Nein, auch am Sonntagnachmittag ließ sich Felix Magath nicht locken. Daheim vorm TV verfolgte Schalkes Trainer-Manager Nürnberg gegen Leverkusen und telefonierte mit dem kicker, als Choupo-Moting das 2:0 gelang. Jubel am anderen Ende der Leitung lässt sich aber nicht überliefern. Magath lapidar: "Mir doch egal, wie dieses Spiel ausgeht. Ich verbringe einen ganz entspannten Nachmittag." In solchen Momenten ist der Titelhamster natürlich vor allem eines: ein meisterhafter Schauspieler. Eine Notwendigkeit, um in der Showbranche Profifußball ungestört seriös zu arbeiten.
Dass Magath die Chance auf die Schale nutzen will, ist nur logisch. Dass er dies nicht öffentlich formuliert, ebenfalls. Weil ein objektiver Vergleich mit Personal und Spielstärke der Bayern und Leverkusener, trotz beider Ausrutscher am Wochenende, Schalke weiter als Außenseiter ausweist. Und weil ebendiese Rolle ein großer Trumpf bleibt. Bundestrainer Jogi Löw (50), Augenzeuge in Frankfurt: "Schalke hat nichts zu verlieren, das macht sie gerade gefährlich." Wie im Vorjahr Wolfsburg, als Magath nach 25 Spielen mit 48 Zählern einen Punkt hinter Spitzenreiter Hertha BSC rangierte und in frappierend ähnlicher Diktion tiefstapelte.
Alles Kopfsache im Meisterschaftsrennen? Dann spricht noch viel mehr für Königsblau! Neben dem psychologischen auch sportliche Vorteile: Wie kein anderes Team spielt Schalke mit Kopf, also taktisch geschickt, wie der Liga-Bestwert von nur 19 Gegentreffern belegt. Und: 15 eigene Kopfballtore sind ebenfalls top. Freistoß Lukas Schmitz (21) Richtung kurzer Pfosten, Kopfball, Jubel - gegen Köln, Dortmund und Frankfurt funktionierte binnen drei Wochen dreimal dieselbe Masche. Scheinbar simpel. Und doch zu hoch für Schalkes Gegner. Ebenso wie Taktiker Magath? Der verblüffte nun, indem er Rafinha als Linksverteidiger aufbot, eine Premiere in dessen 186. Startelf-Einsatz. Doch gegen Eintrachts Ochs eine Maßnahme mit Köpfchen.
Nach Stuttgart (H) folgen die Top-Duelle mit dem HSV (A), Bayer (A) und den Bayern (H), die Schalke als Hauptrivalen fürchten. "Danach kann man sagen, ob wir nach oben schielen können oder uns auf Platz drei konzentrieren müssen", sagt Manuel Neuer (23). Teamintern wachsen also die Ambitionen, "wir kennen die Tabelle", bestätigt Ivan Rakitic (21). Was Magath grummeln lässt: "Die Tabelle interessiert jetzt keinen, das müssen die Spieler noch lernen." Wozu? Um am Ende oben zu stehen!
Thiemo Müller
Wer wird Meister?(23349 Teilnehmer)
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