aufsicht des finnischen Verbandes und schon mit Beginn des Lehrganges galt er als quasi Inhaber des nötigen Scheines. Dass nun einer in der Hierarchie des Leverkusener Trainerstabes die Spitze bildet, mag die Konservativen im Lande beruhigen ebenso wie die, die Probleme haben mit Trainern, die ihren Job machen, auch ohne den Hintergrund von 400 Profispielen.

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Doch es ändert nichts daran, dass in Leverkusen weiter im Team gearbeitet wird. Hyypiä als "Erster unter Gleichen", hinter ihm ein Duo mit zwei Fußball-Lehrern, die der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt sind, was - geht es nach Jan-Moritz Lichte - auch so bleiben soll: "Ich glaube nicht, dass die Bevölkerung von Daniel oder mir jede Woche zwei Statements haben möchte. Wenn sie das möchte, bin ich für sie da."

Lichte ist der eine Teil des Duos, der andere ist Daniel Niedzkowski. Beide einst Fußballer in den Niederungen der Regional- und Oberliga, heute Trainer in der Bundesliga. Die Aufgabenverteilung ist geklärt: Lichtes Bereich sind Trainingsinhalte und Mannschaftstaktik, Niedzkowski hält die individuelle Entwicklung der Spieler im Blick. Und wenn die Saison läuft, wird er sich intensiv auch um die Gegneranalyse kümmern. Der ehemalige Assistent von DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth sagt: "Ich denke, dass das eine gute Entwicklung ist. Ein Spezialistentum macht Sinn - natürlich immer mit Fußballverstand im Kern."

Ich denke gerne über Fußball nach, analysiere gerne Fußball und arbeite unheimlich gerne mit Menschen.Jan-Moritz Lichte

Obwohl sie den gleichen Beruf ausüben wie etwa Peter Neururer, dürften sie von Areitsweise und Selbstverständnis dieses Trainers Lichtjahre entfernt sein. Es ist ein völlig neuer, anderer Typus der sich da entwickelt. Keiner, der in den Vordergrund drängt. Das Gegenteil ist der Fall, der eine wie der andere drängen geradezu in den Hintergrund, ähnliches gilt für Hyypiäs restliches Trainerteam, Torwartcoach David Thiel und Konditionstrainer Holger Broich.

Lichte erklärt: "Ich bin sehr zufrieden mit meinem Job. Ich kann mich völlig auf Fußball konzentrieren, was riesig Spaß macht. Ich kann das einbringen, was ich mir vom Fußball vorstelle. "Ruhig und bedächtig spricht er meist, zuvorderst über Fußball. Würden seine Gedanken, ähnlich wie in einem Comic, sichtbar, es sprängen wohl lauter Fußbälle aus seinem Kopf. Lichte gibt zu: "Ich denke gerne über Fußball nach, analysiere gerne Fußball und arbeite unheimlich gerne mit Menschen." Menschen, die Fußball spielen.

Dies - und das verbindet ihn mit Hyypiä und Niedzkowski - übrigens in angenehm zurückhaltender Form. Nicht einmal während der Woche in Zell am See wurde es hektisch auf dem Trainingsplatz. Weil Deutschlands Fußball-Fans nunmehr tagtäglich mit der Arbeit eines Pep Guardiola konfrontiert werden und dessen temperamentvollen Unterbrechungen selbst der einfachsten Übungen, mag dies dem Betrachter antizyklisch, ja passiv, erscheinen. Niedzkowski erklärt es mit dem Charakter: "Es ist immer wichtig, dass man authentisch ist. Ich glaube, dass wir das sind", sagt er.

Das alles mag wichtig und richtig sein. Doch, und damit sind wir wieder am Anfang, am allerwichtigsten wird sein, dass dem deutschen Fußball-Volk ein klarer Chef erkennbar ist. Kein Problem für Lichte und Niedzkowski. Man trage alle Erkenntnisse zusammen, am Ende aber entscheide nur einer, was passiert. Und dieser eine heißt Sami Hyypiä. Damit dürften auch die Konservativen wieder zufrieden sein.

Frank Lußem

20.07.13
 

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weitere Infos zu Hyypiä

Vorname:Sami
Nachname:Hyypiä
Nation: Finnland
Verein:Bayer 04 Leverkusen

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Vereinsdaten

Vereinsname:Bayer 04 Leverkusen
Gründungsdatum:01.07.1904
Mitglieder:25.000 (27.11.2011)
Vereinsfarben:Rot-Weiß-Schwarz
Anschrift:Bismarckstraße 122-124
51373 Leverkusen
Telefon: (02 14) 8 66 00
Telefax: (02 14) 8 66 05 12
E-Mail: club@bayer04.de
Internet:http://www.bayer04.de

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