
Zumindest bis zu jenem Treffen des Ligaverbandes mit seinen 36 Profivereinen, auf dem das inzwischen überarbeitete Papier "Sicheres Stadionerlebnis" verabschiedet werden soll, wollen die Fangruppen mit den Schweigeaktionen in den drei deutschen Profiligen protestieren und auf die Thematik aufmerksam machen. "Der Protest soll den Vereinen vor Augen führen, wie die Situation sein würde, wenn wir nicht da wären", sagte Philipp Markhardt, Sprecher der Fan-Initiative dem Sport-Informations-Dienst (SID) am Montag: "Wir wollen zeigen: Die Leute sind gegen das Konzept."
Die in den Fanblöcken sichtbaren Aktionen oder auch der Stimmungsboykott sollen Aufmerksamkeit bringen, im Zentrum steht aber die Aufklärung über die gemäß des DFL-Positionspapiers vorgesehenen verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Dieser Maßnahmenkatalog sei trotz Nachbesserungen "inakzeptabel", erklärte Markhardt, selbst Mitglied der Hamburger Ultra-Gruppierung "Chosen Few" und Sprecher von "Pro Fans". Kritik rufen vor allem die Möglichkeit der Reduzierung und auf Sitzplatzbereiche beschränkte Ausgabe von Gästekarten sowie die Ausweitung der Personenkontrollen mit möglichen Ganzkörperkontrollen hervor.
Regen Zulauf empfängt derzeit auch die von den Machern des BVB-Fanzines schwatzgelb.de ins Leben gerufene Seite www.ich-fuehl-mich-sicher.de. Weit über 50.000 Nutzer haben sich seit Anfang November namentlich in eine Liste eingetragen und damit bekundet, dass sie sich auch derzeit - ohne verschärfte Sicherheitsmaßnahmen - beim Stadionbesuch sicher fühlen.
Die Fanszene macht also angesichts sich ankündigender Veränderungen in Sorge um den Weiterbestand der Fankultur in deutschen Stadien mobil und startete am Wochenende bereits in vielen Stadien Aktionen zur Information.

Manche Sympathien bei Zuschauern aus der breiten Masse der Stadionbesucher verspielten Gruppierungen aus den Fankurven bei den Spielen in Düsseldorf und Gelsenkirchen jedoch gleich wieder. Vor dem Gastspiel bei der Fortuna entzündeten HSV-Anhänger beim Abbrennen von Bengalos eine Zaunfahne. Die Feuerwehr musste eingreifen, der Anstoß verzögerte sich. "Eine kleine Gruppe hat der Argumentation einen Bärendienst erwiesen", kommentierte Carl-Edgar Jarchow, der Vorstandsvorsitzende des HSV, am Sonntag, während Dennis Aogo meinte: "Es war schön anzusehen. Das hat ja nicht immer nur negative Seiten."
Beim Abbrennen von Pyrotechnik in der Schalker Nordkurve geriet in der Pause des Heimspiels gegen Eintracht Frankfurt die Abdeckung eines Ausgangs in Brand. Die UItragruppe "Hugos", die bereits nach Ausschreitungen beim Derby in Dortmund mit über 100 Stadionverboten rechnen muss, gab damit quasi ihre "Abschiedsvorstellung" und wurde dafür mit eindeutigen Sprechchören wie "Wir sind Schalker und ihr nicht" bedacht, was Sportdirektor Horst Heldt ausdrücklich begrüßte: "Sie haben die richtige Antwort gegeben." Die Polizei kündigte an, 60 neue Strafverfahren zu eröffnen.
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