Die Bayern müssten schon blitzschnell den Hebel herumreißen, um ihre erstaunlichen Defizite in den Griff zu bekommen; Defizite, die sie zuletzt mit viel Routine, viel Willen und einigem Glück hatten kompensieren können. Ich gestehe freimütig, dass ich dem Rekordmeister nach seiner fantastischen Aufholjagd um die Jahreswende herum zugetraut hatte, ohne weitere Niederlage durch die Bundesliga-Saison zu marschieren. Mir scheint nun, dass mancher Spieler diese gute Phase überbewertet und dadurch seine Konzentration verloren hat. Ebenso war es wohl fahrlässig, die Personalpolitik primär auf die Stärkung der Offensive auszurichten, so dass jetzt durch den zeitweiligen Verlust von ein, zwei gestandenen Defensivspielern (wie ihn fast jedes Team im Verlauf einer Saison zu beklagen hat) das große Bangen über mangelnde Abwehrstärke einsetzt. Ein 17-jähriger gelernter Mittelfeldspieler, wie ihn Alaba darstellt, oder der ebenso unerfahrene 19-jährige Contento müssten über sich hinauswachsen, um dem Druck dieser Mammutaufgaben gewachsen zu sein. Jetzt geht es in die "Wochen der Wahrheit", und wenn die Defensive nicht ganz schnell wieder zur Einheit wird, sind alle drei Titelträume bereits im April zerplatzt. Während Lucio bei Inter glänzt . . .
Der FC Bayern wäre allerdings nicht der FC Bayern, wenn nicht über Nacht alte Tugenden aufbrechen könnten. Ein gesunder, spielfreudiger Ribery, ein konzentriertes Bekämpfen der eigenen wie der gegnerischen Schwachstellen, ein wenig Glück im Abschluss, und schon stehen die Münchner mit breiter Brust wieder dort, wo sie sich inmitten der großen Aufholjagd vor kurzer Zeit noch wähnten. Auch ManUnited ist bei allem Respekt verwundbar, und die nationale Konkurrenz bringt an rein fußballerischer Klasse nicht genug Substanz mit, um eine in sich geschlossene Bayern-Elf wirklich zu düpieren.
Verwundern müssen auch die Abwehrschwächen, die der VfB in Barcelona und Hamburg und Bremen in der Europa League zeigten; zusammen kassierten die drei in ihren Achtelfinal-Rückspielen unglaubliche zwölf Tore! Stabilität in der Defensive galt über Jahrzehnte als Markenzeichen deutschen Fußballs. Jetzt scheinen sich viele ausländische Nationen in Sachen körperli-cher, aber auch gedanklicher Schnelligkeit einigen Vorsprung erarbeitet zu haben.
Welches Paar soll bei der EURO die Innenverteidigung bilden?(47692 Teilnehmer)
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