Gladbach: Wiedersehen mit Hertha
Lucien Favre - die Rückkehr
Lucien Favre (54) in Berlin - da werden Erinnerungen wach. Wenn Borussia Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker online) bei Hertha antritt, ist es kein normales Spiel für den "Fohlen"-Trainer, es ist seine erste Rückkehr in die Hauptstadt seit seinem Abgang 2009. Und der verlief trotz Fast-Meisterschaft krachend. Nun blickt er zurück - und freut sich auf ein "besonderes Spiel".
Reise in die Vergangenheit: Lucien Favre gastiert mit Gladbach am Samstag in Berlin.
© imago
Die Ehefrau hatte Pasta zubereitet, ein Fläschchen Rotwein wurde entkorkt. Lucien Favre hatte den Gesprächstermin mit den drei Berliner Reportern kurzerhand zu sich nach Hause verlegt - und zeigte sich am Dienstagmittag als charmanter Gastgeber.
Das Gespräch kreiste - natürlich - auch um Hertha BSC, aber viel lieber spricht der Schweizer über sein aktuelles Team. Er weiß, dass ihn am Samstag bei der erstmaligen Rückkehr nach Berlin "ein besonderes Spiel" erwartet, aber er hat abgeschlossen mit den 27 Monaten bei Hertha ("Für Deutschland ist das eine lange Zeit, der Durchschnitt liegt bei 10 bis 14 Monaten") - und seinen Frieden gemacht mit jenem Klub, der ihm 2007 die Tür zur Bundesliga öffnete - und ihn 2009 nach einem gründlich missratenen Saisonstart verblüffend hastig fallen ließ.
Nach der Trennung holte Favre auf einer Pressekonferenz im Hotel Adlon zu einem Rundumschlag aus ("Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich gegen eine Mauer fahre"). Rückblickend räumt er ein, dieser Auftritt sei "unglücklich" und "ein Fehler" gewesen. Wie ferngesteuert mutete der Schweizer seinerzeit an, innerlich aufgewühlt und von seinen Beratern denkbar schlecht instruiert.
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Zu den Leuten bei Hertha habe ich ein gutes Verhältnis, zu allen.
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Lucien Favre
Zu Hertha hat er keinen Kontakt mehr und in seiner Erinnerung "eine fantastische Zeit" abgespeichert. Er rieb sich an Umständen und Personen, er war für Mannschaft und Entscheider stets unbequem. Mit Dieter Hoeneß, an dessen Entmachtung im Juni 2009 Favre nicht unschuldig war, hat er sich längst ausgesprochen, zu Hoeneß' Zeit in Wolfsburg verhandelten beide gar über ein Engagement.
Bei allen Defiziten in Menschenführung und -kenntnis hat Favre mit Akribie und Besessenheit auf sämtlichen Stationen (Genf, Zürich, Berlin, Gladbach) Nachhaltiges geleistet und ist bis heute doch nie dem Versuch erlegen, sich der branchenüblichen Eitelkeit hinzugeben.
Die sportliche Renaissance Gladbachs, Herthas Fast-Meisterschaft 2009 ("Das war eine große Überraschung, denn wir hatten einen viel geringeren Etat als alle Mannschaften in der oberen Hälfte der Tabelle"), die beiden Meistertitel mit dem FC Zürich gegen den übermächtigen FC Basel - Favre versteht es, seine Mannschaften stärker zu machen als die Summe ihrer Teile. Zufrieden ist er gleichwohl nie. Eher auf der Suche: nach dem perfekten Spiel. Zu sich selbst hat er in Gladbach gefunden.
Ein Vergleich zwischen Hertha damals und Gladbach heute? "Passt überhaupt nicht", sagt Lucien Favre. Und doch gibt es etliche Parallelen: Der kicker zeigt sie in der aktuellen Ausgabe auf.