"Das System kollabiert doch nicht, wenn von uns weniger Fans zu den Auswärtsspielen kommen. Ich verstehe die Aussagen von Hans-Joachim Watzke deshalb nicht", sagte Völler am Sonntagvormittag im "Doppelpass" bei "Sport1": "Wir haben auch Spieler verkaufen müssen, weil es finanziell nicht anders ging."
Watzke hatte letzte Woche in einer Diskussion beim Sportwissenschafts-Kongress SpoBIS in Düsseldorf vor weiteren Werksklubs gewarnt: "Wir können nicht noch drei Mannschaften gebrauchen, die vor 25.000 Zuschauern spielen und auswärts nur 500 Zuschauer mitbringen. Da kollabiert das System, da ist es vorbei mit der Roadshow im Ausland."
Das sieht Völler natürlich nicht so, auch wenn Bayer durch die Konzern-Unterstützung natürlich "gute Bedingungen" habe. "Aber nehmen wir zum Beispiel die Bayern: die bekommen doch auch genügend Geld von adidas, Audi und der Telekom. Was ist da denn der Unterschied zu uns?", fragte Völler. Zugleich gestand der 52-Jährige aber auch ein, dass die Diskussion an Fahrt gewonnen habe, "weil der VfL Wolfsburg einiges in den letzten Jahren falsch gemacht hat."
Auch die Wolfsburger hatten sich nach Watzkes Aussagen zu einer Reaktion veranlasst gesehene. "An mangelndem Selbstbewusstsein leidet Herr Watzke nicht", sagte VfL-Manager Klaus Allofs. Das sei auch berechtigt, denn Dortmund habe etwas Tolles aufgebaut. Vor einigen Jahren habe das aber noch anders ausgesehen: "Da hätten vielleicht auch einige gesagt, so ein Verein gehört nicht in die Bundesliga, weil der Klub nicht wirtschaftlich gesund ist."
Vielfalt, so Allofs, mache den Erfolg der Bundesliga aus, "und zu dieser Viefalt gehören eben auch Klubs wie Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und Hoffenheim. Aber auch Traditionsklubs wie Schalke 04 und Borussia Dortmund, die auch mal schwierige Phasen überstehen müssen, um sich dann wieder neu zu erfinden."
Eintracht Frankfurts Geschäftsführer Heribert Bruchhagen hatte sich bei der Diskussion "Clash der Kulturen: Was Werksklubs und Traditionsvereine eint und was sie auseinanderbringt" auf Watzkes Seite geschlagen. Traditionsvereine wie der 1. FC Köln oder der 1. FC Kaiserslautern, die immer ausverkaufte Stadien hätten, würden "durch die Werksklubs um drei Plätze zurückgeschoben - bis in die 2. Liga."
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