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06.10.2010, 21:41

Nürnberg: 10,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten

Club: Neue Struktur, sattes Minus

Der Schuldenberg des 1. FC Nürnberg ist ein weiteres Mal angewachsen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr wies der Club bei der Mitgliederversammlung am Mittwochabend einen Fehlbetrag von 5,3 Millionen Euro aus. Im Mittelpunkt stand aber der Beginn einer neuen Ära, mit Franz Schäfer legte der letzte ehrenamtliche Präsident sein Amt nieder.

Der letzte FCN-Präsident Franz Schäfer und der künftige Vorstand Ralf Woy und Martin Bader.
Der letzte FCN-Präsident Franz Schäfer und der künftige Vorstand Ralf Woy und Martin Bader.
© picture alliance

Der Traditionsverein schafft moderne Strukturen und wird erstmals in seiner 110-jährigen Geschichte von einem hauptamtlichen Vorstand mit Sportdirektor Martin Bader und Geschäftsführer Ralf Woy geführt. Als Kontrollgremium fungiert ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat, der von sechs auf neun Mitglieder aufgestockt wurde. Das bislang sechsköpfige Gremium mit Klaus Schramm, Ulrich Maly, Marc Oechler, Peter Schmitt, Markus Söder, Klaus W. Wübbenhorst, das noch bis 2011 im Amt sein wird, wurde um drei Positionen erweitert.

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Schneider, Müller und Leupold scheitern

Elf Kandidaten bewarben sich um die drei Plätze. Der scheidende Vereinschef Schäfer unterbreitete der Versammlung mit dem bisherigen Vizepräsidenten Siegfried Schneider, Ex-Profi Manfred Müller und Harald Leupold aus dem Vereinsrat drei Vorschläge.

Allerdings fanden just diese drei Kandidaten keinen Eingang in den Aufsichtsrat. Vielmehr entschieden sich die Mitglieder des FCN für den 34-jährigen Rechtsanwalt Ralf Peisl, den 56-jährigen Unternehmer Hans-Thomas Schamel und den 47-jährigen Großgastronom Fritz Stahlmann. Peisl konnte mit 606 Stimmen die meisten Stimmen auf sich vereinigen. Ex-Club-Torwart Müller verpasste um 27 Stimmen einen Platz im Gremium, Schneider reichten 211 Stimmen nicht für den verantwortlichen Posten.

Fehlbetrag von 5,3 Millionen Euro

Beschäftigen müssen sich die Verantwortlichen der Nürnberger auch damit, dass der Bundesligist nach einem Fehlbetrag von 5,3 Millionen Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr nun mit 10,6 Millionen Euro in der Kreide steht - nahezu doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Vor zwei Jahren war der Verein praktisch schuldenfrei. "Die 10,6 Millionen sind nicht beängstigend, es gilt aber, die Situation zu verbessern", betonte Geschäftsführer Ralf Woy am Mittwoch.

Die 10,6 Millionen sind nicht beängstigend, es gilt aber, die Situation zu verbessern.Geschäftsführer Ralf Woy

Brenzlig wäre es womöglich geworden, hätte sich sich das finanzielle Risiko nicht sportlich gerechnet. Nach seinem siebten Abstieg aus der Bundesliga hatte der Club zunächst in der Saison 2008/2009 versucht, mit einer sehr teuren Mannschaft den Wiederaufstieg zu schaffen - was in der Relegation auch gelang. In der vergangenen Spielzeit 2009/2010 investierten die Verantwortlichen dann in der Winterpause ein weiteres Mal, um einen erneuten Abstieg zu verhindern - was erneut in der Relegation gelang.

"Es war uns bewusst, dass mit dem Ziel Klassenerhalt am Ende ein Fehlbetrag in dieser Größenordnung steht", sagte Woy zum Geschäftsergebnis mit Stichtag 30. Juni 2010. Das hauptamtliche Vorstandsmitglied räumte ein: "Es ist eine nicht einfache Situation, wir sind gezwungen, in den nächsten Jahren Gewinne auszuweisen." Zum Abschluss des laufenden Geschäftsjahres erhofft sich Woy einen Überschuss von 2,5 bis 3 Millionen Euro. Aktuell belegt der Club mit neun Punkten aus sieben Spielen Rang elf.

FCN-Geschäftsführer Ralf Woy
FCN-Geschäftsführer Ralf Woy musste auf der Bilanz-Pressekonferenz schlechte Nachrichten überbringen.
© imagoZoomansicht

In die Bilanz nicht eingerechnet ist die Ablösesumme für Dennis Diekmeier, der vor der Saison für 2,7 Millionen Euro zum Hamburger SV wechselte. Die Schulden wären weniger, hätte der 1. FC Nürnberg im Sommer den umworbenen Ilkay Gündogan verkauft. "Deutlich postiv" wäre dann das Ergebnis gewesen, sagte Woy, was darauf schließen lässt, dass das Angebot von 1899 Hoffenheim in der Tat bei etwa sieben Millionen Euro lag. Den Verkauf des U21-Nationalspielers lehnte das Präsidium aber aus sportlichen Überlegungen heraus ab.

Woy wies darauf hin, dass der 1. FC Nürnberg derzeit keine Steuerschulden habe und liquide sei. Der Fehlbetrag von 10,6 Millionen Euro sei darüber hinaus durch "stille Reserven" ausreichend gedeckt. Den Marktwert seiner Mannschaft hat der Club mit 23 Millionen Euro veranschlagt. In der vergangenen Saison verbuchte der Verein 47,7 Millionen Euro Einnahmen. Die Aufwendungen des 1. FCN lagen bei 53 Millionen Euro, dabei lag der Etat für den Profibereich bei 17,8 Millionen Euro.

06.10.10
 
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