
Was macht das Mainzer Spiel, das die Nullfünfer in die Europa League führte, aus? Eindeutig Aggressivität, auf jeden Fall Laufbereitschaft, mit Sicherheit ein konsequentes Umschaltverhalten nach Ballgewinn und Ballverlust. Zusätzlich eine taktische Kompaktheit und eine mittlerweile hinzugewonnene Sicherheit im Passspiel. Von all dem war am Dienstagabend in der neuen Mainzer Arena wenig bis null-komma-nichts zu sehen. Coach Thomas Tuchel packte es in einen Satz: "Das war von A bis Z keine gute Leistung."
Tags darauf im kleinen Finale gegen den Rekordmeister aus München waren dann laut Tuchel "viele Dinge besser als gestern", doch weiß der Coach, dass "wir noch einen weiten Weg vor uns haben". Schließlich ging es am Mittwoch gegen ein Team, das "nicht die erste Bayern-Mannschaft war". Also heißt es weiter arbeiten, das Spiel vom Vortag lag dem Mainzer Coach wohl doch noch im Magen.
Denn die Partie gegen Dortmund war ein Auftritt, der vor allem so nicht erwartet wurde, hatten die Mainzer doch im Testspiel gegen den polnischen Erstligisten Legia Warschau (3:0) mehr als nur gute Ansätze gezeigt. "Wir haben alle gedacht, dass wir schon weiter sind", sagte der Dienstags-Kapitän Nico Bungert.
Weiter vor allem in dem Streben, den personellen Umbruch zu meistern. Zur Erinnerung: Von der letztjährigen Erfolgsmannschaft verließen die wesentlichen Leistungsträger Schürrle, Fuchs und Holtby den Verein, hinzu kamen neun Neue, von denen sechs offensiv ausgerichtet sind. Trotz dieser Umbaumaßnahmen im Team sagt Tuchel über das BVB-Spiel und die jetztige Saisonphase, dass "dies nicht der Anspruch ist, den wir an uns haben".
Caligiuri wurde von Tuchel auf der linken Abwehrseite getestet und hatte gegen Mario Götze einen ganz schweren Stand. Dass er vom Ausnahmekönner des Meisters öfters nur die Hacken sah, erklärte der gelernte Mittelfeldspieler damit, dass "wir als Kollektiv versagt haben".
Auf eine lange Verletztenliste kann Tuchel derzeit nicht als Grund verweisen, denn zum Glück für die Mainzer steht aktuell nur Florian Heller (Oberschenkelverletzung) nicht zur Verfügung. Der gerade erst verpflichtete Malik Fathi hat noch Trainingsrückstand - und wäre dann wieder einer für links hinten. Zumindest das wird Caligiuri, der gegen die Bayern mit einer Adduktorenverhärtung ausschied, gerne hören.

Zu hören war am Mittwochabend auch eine ganze Menge von Keeper Christian Wetklo. Der Torwart der Rheinhessen befindet sich auch in dieser Spielzeit in einem engen Zweikampf mit Heinz Müller um die Nummer 1 im Mainzer Kasten. Gefühlt ist Müller die Nummer 1, doch hat sich Tuchel noch nicht entschieden, wer mit Beginn der Pflichtspiele - am Donnerstag in der Qualifikation der Europa League und am kommenden Sonntag im DFB-Pokal in Zweibrücken - das Mainzer Tor hüten wird. Zuletzt bescheinigte der Coach Wetklo, "auf Augenhöhe" mit Müller zu sein.
"Warum soll ich mich hinten anstellen", sagt Wetklo, "ich habe in der Vergangenheit Mainz viele Punkte geholt, nur fällt das nicht auf, weil ich kein 'Flieger' bin", so der 31-jährige Schlussmann.
In der vergangenen Spielzeit stand Wetklo in 23 Ligaspielen in der Startelf, Müller verletzungsbedingt nur in zehn Partien. Als sich Tuchel in der vergangenen Winterpause zwischen zwei fitten Keepern entscheiden musste, wählte er Müller. "Es ist mein Anspruch zu spielen. Ich bin selbstbewusst genug, mich nicht kampflos geschlagen zu geben", sagt Wetklo trocken. Auf Tuchels Entscheidung muss er trotzdem noch ein wenig warten.
Aus Mainz berichtet Uwe Röser
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