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17.12.2012, 16:47

Zerissenheit einzelner Fanlager nicht nur in Mainz

Gräben tun sich auf: Gegenwind für die Ultras

Am ersten Spieltag nach dem Beschluss des umstrittenen Sicherheitskonzepts der DFL ist eine große Protestwelle der Fans ausgeblieben. Vielmehr trat eine Zerissenheit innerhalb einzelner Anhängerschaften mancherorts offen zu Tage. Differenzen wurden mitunter lautstark ausgetragen. So erhielten nicht nur die Ultras in Mainz und auf Schalke Gegenwind.

Leerer Ultras-Block in Düsseldorf
Protest in Düsseldorf: Der leere Block der Ultras.
© imagoZoomansicht

Die Ultras geraten zunehmend ins Abseits. Proteste riefen am Wochenende mitunter lauten und heftigen Widerstand beim Rest der Zuschauer hervor. Zum Beispiel in Mainz. Als die Ultra-Lager beider Klubs nach dem obligatorischen Schweigen (12:12) "Fußball-Mafia DFB" und "Scheiß DFB" skandierten, reagierten die übrigen Mainzer Anhänger mit lauter Anfeuerung - und wurden wiederum von den Ultras ausgepfiffen.

Harald Strutz brachte das so richtig auf die Palme: "Es ärgert mich maßlos, dass sich einige vermeintliche Fans hinstellen und sagen 'Ich unterstütze meine Mannschaft nicht'. Diese Fans sollen zu Hause bleiben. Sie glauben, sie können den Fußball kaputt machen. Da haben sie keine Chance, dazu ist die Gruppe zu klein", wetterte der FSV-Präsident: "Sie schädigen den Verein nur noch."

Es ärgert mich maßlos, dass sich einige vermeintliche Fans hinstellen und sagen 'Ich unterstütze meine Mannschaft nicht'. Diese Fans sollen zu Hause bleiben.Harald Strutz, Präsident 1. FSV Mainz 05

Auch Coach Thomas Tuchel registrierte die Differenzen im Fanlager: "Ich denke, viele im Stadion haben sich aufgerafft, um den Boykott der Ultras aufzufangen." Von den Spielern wurden die Hardcore-Fans nach dem 3:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart weitgehend ignoriert. Es gab nur distanzierte Grüße von der Strafraumgrenze, ehe man sich der Gegentribüne widmete: "Wir haben uns intuitiv bei den Fans bedankt, die uns unterstützt haben", meinte Julian Baumgartlinger.

Dem Mainzer Fanvertreter Axel Schulz bereitet die Entwicklung Sorgen, es sei "der schlimmste Tag" gewesen, den er als Fan bisher erlebt habe, sagte der Sprecher der vereinsübergreifenden Vereinigung "Pro Fans" der dpa: "Die Fans haben sich untereinander gestritten, die Mannschaft hat am Ende dazu beigetragen, dass ein weiterer Streit folgt. Sie haben nicht denen gedankt, die immer mitfahren, sondern den Fans, die am Samstag Stimmung gemacht haben", erklärte Schulz: "Die Aussagen von Harald Strutz sind ebenfalls ein Schlag ins Gesicht für manche Leute." Er befürchtet nun eine Radikalisierung: "Es sind Gräben aufgerissen worden. Das wird Monate dauern, das alles zu heilen."

Ähnliche Vorkommnisse gab es auch in anderen Stadien: "Ultras raus", schallte es auf Schalke beim 1:3 gegen den SC Freiburg von den Rängen. Eine Reaktion auf die gegen DFL-Vizepräsident und Schalke-Vorstand Peter Peters gerichteten "Peters raus"-Rufe. In Leverkusen ignorierten die Fans mit lautstarker Anfeuerung beim 3:0 den HSV den Protest der Ultras, die nach elf Minuten über den halben Fanblock schwarze Plakate gehängt hatten. Auch bei der Begegnung VfL Wolfsburg gegen Eintracht Frankfurt (0:2) formierte sich auf den Rängen Widerstand. Eine Rauchbombe im Block der VfL-Ultras erntete ein gellendes Pfeifkonzert. Die Halbzeitansprache des Stadionsprechers, Pyrotechnik zu unterlassen, erhielt Applaus. In Düsseldorf verließen die Fortuna-Ultras ihren Block nach dem Anfangs-Boykott komplett, hinterließen nur das Banner "Schämt euch" - und verpassten so den 2:1-Erfolg des Aufsteigers gegen Hannover 96 samt toller Stimmung.

Fürstner: "Natürlich wünscht man sich, dass die Fans auf die Proteste scheißen"

Beim Kellerduell zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem FC Augsburg (1:1) schwieg der Kern der Kleeblatt-Fans die komplette erste Hälfte über. Eine Aktion, die Mittelfeldspieler Stephan Fürstner kritisierte: "Natürlich wünscht man sich, dass die Fans einfach auf die ganzen Proteste scheißen und sagen: Es geht um die Mannschaft und nicht um die DFL. Aber wir müssen das so hinnehmen."

Auch in den unteren Profiligen taten sich Gräben in einzelnen Fanlagern auf: Bei Herthas 2:1-Erfolg gegen den FSV Frankfurt schwiegen die Ultras im unteren Bereich der Ostkurve des Olympiastadions, die Hertha-Fans darüber schienen gespalten. "Wir haben unter erschwerten Bedingungen gewonnen", sagte Kapitän Peter Niemeyer hinterher. Deutlichen Gegenwind erhielten die Ultras auch bei Preußen Münsters 3:0-Sieg im Drittligaspiel gegen Darmstadt 98.

Bei den DFB-Pokal-Achtelfinalspielen am Dienstag und Mittwoch wird zu beobachten sein, ob die Kluft zwischen den einzelnen Fanlagern weiter wächst.

 

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