Seelers Kritik liest sich wie eine Mischung aus Verzweiflung und Wut. "Ich bin nachdenklich geworden, weil ich überhaupt keinen Fortschritt sehe. Und daran muss sich ein Sportchef ja messen lassen", sprach er Arnesen direkt an. "Er sagt immer nur: Die Mannschaft kommt noch. Und der kommt noch, und der kommt noch. Wenn ich das höre oder lese, dann schüttele ich manchmal mit dem Kopf. Es sind eben Spieler da, die für die Bundesliga nicht tauglich sind, das muss man einfach so klar sagen."
Dass sich HSV-Urgestein Seeler Sorgen macht, ist nur allzu verständlich. Nach der schlechtesten Saison in der Vereinsgeschichte mit Rang 15 sind die Hanseaten auch in dieser Spielzeit in den Startlöchern hängen geblieben. Dem peinlichen Pokal-Aus beim Drittligisten Karlsruher SC (2:4) folgte die Auftaktpleite in der Liga gegen Nürnberg (0:1). "Wenn man sieht, dass etwas über einen längeren Zeitraum nicht stimmt, dann muss man das als Fußballfachmann erkennen. Da muss man dann reagieren und die richtigen Spielertypen holen", bemäkelte er.
Und Seeler weiß auch schon welche: "Wir brauchen einen kreativen Spieler, der im Mittelfeld die Fäden zieht, einen Knipser, der für Unruhe sorgt, und einen Stabilisator für die Abwehr. Im Moment ist der Kader nicht so formiert, dass man die Bundesliga sicher hält."
HSV-Trainer Thorsten Fink hat unterdessen gelassen auf die Kritik reagiert und ist um Verständigung untereinander bemüht. "Uwe Seeler ist jemand, der lange im Klub war und viele Verdienste hat. Der kann auch mal seine Meinung äußern. Wir respektieren das und versuchen das eine oder andere umzusetzen", sagte Fink am Dienstag und fügte an: "Wenn der eine mit dem anderen ein Problem hat, sollten sie miteinander telefonieren. Das sind ja alles Männer."
Auch zur Personalie Rafael van der Vaart äußerte sich Fink, sieht den Stand der Dinge allerdings skeptisch. "Bei Rafael van der Vaart sieht es so aus, als ob utopische Ablösesummen gefordert werden. Von daher gehe ich jetzt nicht davon aus, dass das realisierbar ist", sagte der Ex-Bayern-Profi. Klub-Gönner und Edelfan Klaus-Michael Kühne signalisierte bei einem Treffen mit HSV-Vorstand Joachim Hilke unterdessen einmal mehr seine Zahlungsbereitschaft für einen Großteil der Ablösesumme und des Gehalts des Niederländers.