| Vorname: | Markus |
| Nachname: | Babbel |
| Nation: | Deutschland |
| Verein: | 1899 Hoffenheim |
kicker: In den letzten drei Wochen war es sehr ruhig um Sie. Ist mit Ihren Adduktoren wieder alles okay, Herr Wiese?
Tim Wiese: Ein wenig zwickt es noch, aber seit Dienstag trainiere ich mit der Mannschaft. Und am Freitag will ich beim Testspiel in Darmstadt im Tor stehen.
kicker: Also werden Sie Freitag drauf gegen Greuther Fürth spielen?
Wiese: Ja, so sieht es aus.
kicker: Welchen Empfang erwarten Sie dann von den TSG-Fans?
Wiese: Wie meinen Sie das?
kicker: Es scheint, als ob Sie nach wie vor einen schweren Stand haben beim Hoffenheimer Anhang.
Wiese: Da stehe ich drüber. Ich bin hier angestellt und mache meinen Job, mehr kann ich nicht tun. Es gibt immer Leute, die einen nicht mögen, aber zu großen Teilen unterstützen mich die Leute hier sehr wohl.
kicker: Wie wichtig ist es für Sie, dass der Trainer signalisiert, dass Sie weiter klar seine Nummer 1 sind?
Wiese: Davon bin ich ohnehin ausgegangen.
„Ich habe über 300 Pflichtspiele gemacht, von denen waren vielleicht fünf Spiele scheiße.“Tim Wiese
kicker: Haben Sie mit einem derart holprigen Start gerechnet?
Wiese: Nein, sicher nicht. In Gladbach kann man verlieren, aber die vier Gegentore daheim gegen Frankfurt waren natürlich bitter. Schlimmer allerdings war das Aus im Pokal gegen einen Viertligisten. Von allen Seiten gab es Feuer, das ging schon an die Psyche.
kicker: Griffen Sie deshalb beim 3:5 in Freiburg derart fatal daneben?
Wiese: Ich habe über 300 Pflichtspiele gemacht, von denen waren vielleicht fünf Spiele scheiße. Mein Gott, das gehört dazu. Ich versuche sicher, es besser zu machen.
kicker: Hand aufs Herz: War das die erste Verletzung über die Sie fast ein wenig froh waren?
Wiese: Nein! Ich will immer spielen.
kicker: Konnten Sie in den vergangenen drei Wochen wenigstens mental wieder Kraft tanken?
Wiese: Warum sollte ich das müssen? Wie gesagt, ich habe so viele Spiele auf dem Buckel, da sind eben auch mal nicht so gute dabei.
kicker: War der Druck nach Ihrem viel diskutierten Wechsel und den klar formulierten Europa-Ambitionen doch zu groß?
Wiese: Das lasse ich nicht gelten, der Druck in der Bundesliga ist immer gleich groß.
kicker: Haben Sie sich vielleicht selbst zu sehr unter Druck gesetzt?
Wiese: Nein. Natürlich ist es etwas anderes in einen neuen Verein zu kommen, man versucht dann vielleicht, etwas Besonderes zu machen. Aber deshalb spiele ich nicht besser oder schlechter.
kicker: Markus Babbel gab Ihnen sofort die Kapitänsbinde. Wie gehen Sie nun mit dieser zusätzlichen Verantwortung um?
Wiese: Das bedeutet doch keinen zusätzlichen Druck. Ich habe in meiner ganzen Karriere immer Verantwortung übernommen. In Bremen zum Beispiel habe ich von allen Spielern am meisten nach außen geredet, auch ohne Kapitän zu sein.
kicker: Auf den Hoffenheimer Kapitän wartet allerdings zudem die Aufgabe, den Neuaufbau der Mannschaft mit voranzutreiben.
Wiese: Klar, aber eine neue Mannschaft muss sich trotzdem erst finden, das dauert eben ein bisschen. Gutes Potenzial haben wir auf jeden Fall. Wenn wir wie in Stuttgart oder gegen Hannover frei aufspielen, dann sieht das auch sehr gut aus.
kicker: Ist es für Sie persönlich nicht ein bisschen schade, dass die Trendwende just ohne Sie gelang?
Wiese: Egal, Hauptsache die Mannschaft hat Erfolg.

kicker: Wie sehr beruhigt es Sie vor dem Comeback, dass die Abwehr zuletzt stabiler wirkte?
Wiese: In den ersten Spielen war offenbar die Absprache noch nicht so da, aber es wurde zuletzt immer besser. Deshalb haben wir auch in einer Woche sieben Punkte geholt.
kicker: Was ist trotz des Starts mit Hoffenheim drin in dieser Saison?
Wiese: Wir haben uns jetzt gefangen, und versuchen jede Woche weiter nach oben zu klettern. Das Ziel
Europa League haben wir nicht aus den Augen verloren.
kicker: Wie verkraftet man die ungewisse Situation um Boris Vukcevic?
Wiese: Das ist eine Katastrophe für uns. Wir versuchen gerade so gut wie möglich den Kopf wieder ein wenig frei zu kriegen, aber dennoch auch Boris nicht zu vergessen.
kicker: Nach dem Augsburg-Spiel zeigten sich fast sämtliche Profis mit Vukcevic-Trikots, doch Sie als Kapitän fehlten. Warum?
Wiese: An dem Wochenende war ich zur Behandlung weg und gar nicht in der Region.
kicker: Aus Bremen meldete sich zuletzt Klaus Allofs und sagte, man wollte einen Torwart, der mehr mitspielt. Fühlen Sie sich selbst als Oldschool-Keeper?
Wiese: Moderner Torwart, Oldschool-Torwart, was ist das? Mit diesen Begriffen kann ich nichts anfangen. Sowas denken sich doch nur Journalisten aus.
kicker: Ihr Nachfolger bei Bremen, Sebastian Mielitz, ist nun ebenfalls in die Kritik geraten. Verfolgen Sie das mit ein wenig Genugtuung?
Wiese: Ich bin jetzt in Hoffenheim. Was woanders passiert, interessiert mich wirklich überhaupt nicht.
Interview: Martin Gruener


| Vereinsname: | 1899 Hoffenheim |
| Gründungsdatum: | 01.07.1899 |
| Mitglieder: | 5.700 (30.06.2012) |
| Vereinsfarben: | Blau-Weiß |
| Anschrift: | TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH Dietmar-Hopp-Sportpark Horrenberger Straße 58 74939 Zuzenhausen Telefon: (0 72 61) 94 93 0 Telefax: (0 72 61) 94 93 102 |
| Internet: | http://www.achtzehn99.de |