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06.03.2012, 10:26

Kfz-Mechaniker, Kaufmann und Polizist

Die Macher der Liga

Wird es in Deutschland bald ein "Manager-Zertifikat" geben? Die Forderung von Oliver Bierhoff (43) im kicker sorgt für Kontroversen in der Branche.

Die Macher der Liga
Seine Forderung nach einem "Manager-Zertifikat" im kicker sorgt für Kontroversen in der Branche: Oliver Bierhoff.
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Gerade mal 27 war Uli Hoeneß, als er das Bayern-Trikot gegen ein graues Sakko eintauschte und praktisch ohne nennenswerte Vorbildung am 1. Mai 1979 als bis heute jüngster Manager der Bundesliga-Geschichte seine dann beispiellos erfolgreiche Funktionärskarriere an der Säbener Straße startete. Umgerechnet sechs Millionen Euro setzte der Verein damals um, heute sind es jährlich 350 Millionen. Er sei "quasi mitgewachsen", sagt Hoeneß im Rückblick: "Mein wichtigstes Motto war immer Learning by Doing."

Das hat der inzwischen zum Klubpräsidenten aufgestiegene Hoeneß auch vor zwei Jahren seinem Nachfolger Christian Nerlinger mit auf den Weg gegeben, und irgendwie prägt dieser Grundsatz auch heute noch das Management der meisten Bundesligavereine. Das Aufgabengebiet für die Macher hat sich gegenüber Hoeneß' Anfängen gewaltig verändert und erweitert. Doch die Frage, was ein Sportdirektor können oder lassen sollte, bleibt unbeantwortet, weil es für diesen Beruf keinen klassischen Ausbildungsweg gibt. Manager lernt man nicht, Manager ist man.

Eine Reißbrettkarriere wird es nicht geben.Christian Seifert, DFL

So entscheiden gelernte Kfz-Mechaniker wie Horst Heldt und Lehrer wie Ernst Tanner oder Volker Finke in den Führungsetagen der Vereine mit über millionenschwere Transfers oder die Entlassung des aktuell erfolglosen Trainers. Die meisten sind über ihre aktive Profilaufbahn in die Position des Verantwortungsträgers gespült worden. "Learning by Doing" war und ist auch hier ein geflügeltes Wort. Viele beweisen dabei beachtliches Geschick - doch längst nicht jeder ist mit dem Talent eines Uli Hoeneß gesegnet.

"Bedarf für professionelle Qualifikationen"

Oliver Bierhoff hat deshalb am vergangenen Donnerstag im kicker-Interview eine bessere Ausbildung angemahnt und analog zum Trainerwesen ein "Manager-Zertifikat" als Grundvoraussetzung für ein Engagement in einem Profiklub gefordert: "Da besteht Bedarf für eine professionelle Qualifikation." Worte, die am Rande des außerordentlichen DFB-Bundestages in Frankfurt für kontroverse Diskussionen sorgten. "Das ist Sache der DFL", stellt Ligavorstandsmitglied Heribert Bruchhagen klar und erwidert auf Bierhoffs Idee: "Da kann der Oliver gleich den ersten Lehrgang belegen, um gegebenenfalls vorhandene Defizite auszugleichen." Auch DFL-Chef Christian Seifert moniert eine Kompetenz-Überschreitung des Nationalmannschaftsmanagers. "Dass sich der DFB anmaßt, Bundesliga-Manager ausbilden zu wollen, ist schon überraschend", so Seifert, der Bierhoffs Plan schon deshalb ablehnt, weil die Anforderungen der Vereine an ihre Sportdirektoren von höchst unterschiedlicher Natur seien. "Eine Reißbrettkarriere des Managers wird es nie geben", hatte Seifert jüngst in einem Beitrag für das Bundesliga-Magazin geurteilt: "Man muss also vorsichtig sein mit starren Festlegungen. Es gibt immer viele Wege zum Ziel." Auch Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs kommt aus diesem Grund zu dem Schluss: "Eine obligatorische Ausbildung ist nicht opportun."

"Guter Ansatz"

Andere sehen in Bierhoffs Vorstoß einen "interessanten Denkansatz", wie es Jörg Schmadtke formuliert. "Das ist ein guter Ansatz", meint auch Gladbachs Sportdirektor Max Eberl: "Es ist gut, wenn auf diese Weise Grundlagen für den Beruf vermittelt werden." Dass Eberl so denkt, verwundert nicht. Auch wegen fehlender Angebote vonseiten des DFB und der DFL hat er über das Düsseldorfer IST-Studieninstitut eine Ausbildung zum Sportfachwirt abgeschlossen. Diesen Weg gingen auch Stefan Kuntz und Fredi Bobic, der sagt: "Das war okay. Aber du kannst vieles auf dem Papier lernen - entscheidend ist die Praxis."

Vielerorts gibt es ähnliche Angebote. Martin Bader zum Beispiel meint, ihm habe sein Sportökonomiestudium an der Uni Bayreuth geholfen, um betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen. Die Fachhochschule für angewandtes Management in Erding bietet seit acht Jahren Studienprogramme im Bereich Sportmanagement (Bachelor und Master) an, darunter auch ein Soccer-Manager-Programm. Und der langjährige Bundesliga-Manager Michael Meier erarbeitet derzeit als Kuratoriumsmitglied der International School of Management (ISM) ein Konzept mit dem Ziel, in einer einjährigen Ausbildung ein zertifiziertes Grundgerüst für den Manager-Job anzubieten.

Lehrzeit in der Geschäftsführung

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Weltmeister, später DFB-Teamchef, jetzt Sportchef: Rudi Völler.
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Etliche der heutigen Bundesliga-Manager haben von einer jahrelangen Lehrzeit als Assistenten der Geschäftsführung profitiert. Martin Bader zum Beispiel lernte nach dem Ausstieg bei Sportfive bei Dieter Hoeneß, "wie das Geschäft läuft", ehe er mit 35 die Verantwortung beim 1. FC Nürnberg übernahm. Michael Preetz hatte denselben Lehrmeister. Andreas Rettig, der scheidende Geschäftsführer des FC Augsburg, agierte lange Zeit als rechte Hand von Reiner Calmund in Leverkusen - wie auch Rudi Völler, der sagt: "Ich habe Calli über die Schulter geschaut, da brauchte ich kein Studium." Auch er gehört zu den Befürwortern von Bierhoffs Initiative. "Generell ist das eine gute Sache, da gibt es nichts einzuwenden", so Völler, der zudem darauf hinweist: "In Italien müssen die Sportdirektoren eine Prüfung absolvieren." Auch der spanische Verband plant die Einführung einer verpflichtenden Ausbildung. Derzeit gibt es nur einen zertifizierten Schnellkurs. Keine Vorschriften gibt es in England und Frankreich, wo Zinedine Zidane derzeit an der Uni in Limoges einen Studiengang zum Fußballmanager besucht.

Trainerschein als Bedingung?

Auch DFB-Sportdirektor Matthias Sammer ist für eine bessere Ausbildung seiner Kollegen in der Liga. Er fordert gar als Bedingung einen Trainerschein, über den immerhin 9 der 18 derzeitigen Manager verfügen. Doch es gibt auch großen Widerstand. "Wenn ich Vorstand der Deutschen Bahn bin", so Bader, "muss ich vorher auch nicht Schaffner oder Lokomotivführer gewesen sein."

Oliver Hartmann

 
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