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26.08.2010, 12:12

HSV: Gelassenheit des Trainers hilft dem ganzen Verein

Armin Veh - Hamburgs Ruhepol

Ein Sieg hat nicht die Welt verändert. Aber zumindest sportlich etwas Ruhe beschert. Das passt nicht nur zu Armin Veh, sondern hat auch ursächlich mit ihm zu tun. Der Neu-Hamburger betont gern, dass Trainer keine Dauerlösungen in Klubs seien. Zumindest im unruhigen Umfeld an der Elbe aber ist er derzeit der Richtige.

Die Ruhe in Person: Armin Veh führt die Mannschaft des HSV gelassen - und erfolgreich.
Die Ruhe in Person: Armin Veh führt die Mannschaft des HSV gelassen - und erfolgreich.
© imagoZoomansicht

"Jeder Spieler spürt, dass er Erfahrung hat", sagt Zé Roberto (36). "Er strahlt Ruhe aus", findet Ruud van Nistelrooy (34). Zwei Routiniers, die es wissen müssen. Veh regis- triert das wachsende Zutrauen in seine Arbeit. Und nimmt es ebenso unaufgeregt zur Kenntnis wie die Skepsis nach der Verpflichtung. In Hamburg, wo die Ausschläge extremer sind, ist das hilfreich. Für ihn. Und für den Klub.

Seine ersten Baustellen hat er auf diese Weise pragmatisch bearbeitet. Und geschlossen. Wer steht im Tor? Wie löst sich die Positionsfrage um Mladen Petric (29)? Wohin mit David Jarolim (31)? Inwieweit beeinflusst die Unruhe um Investor Klaus-Michael Kühne (73)? Veh löste bislang jede Aufgabe ohne Hektik. Seine großen Pluspunkte:

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Veh ist lernwillig: Ex-Kapitän Jarolim hatte er vor seinem Amtsantritt äußerst kritisch gesehen, auch deshalb auf die Verpflichtung von Gojko Kacar (23) gedrängt. Nach der Vorbereitung ließ er sich eines besseren belehren, revidierte öffentlich seine Meinung: "Als gegnerischer Trainer mochte ich ihn nicht. Jetzt muss ich sagen: Ich bin froh, dass ich David in meiner Mannschaft habe. Er ist ein Top-Profi." Jarolim ist wieder gesetzt, Veh-Einkauf Kacar muss sich gedulden.

Veh ist ehrlich: Als Jaroslav Drobny (31) kam, schien die Zeit von Frank Rost (37) abgelaufen, der Trainer aber versprach einen ehrlichen Zweikampf, hielt Wort - und ging mit der Nominierung von Rost nicht den bequemeren Weg. In der Klubführung war der langjährige Keeper höchst umstritten, Drobnys Installierung wäre einfach zu vermitteln gewesen. Veh aber entschied nach rein sportlichen Kriterien und setzte damit auch ein Zeichen an die Mannschaft. Sein Wort gilt: "Ich stelle nur nach Leistung auf."

Veh ist nicht stur: Petric testete er die gesamte Vorbereitung über auf der rechten Seite. Die Abneigung des Kroaten gegen diese Rolle nahm er zur Kenntnis, zog seinen Plan jedoch lange durch. Denn: "Ich stelle auf!" Weil er den Erfolg in dieser Konstellation in Gefahr sah, war er jedoch wenige Tage vorm Start zum Umdenken bereit. Reichlich spät zwar, aber gerade noch rechtzeitig. Gegen Schalke spielte der Ex-Dortmunder zentral anstelle von Paolo Guerrero (26).

Veh ist ein Ruhepol: Am gestrigen Mittwoch war Investor Kühne zu Gesprächen mit der Klubführung und Aufsichtsratsboss Horst Becker in der Stadt, Veh sollte sich zum Wochenanfang auf Nachfrage zum Milliardär und dessen Kritik an der Transferpolitik äußern, wehrte aber sachlich ab: "Das ist doch gar nicht mein Thema. Ich konzentriere mich nur auf meine Themen, auf meine Mannschaft." Das Ergebnis des Gipfels mit Kühne gab am Donnerstag HSV-Aufsichtsratschef Horst Becker bekannt. Demnach gilt für den HSV der Vertrag mit Kühne Vertrag als "erfüllt und damit abgeschlossen". Kühne gibt somit statt der ursprünglich vorgesehenen 15 Millionen nur 12,5 Millionen Euro. Becker sagte gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Da das Transferfenster am Ende des Monats schließt, stehen momentan keine weiteren Investitionen an. Daher suchen wir auch keinen neuen Geldgeber." Zur Äußerungen Kühnes über die Transferpolitik sagte Becker: "Wir haben die Situation freundschaftlich besprochen und sind übereingekommen, nur noch Äußerungen zu treffen, die dem HSV helfen."

Veh wird auch dies gelassen zur Kenntnis nehmen. "Meine Ruhe hat auch mit dem Alter zu tun", sagt Veh. "Früher war ich jähzornig. Aber ich habe das abgestellt. Denn man ist dann ungerecht im Umgang mit einigen Leuten. Man wird im Alter erfahrener. Den Vorteil versuche ich zu nutzen." Ein Segen in hektischen Zeiten.

Sebastian Wolff

26.08.10
 
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