Über diesen Brief staunten sie nicht schlecht beim DFB-Sportgericht. Absender: Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH. Inhalt: Das Bild von einer Rauchbombe, die so klein ist wie eine Kopfschmerztablette. Damit versuchte der Klub zu demonstrieren, wie schwer es für seinen Ordnungsdienst ist, jene Tatwerkzeuge zu entdecken, mit der vor allem Gästefans in der Bundesliga für explosive Stimmung sorgen.
Vor dem Spiel in Bochum entzündeten "Schwachköpfe", wie Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader (42) sagt, im Club-Block Magnesiumpulver, das bis zu 3000 Grad heiß werden kann und nur schwer zu löschen ist. Neun Menschen wurden verletzt, zwei von ihnen erlitten Verbrennungen dritten Grades. Der Vorfall hat eine erneute Debatte über Fans entfacht und dabei den Blick auf einen lange schwelenden Konflikt gelenkt: auf den Brandherd Kurve.
810.300 Euro hat der DFB verschiedenen Stiftungen überwiesen, die Summe aus Ordnungsgeldern und Vertragsstrafen des Jahres 2009. Der überwiegende Teil war dem Konto Fan-Ausschreitungen, Kostenstelle Pyrotechnik zu verdanken. Einnahmen dieser Art sind auch 2010 sicher. Das jüngste Urteil gegen die Gladbacher: 9000 Euro wegen unzureichenden Ordnungsdienstes und unsportlichen Verhaltens in drei Fällen.
Brandherd Kurve: Kein Spieltag ohne Feuer unterm Dach. Was der Ultra-Bewegung ursprünglich als Ausdruck von "Support" nach italienischem Vorbild galt und in Deutschland verboten ist, hat sich zu einem gefährlichen Katz-und-Maus-Spiel ausgebreitet.
Bei der DFL steigt die Zahl von Beschwerden besorgter Stadiongänger, denen die Freizeit-Feuerwerker selbst aus sicherer Distanz Angst machen. Holger Hieronymus (51) nennt "den Trend der vergangenen Monate leider nicht beruhigend". Der DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb: "Es handelt sich um geplante überregionale Aktionen." Dem widerspricht Heino Hassler (54) vom Nürnberger Fanprojekt, eine Art Flächenbrand erkennt jedoch auch er: "Seit Beginn der Rückrunde hat es sich enorm gehäuft, mit großer Sogwirkung auf Nachahmer."
Brandherd Kurve: Die Zahl der mit größtem Eifer für den Lieblingsklub gefertigten und der Marke Bundesliga durchaus zuträglichen Choreografien hat in dieser Saison rapide abgenommen, schlechte Nachrichten über Fußballfans nehmen dagegen zu - nach Zusammenstößen auf Raststätten und bei Zugfahrten, auch nach Krawallen in Stadien. In Bochum eskalierte die Situation, als Hunderte Kölner kurz vor Anpfiff ihren Gästeblock zu stürmen versuchten. Man ist gerne mal spät dran - eine beliebte Methode, um Kontrollen zu entgehen. Eine neue Dimension tat sich in der Nacht zum 28. Februar auf, nur wenige Stunden nach dem fatalen Zündeln der Nürnberger: Frankfurter überfielen das Heim des Fanprojekts Karlsruhe, wo die Rivalen vom KSC Besucher aus Pisa und Graz zu Gast hatten.
Brandherd Kurve: Beunruhigung entfachen zunehmend Splittergruppen in der ohnehin heterogenen Szene, die den Ultras zugerechnet werden, mit denen der ersten Stunde aber nur wenig gemein haben. "Viele, die vor zwei, drei Jahren noch aktiv waren, haben sich abgewandt", berichtet Thomas Schneider (50), der Fan-Experte der DFL. Schneider, ein Frontmann seit den bösen Achtzigern, spricht vom "Hooliganismus 2.0". Dessen oft sehr jungen Vertretern gehe es nicht etwa um Manifeste gegen die Kommerzialisierung, um Traditionen, ihren Lieblingsklub und das Spiel, sondern nur noch um ihren Auftritt. Schneider warnt plakativ: "Pyromanen zerstören die Stehplätze." Soll heißen: Die Freiräume, die Fan-Aktivisten dem "modernen Fußball" mühsam abgerungen haben, sind hochgradig gefährdet.
