Den Ausschlag dürften die Bedenken des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen möglicher Interessenkonflikte gegeben haben. Der DFB stellt Siegenthaler zuletzt vor die Wahl, sich für eine der beiden Aufgaben zu entscheiden.
"Aufgrund von mir nicht beeinflussbaren Umständen stand ich vor der Alternative einer Tätigkeit für den HSV oder den DFB. Aufgrund meiner von Anfang an auch gegenüber dem HSV betonten Loyalität zum DFB, zum Bundestrainer Joachim Löw und zum Team der Nationalmannschaft habe ich jetzt diese Entscheidung getroffen. Mein komplettes Ausscheiden aus diesem Team war für mich eine emotional unüberbrückbare Hürde", begründete Siegenthaler seinen Rückzieher.
"Wir nehmen das mit Bedauern, aber mit Respekt zur Kenntnis", kommentierte HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann die Entscheidung des Schweizers. Hoffmann nutzte die Gelegenheit, um Kritik am DFB zu äußern. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass Siegenthaler zu einer Entscheidung gezwungen wurde. Die Absicht, eine Funktion beim HSV zu übernehmen, ist seit Februar bekannt und mit den verantwortlichen Leuten beim DFB abgestimmt. Dass eine Doppelfunktion nun vier Tage vor Arbeitsbeginn ein unlösbares Problem darstellen soll, ist nicht nachvollziehbar. Sowohl bei der Nationalmannschaft als auch bei der DFL gab und gibt es Doppelfunktionen. Mir scheint, hier wird mit zweierlei Maß gemessen", erklärte er.
Siegenthaler und der HSV hatten sich bereits im Februar auf eine Zusammenarbeit ab dem kommenden Montag geeinigt. Dem Eidgenossen blieb es seinerzeit überlassen, ob er nach seinem Amtsantritt beim Ex-Meister in Personalunion auch weiter für die Nationalmannschaft arbeitet. Zuletzt allerdings war innerhalb des Liga-Verbandes und auch bei einzelnen Vereinen Widerstand gegen eine solche Doppel-Tätigkeit aufgekommen. Der DFB hatte eine Doppel-Funktion als "nicht möglich" bezeichnet.
Noch am Vormittag hatte der DFB-Chefscout um Bedenkzeit gebeten. Auf der DFB-Präsidiumssitzung am Freitag sollte die fragwürdige Doppelrolle diskutiert werden. Doch der Druck wurde letztlich zu groß. Für den Schweizer selbst zeigte denn auch Hoffmann Verständnis: "Er bedauert diese Entwicklung genauso wie wir. Allerdings hat er seine uneingeschränkte Loyalität zu Joachim Löw von Beginn an unterstrichen, und es wäre unredlich, ihn jetzt zu einer anderen Entscheidung zu drängen."
Der HSV wird nach der geplatzten Verpflichtung die Suche nach einem neuen Sportlichen Leister zunächst einstellen. Siegenthaler sollte zusammen mit Sportvorstand Bastian Reinhard Konzepte für den Nachwuchsbereich und das Scouting entwickeln.
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