| Vorname: | Bruno |
| Nachname: | Labbadia |
| Nation: | Deutschland |
| Verein: | VfB Stuttgart |

Statt Punkte nimmt der VfB die Rote Laterne mit in die Länderspielpause. "Das", sagte Labbadia nach dem Sonntagsdebakel, "haben wir nicht erwartet." Drei souveränen Auftritten in DFB-Pokal und Europa League sowie einem spielerisch akzeptablen Auftaktspiel gegen Wolfsburg (0:1) stehen desolate 60 Minuten in München gegenüber, die bei weitem nicht allein mit bestens aufgelegten Bayern erklärt werden können.
"Wir dachten, wir sind schon einen Schritt weiter", konstatierte Labbadia ernüchtert. Er erkannte Probleme, die auch Keeper Sven Ulreich zu dem Urteil kommen ließen: "Es ist klar, dass man nun einige Dinge kritisch hinterfragen muss."
Was der Trainer besonders vermisste, waren Führungsspieler. "Wir waren nicht in der Lage, dass zwei, drei Leute die Verantwortung übernehmen", stattdessen brach die Mannschaft - mit Ausnahme von Torschütze Martin Harnik - nach der vielversprechenden Anfangsphase kollektiv ein. "Was dann passiert ist, kann ich mir nicht erklären", konnte auch Kapitän Serdar Tasci nur mit dem Kopf schütteln. "Bei uns hat nichts mehr geklappt, das ist traurig."
„Die Aktion ging von ihm aus, er hat mich provoziert, und ich bin dann schnell nach oben gekommen.“Rotsünder Vedad Ibisevic über seinen Rempler gegen Jerome Boateng
Weder Tasci noch William Kvist oder Vedad Ibisevic gelang es gegenzusteuern, als sich die Bayern in einen Rausch spielten, den nach einer Stunde sie, nicht der VfB, beendeten. "Wir haben im Grunde alles eingestellt", sagte Harnik. Ordnung? Fehlanzeige. Stattdessen rannte die Mannschaft kopflos ins Desaster, Sportdirektor Bobic nannte die Spielweise "schon sehr naiv". Die zahlreichen individuellen Fehler ließ nicht einmal Doppeltorschütze Thomas Müller in seiner Analyse unerwähnt.
Eine Baustelle, die sich in München neu auftat, ist der Angriff. Weil sich Torjäger Vedad Ibisevic nach Rempler gegen Jerome Boateng in der Schlussphase eine ebenso unnötige wie berechtigte Rote Karte abholte, ist eingetreten, wovor die Verantwortlichen beim VfB im Sommer gewarnt haben: Sie müssen einen Spieler ersetzen, der eigentlich nicht zu ersetzen ist. Vertreter Cacau fühlt sich auf der Hajnal-Position, aus der Tiefe kommend, deutlich wohler.
So glänzend sich Ibisevic in der Vorbereitung und den Spielen gegen Dynamo Moskau präsentierte, so holprig verlief sein Bundesliga-Start: Dem peinlichen Doppel-Fehlschuss gegen Wolfsburg folgte gegen die Bayern die Undiszipliniertheit - die er hinterher auch noch uneinsichtig als "normalen, harten Zweikampf" bezeichnete und Boateng in die Schuhe schob: "Die Aktion ging von ihm aus, er hat mich provoziert, und ich bin dann schnell nach oben gekommen." Das DFB-Sportgericht erkannte zwar ebenfalls eine Provokation, sperrte Ibisevic am Montag aber für zwei Spiele wegen einer Tätlichkeit "in einem leichteren Fall".
Alles in allem gab der Rückrundendritte der Vorsaison ein besorgniserregendes Bild ab. Was verspricht jetzt Besserung? Auch wenn der Blick auf die Tabelle schmerzt und viele Spieler mit ihren Nationalteams unterwegs sind, kommt die Länderspielpause zur rechten Zeit. Und Labbadia, dessen Kabinenansprache nach dem 1:6 schon länger als gewöhnlich dauerte, hat eine schonungslose Analyse angekündigt: "Wir lügen uns jetzt bestimmt nicht in die Tasche."
Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass die positiven Ansätze in dieser Saison - gute Auftritte in der Europa League, stabile Defensive gegen Wolfsburg - nicht verschwiegen, der Null-Punkte-Start nicht überbewertet werden sollte. "Wir müssen jetzt nicht alles gleich infrage stellen", fordert Bobic, auch wenn Ulreich nicht zuletzt in München erkannte: "Gute Ansätze sind zu wenig."