Ist das Team stark genug für internationale Aufgaben?
96 - die Bayern vor der Brust, Europa im Sinn
Hannover 96 steht auf Platz drei und vor dem Heimspiel gegen den kriselnden FC Bayern. Im Zahlenvergleich beider Klubs liegt der Rekordmeister von der Isar deutlich vorn, doch am Samstag begegnen sich die Kontrahenten auf Augenhöhe. "Unsere Chancen sind groß", sagt 96-Sportkoordinator Valerien Ismael, der auch schon für Bayern spielte. Ist Hannover reif für Bayern, reif für Europa? Der kicker liefert die Antworten.

Auf dem Vormarsch! Wohin führt die Reise der 96er? Christian Schulz.
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Ismael weiß, dass die Bayern nach ihren Niederlagen gegen Dortmund (1:3) und Schalke (0:1 im Pokal-Halbfinale) unbedingt gewinnen müssen, um die Chance auf Platz zwei zu bewahren. In solchen Situationen, das sei schließlich bekannt, sind die Münchner immer "extrem gefährlich", so der Franzose, der von 2005 bis Dezember 2007 für Bayern und ab der Rückrunde 2007/08 bis zu seinem verletzungsbedingten Karriereende für 96 spielte.
Doch Saisonverlauf und Ausgangslage sprechen für die Niedersachsen: "Der Vorsprung auf Platz sechs beträgt sieben Punkte, wir spielen zu Hause, in einem vollen Stadion, ohne Druck", sagt Ismael. Also ist ein Sieg drin für die Niedersachsen, oder? Manager Jörg Schmadtke im kicker-Interview der Woche: "Einmal geht das immer, einmal kann man die Bayern erwischen." Den Ligakrösus in dieser Saison generell in der Tabelle auf Distanz zu halten, stuft der 46-Jährige indes als "nicht realistisch" ein.
Und über kurz oder lang wird Bayern wieder vor Hannover stehen. "Die Tabelle entspricht auf Sicht meist der Geldrangliste", so Schmadtke. Und da gibt es eben Vereine mit Umsätzen von über 100 Millionen Euro, 96 dagegen muss mit weniger als der Hälfte auskommen und spürt zudem den Druck durch Altlasten.

Gomez (Nr. 33) überwindet Fromlowitz, die Bayern gewannen im Hinspiel 3:0.
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Und so ist die satte Punktausbeute (bislang 44) durchaus ein Problem, sollte der Klub den internationalen Wettbewerb noch verpassen. Denn dann wären die Prämienzahlungen weit höher als eingeplant (Ziel vor der Saison: 40 Punkte). "Wenn wir nun Sechster oder Siebter werden, wird es wirtschaftlich bitter", zeigt sich Schmadtke, der kurz vor dem Aufstieg zum "Geschäftsführer Sport" und vor der Unterschrift eines langfristigen Vertrages steht, vorsichtig.
Doch was, wenn 96 tatsächlich die europäische Bühne erreicht? Ist das Team stark genug für die Mehrbelastung, für namhafte und finanzstarke internationale Gegner?
Die Klubs im Zahlen-Duell
| Rubrik | Hannover 96 | Bayern München |
|---|
| Lizenzspieleretat | 23,0 Mio. Euro | 100 Mio. Euro |
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| Kader-Investitionen seit 2005 | 22,3 Mio. Euro | 204,7 Mio. Euro |
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| Länderspiele (akt. Kader) | 462 | 782 |
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| Europapokal-Spiele | 201 | 813 |
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| BL-Spiele | 131 | 440 |
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| WM-Teilnahmen | 8 | 21 |
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| Bilanz der letzten neun Duelle | 3 Punkte, 3 Tore | 24 Punkte, 27 Tore |
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| Titel (Meister, Pokal) | 3 (2+1) | 37 (22+15) |
Dem Kader fehlen Alternativen
Im Tor verfügt 96 über einen talentierten Schlussmann. Ron-Robert Zieler (22) hat großes Potenzial, ist ambitioniert, muss freilich noch Erfahrung sammeln. "Er macht bisher einen stabilen Eindruck, das ist erfreulich", sagt Schmadtke, der für die Zukunft offenbar eher auf den routinierten Markus Miller als auf den zur Nummer zwei degradierten Florian Fromlowitz setzt: "Ein Routinier neben Zieler ist kein schlechter Gedanke."
Die Abwehr ist binnen weniger Monate zum Bollwerk geworden. Pogatetz (27, Österreich), Haggui (27, Tunesien) und Stellvertreter Eggimann (30, Schweiz) haben internationale Erfahrung. Auf den Außenbahnen gilt dies auch für Cherundolo (32, USA) und Nationalspieler Schulz (27), der mit Werder schon in der Champions League dabei war.
Auch das Mittelfeld brachte Hannover auf die Erfolgsspur zurück. Die fleißigen Teamplayer Stindl (22), Stoppelkamp (24), Schmiedebach (22) und Rausch (20) haben Talent und können sich noch weiterentwickeln. Gemeinsam mit "Anführer" Pinto (30) sorgen sie für schnelles Spiel, haben spielerisch aber noch Luft nach oben. Vor allem im Hinblick auf Europapokal-Einsätze.
Der Angriff um die Goalgetter Ya Konan (26) und Abdellaoue (25) sowie den schnellen Schlaudraff (27) ist torgefährlich (11+6+3 = 20 der 34 Saisontore) und arbeitet auch eifrig nach hinten. Das laufintensive Spiel könnte bei Doppelbelastung aber auch zum Problem werden.
Fazit: Bis zu einem gewissen Grad würde Hannover in Europa bestehen können. Körperlich wie mental wären die Anforderungen in diesem Fall jedoch auch ungleich größer. Wenn dann noch die Euphorie dieser Tage abebbt, kann der Schuss nach hinten losgehen. Trainer Mirko Slomka plädiert auch im Falle der Europapokal-Teilnahme für einen kompakten Kader. Ein paar Alternativen mehr würden jedoch sicher nicht schaden. Aufgrund der Finanzlage ist Hannover 96 jedoch weiterhin auf Schnäppchen angewiesen. "Wirtschaftlich bleiben, Altlasten abbauen", so die Devise von Jörg Schmadtke.