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02.01.2013, 11:51

Mainz: Torjäger im kicker-Interview

Szalai: "Ich bin ein Maximalist"

Am heutigen Mittwochvormittag startete der 1. FSV Mainz 05 in die Vorbereitung auf die Rückrunde. Mit dabei: Toptorjäger Adam Szalai (25), für den 2012 ein außergewöhnliches Jahr war. Im kicker-Interview spricht er über seine Entwicklung, seine schwere Verletzung, seinen Trainer - und seine Zukunft.

Adam Szalai
Mainzer Toptorjäger: Adam Szalai hat große Pläne für 2013.
© Getty ImagesZoomansicht

kicker: 2012 endet für Sie mit einer besonderen Auszeichnung. Was bedeutet es Ihnen, Fußballer des Jahres in Ungarn zu sein, Herr Szalai?

Adam Szalai: Es ist eine ganz besondere Ehre. Wenn man diese Auszeichnung schon mit 25 bekommt, denkt man erst mal, auf seinem Weg bisher alles richtig gemacht zu haben. Noch mehr ehrt es mich aber, wenn ich zurückdenke, wo ich 2011 war. Nach dem schlimmsten Jahr in meinem Leben, als ich zwei ganz schwere Knieoperationen hatte und ein Jahr nicht Fußball spielen konnte. Nun erhalte ich diesen Preis, sind wir mit Mainz Sechster und im Pokal im Viertelfinale. Ich bin einfach sehr glücklich.

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kicker: Vor einem Jahr in der Winterpause sprach fast niemand von Ihnen, nun sind Sie in aller Munde. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie auf Ihr Wahnsinnsjahr zurückblicken?

Szalai: Ich habe immer an mich geglaubt, nie an meinen Fähigkeiten gezweifelt. Ich wusste, was ich leisten kann, wenn ich topfit bin, einmal eine richtige Vorbereitung mit der Mannschaft mitmache. Dazu habe ich ein unglaubliches Vertrauen vom Verein und meiner Mannschaft gespürt. Mainz gab mir trotz der langen Verletzungspause das Gefühl, ich bin wichtig für diesen Klub. Das hat mir sehr geholfen.

Nach dem Spiel muss ich das Gefühl haben, alles perfekt für die Mannschaft getan zu haben.

kicker: Sie haben in der Jugend intensiv Handball gespielt. Kommen Robustheit und Durchsetzungswillen, die sie auszeichnen, daher?

Szalai: Nein. Es war in der Hauptschule, als ich die Wahl hatte, Handball oder Fußball zu spielen. Viele sagten damals: Spiele lieber Handball, weil Ungarn in dieser Sportart erfolgreicher ist. Ich wollte aber Fußballprofi werden.

kicker: Sie haben in der Hinrunde mit neun Toren schon mehr Tore erzielt, als vor dieser Saison in 50 Bundesligaspielen zusammen. Wird Ihnen die Serie unheimlich?

Szalai: Nein. Erst mal denke ich immer an die Mannschaft. Aber Tore wie das 2:1 gegen Hannover oder gleich drei gegen Hoffenheim, die Siege bescheren, geben ein besonderes Gefühl. Ich merke dann, ich kann der Mannschaft helfen. Ich versuche immer, meinen Job zu machen. Wenn ich den 100 Prozent erledige, werde ich auch belohnt.

kicker: Was zählt zum umfangreichen Aufgabenbereich, den Sie als Angreifer ausfüllen müssen?

Szalai: Bei Ecken und Freistößen brauchen wir hinten alle Kräfte. Für einen Spieler mit meiner Größe und meinen Stärken ist es normal, da zu helfen. Für unsere Spielweise ist es wichtig, dass alle elf Spieler verteidigen. Das fängt bei uns vorne an. Wenn der Gegner den Ball hat, müssen wir mit Pressing sofort dagegenhalten. Da musst du umschalten, attackieren. Das ist nicht einfach. Aber nur so können wir erfolgreich sein. So zu spielen macht Mainz 05 seit Jahren aus.

kicker: Sie betreiben einen Riesenaufwand. Manager Christian Heidel bezeichnet Sie als totales Arbeitstier. Überfordern Sie sich nicht?

Szalai: Ich bin ein Maximalist. Was in mir steckt, will ich aus mir rausholen. Nach dem Spiel muss ich das Gefühl haben, alles perfekt für die Mannschaft getan zu haben.

kicker: Und wenn nicht?

Szalai: Dann bin ich traurig, wenn ich glaube, im Spiel zwei-, dreimal zu wenig gesprintet zu sein oder nicht richtig meine Aufgabe erfüllt zu haben. Da ändert es auch nicht viel, wenn ich ein Tor erzielt habe.

kicker: Wie reagiert das nach Kreuzband- und Außenbandriss operierte rechte Knie auf die hohe Belastung?

