Die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw habe für Zwanziger letztlich den Ausschlag gegeben, nachdem er zuvor laut über ein Ende seiner Amtszeit nachgedacht hatte. "Das Verhalten des Bundestrainers hat mir gezeigt, dass mein Vertrauen in Joachim Löw gerechtfertigt war. Auf dieser Basis können wir weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten", sagte Zwanziger.
Löw begrüßte die Entscheidung des Verbandsoberen: "Ich freue mich auf die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit. Sein gesellschaftspolitisches Engagement kommt auch unserer Nationalmannschaft zugute." Auch Teammanager Oliver Bierhoff sprach von einer "guten Nachricht". Zwanziger habe stets ein offenes Ohr für die Wünsche der Nationalelf gehabt und so zum Aufwärtstrend der Auswahl beigetragen.
Theo Zwanziger will künftig großes Augenmerk auf die gesellschaftliche Entwicklung des Verbandes legen. "Die hohe Identifikation der Menschen mit dem Fußball muss für uns Verpflichtung und Auftrag sein, soziale Verantwortung wahrzunehmen. Integration, Prävention, Gleichberechtigung, Umweltschutz, all diese Themenfelder werden auch für den Verband immer wichtiger", so der 65-Jährige. In Essen soll demnach auch ein erstes Nachhaltigkeitskonzept vorgestellt werden.
Am Rande der Sitzung ging es abermals um die Schiedsrichter-Affäre. Die ursprüngliche Ansetzung Michael Kempters für das Drittliga-Topspiel Sandhausen gegen Offenbach am Wochenende sorgte für Diskussionen. Im Vorfeld hatte sich der ehemalige Schiedsrichter-Beobachter Manfred Amerell deshalb zu Wort gemeldet.
"Man muss fragen, wer mit Kempter unter einer Decke steckt, wenn der mit solcher Gewalt geschützt werden muss. Jetzt zeigt sich, ob die Präsidiumsmitglieder nur Marionetten des Präsidenten und des Herrn Fandel sind", so Amerell, der von Kempter und drei weiteren Referees der sexuellen Nötigung bezichtigt wird.
Amerell fordert von Kempter wegen angeblicher Verleumdungen Schadensersatz in Höhe von 150.000 Euro, der DFB soll die Ansprüche bis spätestens 2. August anerkennen. Allerdings halten die 19 Präsidiumsmitglieder des Verbands die Forderungen nicht für rechtens. Eine Klage Amerells gegen den Verband könnte die Folge sein. Der DFB will den gesamten Sachverhalt nun nochmals intensiv prüfen. Am Ende dieser Bestandsaufnahme sollen die Ergebnisse dem Präsidium vorgelegt werden. Anschließend wird das Gremium entscheiden, "ob oder in welcher Form Michael Kempter als Schiedsrichter in Zukunft eingesetzt werden kann". Dies gab der DFB am Freitagnachmittag in einer Pressemitteilung bekannt. Bis dahin wird Kempter nach Absprache zwischen Herbert Fandel, dem Leiter der Schiedsrichterkommission, und Lutz-Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter des DFB, nicht mehr angesetzt.
Dass Kempter schon am Wochenende wieder eingesetzt werden sollte, hatte zuvor bei DFB-Vizepräsident Rolf Hocke für Kopfschütteln gesorgt. "Ich bin überrascht, dass Kempter schon für diesen Samstag nominiert ist. In Pretoria haben wir die Schiedsrichterlisten für die Erste, Zweite und Dritte Liga abgesegnet - mit ausdrücklicher Ausnahme der Person Kempter. Weil wir gesagt haben, wir wollen uns erst ein umfassendes Bild zur Sache von Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel geben lassen", sagte Hocke der "Süddeutschen Zeitung". Mit der Streichung Kempters aus den Drittliga-Ansetzungen des anstehenden Spieltags hat der DFB vorerst für etwas Entspannung gesorgt. Das Spiel in Sandhausen leitet nun Dr. Jochen Drees.
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01.09.10
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