"Wir haben ein Heimspiel und das findet natürlich am Millerntor statt", sagte Klubsprecher Christian Bönig. Stattdessen werde man "alles Menschenmögliche tun, damit wir ein friedliches Derby erleben." Die bisherigen sieben Bundesliga-Heimspiele der Kiezkicker gegen den Lokalrivalen hatten aus Kapazitäts- und Sicherheitsgründen stets im weitläufigen Volkspark stattgefunden.
„ Wir werden das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bestrafen. Für solche Leute haben wir keinen Platz in der HSV-Familie. “ Bernd Hoffmann, HSV-Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann
Bestürzt zeigte sich der Hamburger SV über die Vorfälle. "Ich entschuldige mich im Namen des Hamburger Sport-Vereins für diesen Vorfall, insbesondere bei den Betroffenen. Dieses Verhalten der vermeintlichen HSV-Anhänger ist absolut beschämend und trübt die Freude über den tollen ersten Spieltag für beide Vereine", sagte Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann. Gleichzeitig kündigte der Hamburger SV eine Bestrafung der Täter an.
Die Attacke einer Gruppe von Hooligans aus dem HSV-Umfeld auf eine kleine Gruppe friedlicher St. Pauli-Fans in der Nacht zum Sonntag am Altonaer Bahnhof wird in jedem Fall Konsequenzen für das Lokalderby Mitte September nach sich ziehen. Das bislang geplante Deeskalations-Konzept ist nach Ansicht des HSV-Fanbeauftragten Mike Lorenz über den Haufen geworfen. "Man kann sicher sein, dass die Polizei ihre Einsatzpläne nach diesem Vorfall verschärfen wird", sagte Lorenz.
Die Mannschaft, die im gleichen Zug heimreiste wie die Fans, war bis auf Ersatztorwart Benedikt Pliquett zuvor an drei Hamburger Bahnhöfen ausgestiegen. Pliquett wurde aus einiger Entfernung lediglich Zeuge des Überfalls, aber entgegen erster anderslautender Berichte nach Vereinsangaben nicht angegriffen.
Auch der Deutsche Fußball-Bund reagierte umgehend. "Das ist schon etwas, worüber wir uns Gedanken machen und wo wir auch aktiv werden", sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Sportgerichtlich könne der Verband zwar nicht eingreifen, da die Vorfälle außerhalb der Stadien passiert seien. "Wir werden gerade mit Blick auf das Derby am 4. Spieltag aber Gespräche mit den Verantwortlichen der Klubs führen", kündigte Spahn an. Der Sicherheitsexperte sieht in der Attacke, sollten sich die Sachverhaltschilderungen und Motive bestätigen, eine neue Qualität, "weil es sich nach meinem jetzigen Kenntnisstand um eine gezielte Aktion gehandelt haben könnte" und keinen spontanen Übergriff. Spahn will auf jeden Fall Kontakt mit der Polizei aufnehmen, um an die Daten der verhafteten Randalierer zu kommen. Den Übeltätern droht ein bundesweites Stadionverbot.
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