| Vorname: | Lucien |
| Nachname: | Favre |
| Nation: | Schweiz |
| Verein: | Borussia M'gladbach |
Manchmal haben Statistiken eben doch Aussagekraft. Vor dem 0:5 in Dortmund hatte Gladbach unter Trainer Lucien Favre nie mehr als drei Gegentore in einem Spiel kassiert - vor dem 2:3 gegen Nürnberg vor gut zwei Wochen nie mehr als zwei. Die Defensive, die das Team im Vorjahr so stark gemacht hatte, ist zur Problemzone geworden.
"Es ist unmöglich, so weiterzumachen", sagte Favre nach der Dortmund-Schlappe konsterniert. "Wir hätten nach dem 0:1 ruhig weiterspielen müssen. Stattdessen haben wir danach vergessen zu verteidigen." Und weil das nicht zum ersten Mal passierte, stellte Sportdirektor Max Eberl im Gespräch mit dem kicker klar: "Das war kein Warnschuss mehr. Dortmund war eine Klatsche."
Schon die Leistungen in Leverkusen (1:1) und gegen Hamburg (2:2) hatten angekündigt, dass es im Gladbacher Kasten bald richtig klingeln wird, wenn ein Gegner mit totaler Konsequenz zu Werke geht. Die Bauchlandung der "Fohlen" war die logische Folge. "Schülerfußball" nannte Mike Hanke den Auftritt am Samstag. Nur dass diese Schüler gerade nicht dazulernen.
"Einige vergessen, dass es ohne Stabilität in der Defensive nicht geht", lautete Favres ernüchterndes Fazit. Der mitreißende Offensivfußball ist schon lange passé, jetzt ist auch noch die Organisation und Stabilität in der Defensive, der eigentliche Trumpf der Mannschaft, verloren gegangen. Entnervten die Borussen die Gegner vor wenigen Monaten noch durch ihr engmaschiges Defensivnetz, das Pässe in die Tiefe verhinderte und zum lähmenden Quer- und Rückwärtsspielen zwang, laden sie jetzt zum Preisschießen ein.
„ In der Schlussphase haben wir nicht mehr alles dafür getan, um die Gegentore zu verhindern. “ Roel Brouwers
Elf Gegentore in den letzten vier Spielen - das schmerzt. Eberl fordert ein Umdenken: "Es wurde ständig über die Offensive gesprochen. Dass wir zu wenige Chancen kreieren, nicht diesen fantastischen Fußball der Vorsaison spielen. Dabei haben wir vergessen, was wichtig ist", moniert er. "Nach diesen letzten drei Spielen muss jeder wissen, wie Fußball geht. Nämlich nicht, wie man den Ball in den Winkel schnippst, sondern wie man das eigene Tor verteidigt. Wir lassen zu viele Chancen zu, stehen zu weit vom eigenen Mitspieler weg, lassen den Gegner spielen. Und wenn wir uns in Ballbesitz befinden, dürfen wir nicht ständig in Konter laufen."
Der Wille gehe "etwas in die falsche Richtung, das Bewusstsein für das Elementare" müsse zurückkehren, so Eberl. Also ist es eine Frage der Einstellung? In der Schlussphase habe man "nicht mehr alles dafür getan, um die Gegentore zu verhindern", räumte Innenverteidiger Roel Brouwers ein. Favre kritisierte: "Wir sind in der Bundesliga, da muss man richtig verteidigen. Dazu muss aber auch der Wille zu verteidigen vorhanden sein."
Vorne fehlt Marco Reus, hinten fehlen die Basics: Borussia braucht Lösungen. "Arbeiten, arbeiten, arbeiten", schlägt Favre vor, der auch sich fragen muss, warum nahezu alle derzeit unter Form spielen. Gleichzeitig muss er aufpassen, dass ihm der Zugriff auf die Profis nicht entgleist, wenn er monatelang den Abgängen hinterher trauert, damit die Qualität des Personals infrage stellt und dann, wie am Samstag, öffentlich heftige Kritik äußert.
"Für mich spielen wir gegen den Abstieg", schürte Juan Arango bereits die Ängste der Vergangenheit. Das wäre dann auch für Eberl und Favre, die sich seit dem Sommer darum bemühen, die Leistungsfähigkeit der Mannschaft realistisch einzuschätzen ("Ein Platz unter den ersten elf muss unser Anspruch sein"), deutlich zu wenig.