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29.07.2010, 16:39

Hamburg: DFB oder Bundesliga?

Streitfall Siegenthaler

Eigentlich schien alles klar. Doch plötzlich gerät der designierte Sportliche Leiter des Hamburger SV, Urs Siegenthaler (62), zwischen alle Fronten. Ob das geplante Engagement so zustande kommt, ist fraglich.

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Urs Siegenthaler
Soll sich zwischen dem DFB und dem HSV entscheiden: Urs Siegenthaler.
© picture-alliance Zoomansicht

Bernd Hoffmann gibt sich betont gelassen. "Urs Siegenthaler wird am Montag seinen Dienst bei uns antreten." Hamburgs Klubboss erwartet seinen sportlichen Leiter nach dessen WM-Urlaub pünktlich in der Hansestadt. Doch es gibt dicke Fragezeichen hinter dem Engagement des 62-jährigen Schweizers, der neben seiner Tätigkeit beim HSV weiter auch als Chefscout für den DFB tätig sein sollte. Siegenthaler ist in zweierlei Hinsicht zum Streitfall geworden. In der Sport-Bild erteilte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach dem geplanten Modell, gleichzeitig für Hamburg und den DFB zu arbeiten, jetzt eine Absage: "Eine Doppelfunktion wird nicht möglich sein. Es läuft darauf hinaus, dass er sich für den DFB oder den HSV entscheiden muss."

Rolle Rückwärts in der DFB-Zentrale

Eine Aussage, die in Hamburg mit Verwunderung zur Kenntnis genommen wird. Grund: Vor Siegenthalers Unterschrift unter einen Vertrag bis 2013 wurde der DFB im Frühjahr vom HSV offiziell informiert, Vorbehalte gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Weshalb sich in der Zentrale in Frankfurt jetzt eine Rolle Rückwärts anbahnt, will Hoffmann in den kommenden Tagen klären.

Klar scheint: Muss sich Siegenthaler tatsächlich entscheiden, dürfte der Trend nach der Verlängerung von Joachim Löw und dessen Stab in Richtung DFB gehen. Beim Bundestrainer genießt er höchstes Ansehen, wurde während der WM öffentlich wegen seiner Gegnervorbereitung gerühmt. In Hamburg hingegen hat er sich beim Versuch, vieles auf den Kopf zu stellen, nicht nur Freunde gemacht. Zudem sind Siegenthalers Kompetenzen an der Elbe anders umrissen, als es im Februar dieses Jahres ursprünglich geplant war. Bastian Reinhardt (34) wurde mittlerweile als Sport-Vorstand installiert und ist dem Schweizer eindeutig vorgesetzt. "Grundsätzlich ist die Aufgabenverteilung so, dass ich für den sportlichen Bereich verantwortlich bin und Urs Siegenthaler Nachwuchs und Scouting verantwortet", sagt der Ex-Profi. Aber: Selbst dieser Bereich ist Reinhardt unterstellt. Erst kürzlich hatte Investor Klaus-Michael Kühne Siegenthaler als den eigentlichen Sportchef beim HSV ausgemacht, Reinhardt aber stellt unmissverständlich klar: "Wir haben noch nicht miteinander sprechen können. Aber wenn Herr Kühne mich kennenlernt, weiß er danach auch, wer sportlich verantwortlich ist."

Gegenwind aus Ochsenzoll

Tritt Siegenthaler, der für sich beansprucht, ein Höchstmaß an Fußballkompetenz zu besitzen, unter diesen Voraussetzungen tatsächlich in der zweiten Reihe an? Zumal er aus Ochsenzoll, wo das Jugendinternat des HSV beheimatet ist, auch Gegenwind bekommt. Dort hatte er angekündigt, dass fortan alle (!) Jugendtrainer trotz gültiger Verträge ein halbes Jahr auf Bewährung arbeiten, woraufhin einer bereits gekündigt hat. Mit Paul Meyer hat er zudem bereits einen Vertrauten neu eingestellt.

Wie reagiert nun der HSV? Dass Siegenthaler intern polarisiert, wird offiziell nicht überbewertet. Und auch nicht kommentiert. Schließlich hat er ein gültiges Arbeitsverhältnis. Untersagt der DFB nun die vereinbarte Doppelrolle und der Schweizer entscheidet sich gegen Hamburg, ist der HSV wieder auf der Suche. Im Februar noch hatte Hoffmann geschwärmt: "Urs Siegenthaler wird dem Verein seinen sportlichen Stempel aufdrücken. Wir möchten eine HSV-Philosophie, die einzelne Trainer überdauert. Die soll er vorgeben." Jetzt bahnt sich an, dass Siegenthaler Vergangenheit ist, bevor seine Zukunft begonnen hat.

Aus dem Hamburger Trainingslager in Längenfeld berichtet Sebastian Wolff

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29.07.2010, 16:39
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Vereinsdaten

Vereinsname:Hamburger SV
Gründungsdatum:29.09.1887
Mitglieder:68.700 (Stand 30.06.2010)
Vereinsfarben:Blau-Weiß-Schwarz
Anschrift:Sylvesterallee 7
22525 Hamburg
Telefon: 0 18 05 - 47 84 78
Telefax: (0 40) 41 55 12 34
Internet:http://www.hsv.de

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