Szalai: Seitdem ich bei Professor Dr. Strobel in München optimal operiert worden bin, habe ich überhaupt keine Probleme. Auch nach extremer Belastung mit einer englischen Woche habe ich keinerlei Schmerzen. Zum Glück.

Damals wie heute bin ich sehr glücklich, verlängert zu haben.

kicker: Gab es Momente in der Verletzungspause, in denen Sie glaubten, es nicht zurückzuschaffen?

Szalai: Nein. Ich war immer positiv eingestellt. In dem einen Jahr ohne Fußball bin ich nicht nur älter geworden, sondern auch gereift und mental stärker geworden. Mit dem Körper war ich in der Reha, mit meinem Kopf fokussiert auf die Rückkehr in meine Mannschaft.

kicker: Brauchten Sie die vielen Erfolgserlebnisse als Bestätigung, um sagen zu können: Ich bin wieder da?

Szalai: Sie waren enorm wichtig. Mit Mainz Sechster, im Pokal dabei, mit der Nationalelf Zweiter hinter Holland mit der Chance auf die WM 2014 - ich kann sehr zufrieden sein.

kicker: Ärgern Sie sich schon, dass Sie ihren Vertrag in Mainz im Sommer bis 2015 verlängert haben?

Szalai: Ärgern? Überhaupt nicht. Mainz kam und sagte, wir vertrauen dir, wir sind voll überzeugt von dir, wir wollen mit dir vorzeitig verlängern. Da habe ich nicht lange überlegt. Damals wie heute bin ich sehr glücklich, verlängert zu haben.

kicker: Trotzdem. Ein Stürmer mit ihrer Quote ist immer interessant für Topklubs. Macht man sich da keine Gedanken?

Szalai: Überhaupt nicht. Ich bin sehr glücklich hier, habe große Lust, dass es wieder losgeht am 2. Januar. Es kann weiterlaufen, wie 2012 endete.

kicker: Sie standen bereits bei einem außergewöhnlichen Klub unter Vertrag. Wie haben Sie von der Lehrzeit bei Real Madrid profitiert?

Szalai: Natürlich war mein Traum, mich über die zweite für die erste Mannschaft zu empfehlen. Doch ich war auch Realist. Erstes Ziel war, durch gute Spiele anderen Erstligisten aufzufallen. Rückblickend habe ich alles richtig gemacht. Ich spiele mit Mainz seit Jahren Bundesliga.

kicker: Warum Mainz statt Madrid?

Szalai: Thomas Tuchel war mein Co-Trainer beim VfB Stuttgart, mit dem wir später Deutscher A-Jugendmeister wurden. Als sein Anruf kam und er mich zunächst auf Leihbasis nach Mainz holen wollte, war ich sehr glücklich über die Chance.

Tuchel der perfekte Trainer für mich? Das will ich nicht sagen.

kicker: Tuchel sagt, was nicht viele Trainer über Spieler sagen: "Auf dich können wir in Topform nicht verzichten." Ist Tuchel der perfekte Trainer für Sie?

Szalai: Das will ich nicht sagen, weil es sich komisch anhört. Für mich ist Thomas Tuchel einer von den wichtigsten Personen. Er hat mir die Chance gegeben, Bundesliga zu spielen und mich zu entwickeln. Er ist bislang der einzige Trainer, den ich als Profi hatte. Was er mit Mainz in den letzten Jahren geleistet hat, sieht jeder. Wie er das Beste aus uns Spielern herausholt, wie er uns auf jedes Spiel vorbereitet, das ist einfach top. Wenn es bei mir mal nicht passt, ist der Trainer der Erste, der es sieht und sagt, was nicht stimmt. Das hilft mir sehr viel.

kicker: Mainz hat für 2013 beste Perspektiven: Im Pokal ist das Finale drin, in der Liga die Teilnahme an der Europa League. Wird 2013 das nächste tolle Jahr?

Szalai: Ganz wichtig ist, dass wir so weiter arbeiten, wie wir es seit Jahren tun. Und nicht an die Europa League oder Berlin denken.

kicker: Sie haben einen jüngeren Bruder, Vili. Ein Spieler für Mainz?

Szalai (lacht): Es kann nicht jeder in die Bundesliga schaffen. Vili ist 22, spielt zu Hause in Ungarn in der Zweiten Liga bei Mezokovesd.

kicker: Ihr Wunsch für 2013?

Szalai: Das ich gesund bleibe. Alles andere kommt von allein.

kicker: Wenn Angebote von Topklubs kommen, werden Sie dann wankelmütig?

Szalai: Das ist weit weg, kann ich jetzt nicht beantworten. Mein Ziel ist, mit Mainz so viele Punkte wie möglich zu holen und im Pokal weit zu kommen. Im Sommer können wir dann darüber reden, wie das funktioniert hat.

Interview: Uli Gerke

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weitere Infos zu Szalai

Vorname:Adam
Nachname:Szalai
Nation: Ungarn
Verein:1899 Hoffenheim
Geboren am:09.12.1987

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