Die Euphorie hat er mit nach Hamburg gebracht. Am Mittwoch kehrte Ruud van Nistelrooy, spürbar bewegt, von seinem Nationalmannschafts-Comeback zurück. "Meine Gefühle waren so intensiv wie bei meinem Debüt für Holland. Es war ein wahnsinniges Gefühl, die Hymne zu hören. Mir sind die Momente der letzten beiden Jahre durch den Kopf gegangen." Der HSV, betont er, habe ihm die Chance zum Comeback gegeben. Die Revanche könnte in Form einer Vertragsverlängerung erfolgen.
2011 sollte ursprünglich mal Schluss sein. Jetzt, da die EURO 2012 winkt, revidiert van Nistelrooy seine Aussage. "Ruud kann auch mit 36 Jahren noch auf dem aktuellen Niveau spielen", sagt Trainer Armin Veh. Der Torjäger glaubt daran auch wieder. "Ja, das denke ich auch." Die dunklen Momente aber blendet er nicht aus. "Jetzt ist alles positiv, da sagt sich so etwas leicht. Aber ich weiß auch, wo ich hergekommen bin. Ich war eineinhalb Jahre verletzt, ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich noch mal für mein Land spielen kann."
„Der HSV war meine beste Entscheidung, das Beste, was ich machen konnte.“Ruud van Nistelrooy
Nach seinem Comeback in der Elftal redet van Nistelrooy offen über seine einstigen Gedanken ans Ende. "Nach meiner zweiten Knie-Operation hatte ich ständig Muskelverletzungen, die ich vorher nie hatte. Natürlich kamen da Zweifel. Ich war weit weg! Noch eine Verletzung, und es wäre vielleicht Schluss gewesen." Der HSV wollte ihn im Januar dennoch. "Dafür bin ich dem Klub dankbar, denn es gab damals nicht viele Vereine, die mir nach 18 Monaten Pause vertraut haben." Nach einem ordentlichen Premieren-Halbjahr und dem Traumstart in die neue Spielzeit mit sechs Pflichtspieltreffern in drei Partien und dem Nationalelf-Comeback sagt der Ex-Madrilene: "Der HSV war meine beste Entscheidung, das Beste, was ich machen konnte."
Hamburg und van Nistelrooy - eine funktionierende Beziehung, die über 2011 hinaus Zukunft hat? Sportchef Bastian Reinhardt hat angekündigt, bei der Zukunftsplanung vor allem auf die Leistung und nicht in erster Linie aufs Alter zu achten. Ein klares Signal an van Nistelrooy, das dieser empfangen hat: "Noch ist es zu früh, darüber zu reden. Aber wenn die Zeit gekommen ist, ist der HSV der erste Verein, mit dem ich spreche. Ich werde nicht vergessen, dass man hier an mich geglaubt hat. Ich wurde empfangen wie ein Weltstar, dabei war ich zu dem Zeitpunkt in einer schwierigen Phase. Ich hatte immer die Hoffnung, dass ich etwas zurückgeben kann."
Jetzt hat er die Hoffnung auf die Europameisterschaft. "Ich habe mit Bert van Marwijk besprochen, dass wir einfach sehen, wie es weiter läuft. Die Erfahrungen der langen Pause helfen mir, realistisch mit den Dingen umzugehen. Doch klar ist: Wer eine Qualifikation spielt, möchte auch zum Turnier." Ein Ziel, das Hamburgs Chancen auf ein weiteres Jahr van Nistelrooy erhöht.
Sebastian Wolff
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