Auch der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), Michael Gabriel (46), stellt "eine zunehmende Entfremdung vom Sport" in Teilen der Ultra-Szene fest, denen "es weniger ums Spiel geht". So gesehen erwächst den Fans ausgerechnet in den eigenen Reihen ein - sonst von ganzem Herzen verschmähtes - Eventpublikum.
Die Brandstifter sind schwer zu fassen. Das gilt im doppelten Sinne: Für jene, die "immer gefährlichere Mittel" (Hassler) ins Stadion schmuggeln, wie für einzelne Fraktionen im Kurvenmilieu, auf die selbst die "Capos", die Anführer der Ultras, nur begrenzt Einfluss haben. Auch den Gesprächsbereiten, die auf Podiumsdiskussionen in den Dialog mit Managern, Polizisten und Journalisten treten, droht die Ausgrenzung. So humorlos der schwarze Block sich kleidet, so fern liegt ihm Selbstkritik. Statt spontaner Sprechgesänge über Teams und Spieler prägen heute rhetorisch verquaste Rechtfertigungsaufsätze in Internet-Foren den Stil.
Brandherd Kurve: Es brennt. Am vergangenen Montag trafen sich kurzfristig die Fanbeauftragen der Bundesligisten. Rainer Mendel (44) vom 1. FC Köln: "Es ist für uns schwer zu vermitteln, wenn keine Gesprächs- bereitschaft besteht." "Der Druck auf die Ultra-Gruppen, das jetzt zu klären, wird immer stärker", erwartet Volker Goll (48) von der KOS.
Brandherd Kurve: Schon vor dem Urteil des Sportgerichts hat der 1. FC Nürnberg, dessen Anhänger als Wiederholungstäter gelten, Maßnahmen ergriffen, "die zwangsläufig auch Unschuldige treffen", wie Manager Bader einräumt: Für Auswärtsspiele nur noch personalisierte Tickets, beschleunigte Verfahren für Stadionverbote. Und: Auf ihre mit dem Verein ausgehandelten Privilegien müssen die "Ultras Nürnberg 94" vorerst verzichten. Bader: "Es geht nicht um Pauschalurteile. Es geht um den Schutz vor Straftätern. Es soll sich jetzt bloß keiner in die Märtyrerrolle drängen." Der Fall ist exemplarisch. Ähnliche Szenarien haben sich auch schon in Karlsruhe und Frankfurt abgespielt. Nur: Der politische Druck auf die DFL und den DFB hat seitdem zugenommen. Immer wieder flammen die populistischen Forderungen von Polizei-Gewerkschaftern und Politikern nach einer Kostenbeteiligung und "null Toleranz" auf. Drohen "Geisterspiele" oder gar Nacktscanner vorm Block, wie ein Polizeiführer verblüfften Liga-Vertretern in Aussicht stellte? Brandherd Kurve: "Fußballfans sind keine Verbrecher", lautet eine Parole. Doch die, die mit dem Feuer spielen, schüren die Vorurteile. Gerade erst hat sich Amnesty International eingeschaltet und überprüft wie auch das bayerische Innenministerium mutmaßliche Übergriffe des Münchener Unterstützungskommandos (USK) gegen Anhänger von 1860 und Fürth. Das "Empfangskomitee der Allianz-Arena" ist bei Auswärtsfahrern jeder Couleur gefürchet.
Brandherd Kurve: Er wird weiter schwelen. Mitte Februar erst trafen sich Ultra-Gruppierungen verschiedener europäischer Länder zu einem von Europarat und UEFA organisierten Kongress in Wien. Die zentrale Forderung lautete zum Abschluss: Grünes Licht für kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik in den Stadien.
Jörg Jakob
Wer wird Meister?(23349 Teilnehmer)
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08.02.12
Sturm
Freiburg: Nach 15 Ligaspielen wieder zu Niigata |
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31.01.12
Sturm
Stuttgart: Aufregung nach Wechsel zu Fulham |
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31.01.12
Mittelfeld
Regensburg: Der vierte Neue kommt aus Freiburg |
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WICHTIG!!!!!!! NOCHMALIGE ERINNERUNG!!!!!!!!
von:
seinfeld67
- 09.02.12, 21:53 - 1 mal gelesen
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Re: Wettbüro Eins geöffnet: 21.Spieltag
von:
smod
- 09.02.12, 21:53 - 2 mal gelesen
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Re (2): Mal was anderes (OT)
von:
Webi1961
- 09.02.12, 21:53 - 7 mal gelesen
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