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16.05.2012, 12:35

Kommentar von Rainer Franzke, Mitglied der Chefredaktion

"Es helfen nur noch strengste Sanktionen"

Die Krawalle in Düsseldorf haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Tags zuvor die kriminellen Handlungen in Karlsruhe, zehn Tage davor die Welle der Gewalt beim Abstieg des 1. FC Köln. Zustände wie im Bürgerkrieg beim Bundesliga-Abstieg von Frankfurt vor einem Jahr, Angst um Leib und Leben bei den Pokalspielen Nürnberg - Fürth und Dortmund - Dresden in dieser Saison. Die Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen.

Rainer Franzke
Rainer Franzke
© kickerZoomansicht

Und täglich wird in Fan-Foren auf der einen Seite zu Gewalt aufgerufen und auf der anderen Seite, nach den Zwischenfällen, gezielt Verharmlosung betrieben. Verharmlosung dahingehend, dass es sich nur um kleine Minderheiten handeln würde. Dabei geben die Gewalttäter in den Kurven oder hinter den Toren längst den Ton an. Sie werden von den Nachbarn nicht nur geduldet, sondern in vielen Fällen auch angefeuert und unterstützt.

Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen! Wer Straftaten duldet und gefasst wird, muss mit einer Bestrafung rechnen. Davor dürfen Verbände und Vereine nicht mehr zurückschrecken. Am Mittwoch glühten die Telefondrähte zwischen Verbänden, Vereinen, Politik und Rechtsanwälten. An ihnen liegt es, die große Mehrheit der Stadionbesucher zu schützen. In den Blöcken, in denen Hooligans unter Applaus ihre kriminellen Taten planen und ausführen, helfen nur noch strengste Sanktionen.

Aktuell sieht es danach aus, dass - als erste Maßnahme - die Fans wieder hinter Zäunen verbannt werden, wie das in den achtziger Jahren der Fall war. Diskussionen darüber, Relegationsspiele abzuschaffen, sind müßig. Sie wären zum einen eine Bankrotterklärung vor den Kriminellen in den Stadien. Und folgerichtig müsste man dann auch die Abschaffung der Pokalspiele ebenso wie die Abschaffung von Auf- und Abstieg in die Diskussion bringen. Eben all' diese Begegnungen mit Endspielcharakter.

Hitzig ist die Diskussion um die Abschaffung von Stehplätzen, worüber in England die Gewalt aus den Stadien weitgehend verbannt worden ist. Warum sollen Bayern München, Schalke 04 oder Borussia Dortmund bestraft werden wegen Vereinen wie zum Beispiel Köln und Frankfurt, die einen wachsenden Teil ihrer Stehplatzbesucher nicht in den Griff bekommen? Die diese "Fans" sogar noch subventionieren mit vergünstigten Tickets und der Bezuschussung von Reisen zu den Auswärtsspielen? Diese Subventionspolitik gibt es weder bei Rockkonzerten noch bei anderen Großveranstaltungen. Allein dort, wo Gewalt wächst und begünstigt wird, macht ein Stehplatzverbot Sinn.

Konzertierte Aktion gegen den Hooliganismus

Dass sich Sicherheits- und Fanbeauftragte von DFB und DFL in jüngerer Vergangenheit auf die Diskussion um Pyrotechnik in den Stadien eingelassen haben, gegen alle gesetzlichen Bestimmungen, war fahrlässig und verantwortungslos. Spieler und Zuschauer sind über das Abbrennen von Pyrotechnik Lebensgefahr ausgesetzt, Woche für Woche.

Es ist mit Blick auf den gesamten Fußball nebensächlich, wie eventuell Sportrichter entscheiden werden über den Auf- oder Abstieg von Hertha BSC und die künftige Klassenzugehörigkeit von Fortuna Düsseldorf. Gefordert ist eine konzertierte Aktion gegen den Hooliganismus im Fußball. Mit dem konsequenten Ausschluss all jener, die Stadien zur Bühne krimineller Handlungen machen nebst jener, die das tolerieren. Sonst läuft die große Mehrheit der begeisterungsfähigen Fußballanhänger fort, die das Stadion nicht als rechtsfreien Raum sehen.

Rainer Franzke

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 16.05., 10:50 Uhr
Skandal bei Relegation - Düsseldorfer Fans stürmen den Platz
Zwar blieb die Nacht nach dem Spiel in Düsseldorf friedlich, doch die chaotischen Verhältnisse während des Relegationsspiels der Fortuna gegen Hertha BSC bleiben nachhaltig in Erinnerung. Und so setzte die Freude bei den Rheinländern über den Aufstieg ins Oberhaus nach 15-jähriger Abwesenheit auch erst verspätet ein.
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