Eine Woche vor dem Bundesligastart in Freiburg präsentierte sich der Aufsteiger in einem Zustand, der Anlass zur Sorge bereitet. Chemnitz war nicht der erste, sondern innerhalb der Vorbereitung bereits der dritte Ausrutscher dieser Art. Der Trainer wurde am gestrigen Sonntag deshalb deutlich in seiner Ansprache und fordert die Rückkehr zur harten Arbeit: "Es hat bei uns so viele Feiern gegeben: Aufstieg, 100-Jahr-Feier, Tribüneneinweihung - das war auch alles okay. Aber jetzt ist der Moment gekommen, in dem wir einen Schlussstrich ziehen müssen unter die letzten Monate." Stanislawskis Forderung: "Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir uns alles wieder hart erarbeiten müssen." Fabio Morena (30), als Kapitän bestätigt, gibt dem Coach recht. "Wir haben den Anspruch, in der Bundesliga zu bestehen. Dafür ist das, was wir in Chemnitz gezeigt haben, zu wenig."
Vor allem ruhende Bälle bereiten ihm Sorge, Neuling Carlos Zambrano (21) hatte sich beim frühen Gegentor nicht an die Zuteilung gehalten. "Aber gerade bei Standards müssen wir in der Bundesliga voll da sein. Auf dem Niveau entscheiden oft solche Situationen die Spiele. Das kann uns das Genick brechen." Viel Arbeit für Stanislawski. Und offene Baustellen: Die offensive Dreierreihe war ohne Gerald Asamoah (31, fehlt mit Sehnenanriss auch zum Start) und Florian Bruns (30, nach Sprunggelenk-Prellung immerhin wieder im Training) eine herbe Enttäuschung; Matthias Lehmann (27), in der Vorsaison das "Herz von St. Pauli", fehlt sichtbar der Rhythmus, weil er während der Vorbereitung gleich zweimal pausieren musste; die Torwart-Position ist noch nicht endgültig besetzt. In Chemnitz erhielt nach dem Muskelfaserriss von Thomas Kessler (24) überraschend Benedikt Pliquett (25) den Vorzug vor dem letztjährigen Stammkeeper Mathias Hain (37). Stanislawski wollte die starken Trainingsleistungen des Keepers belohnen. "Aber wer in Freiburg im Tor steht, ist noch offen." Zumal Pliquett Licht und Schatten offenbarte.
"Wir müssen wieder Spaß daran haben, auf dem Platz unangenehm zu sein", fordert Stanislawski. Sein Dilemma: Er hat viel mehr zu tun als erwartet, aber bis Freiburg nur wenig Zeit.
Sebastian Wolff
Welches Paar soll bei der EURO die Innenverteidigung bilden?(47692 Teilnehmer)
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