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14.10.2012, 16:30

Bremen: Alles beim Alten nach dem Umbruch?

Werder kämpft gegen alarmierende Zahlen

Zwölf Abgänge, neun Neulinge - aber Probleme wie in den beiden Vorjahren: Das Zwischenfazit nach sieben Spieltagen fällt durchwachsen aus bei Werder Bremen. Trainer Thomas Schaaf versucht die Unruhe einzudämmen, manche Zahlen sind jedoch beängstigend.

Thomas Schaaf
Hält weiter an seiner Strategie fest: Werder-Coach Thomas Schaaf.
© Getty ImagesZoomansicht

Alles sollte neu sein bei Werder. Nicht nur das Personal, auch die Denkweise. Um dies nach außen hin zu dokumentieren, wurde sogar die Beflockung der Trikots geändert. Der Name des Spielers steht seit diesem Sommer unter der Rückennummer, der Schriftzug des Klubs darüber. "Wir wollen damit das Signal aussenden, dass Werder über allem steht", verdeutlichte Klubboss Klaus Allofs (55) nach zwei Jahren, in denen diese Botschaft vom Bremer Personal nicht immer umgesetzt wurde.

Das öffentliche Ausscheren von Kevin de Bruyne (21, "Der Trainer ist okay, aber wir sprechen nicht") und dessen Zurückrudern zum Wochenanfang ist insofern mehr als eine Randnotiz. Die Chelsea-Leihgabe und Thomas Schaaf haben Irritationen ausgeräumt, eine gewisse Symbolik stellt das in der belgischen Heimat gegebene und nun relativierte Interview dennoch dar: Geschichte wiederholt sich - auf dem Platz sowieso, jetzt auch wieder daneben. Vieles neu also, und doch alles beim Alten?

Auch nach dem Umbruch wiederholen sich die altbekannten Abwehrpatzer. Ein Fehler im System von Schaaf, der im 4-1-4-1 das komplette Mittelfeld mit eher offensiv ausgerichteten Spielern besetzt hat? "Nein", sagen Trainer und Klubboss Allofs. Die beiden Macher sprechen mit einer Stimme, auch daran hat sich nichts geändert an der Weser. Nur die Zahl der Zweifler wächst. Weil der Fehlstart nicht nur den Trend der letzten zwei Spielzeiten fortsetzt, sondern weil er alarmierende Zahlen hervorbringt: Werder startete schlecht wie noch nie unter dem Dauer-Coach. Nur die Saison 1998/99, die letzte vor Schaaf, begannen die Norddeutschen schlechter (vier Punkte nach sieben Spielen, Platz 17). Hinzu kommt: Im Kalenderjahr 2012 holte Werder von den Teams, die alle 24 Bundesliga-Spiele absolvierten, mit deutlichem Abstand die wenigsten Punkte, gewann nur vier von 24 Partien.

Die Jahrestabelle 2012

Platz Team Tore Punkte
1. Borussia Dortmund 62:22 59
2. FC Bayern 55:14 57
3. Schalke 04 51:29 44
4. Bayer Leverkusen 41:31 39
5. VfB Stuttgart 47:40 37
... ... ... ...
20. Werder Bremen 29:40 20

Schaaf registriert die aufkommende Unruhe. Er versucht sie mit dem Werben um Geduld einzudämmen. "Es sind bisher nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen, aber wir wussten, dass es Situationen geben wird, in denen man in Fehler verfällt." In alte Fehler - trotz neuem Personal und neuem System ohne die jahrelang erprobte Raute. Ist Werder also doch zu offen?

Inklusive der Pokal-Pleite in Münster kassierte Schaafs Elf in acht Pflichtspielen bereits 17 Gegentreffer. Der Coach hält dennoch an seiner Strategie fest: "Wir wissen, dass die Grundausrichtung richtig ist. Die Dinge, die wir im bisherigen Saisonverlauf aufgezeigt haben, sprechen auch dafür." Das Problem ist: Seine Elf zeigt die positiven Dinge nur dosiert auf.

Von Mielitz bis Arnautovic: Werders Umbau offenbart noch Mängel

Bei wirklich überzeugenden Darbietungen in Dortmund (1:2) und Hannover (2:3) fehlte der Killerinstinkt, bei etlichen anderen Partien Konzentration und Qualität: Keeper Sebastian Mielitz (23) ist insgesamt noch kein Rückhalt und Sokratis (24) nach der EM-Teilnahme noch nicht wieder die Säule der Vorsaison; die Linksverteidiger-Position, seit Jahren ein Schwachpunkt, ist immer noch nicht optimal besetzt, wechselweise spielten Mittelfeldmann Aleksandar Ignjovski (22), Rechtsfüßer Clemens Fritz (31) oder Lukas Schmitz (23); den offensiven Außen Eljero Elia (25) und Marko Arnautovic (23) fehlt die Effektivität. Zusammen bereiteten sie erst drei Tore vor, trafen nicht.

Werders Umbau offenbart noch Mängel. Schaaf versichert dennoch: "Wir haben eine wirklich gute Arbeitsatmosphäre, weil wir wissen, dass wir hier etwas erreichen wollen. Bei uns kippt die Stimmung nicht." Worte, denen in 2012 endlich Punkte folgen müssen. ­

Sebastian Wolff

 
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