Das Votum ist nicht einstimmig, aber der Anteil der Befürworter liegt sehr hoch und ist breit gefächert: Nur drei Bundesliga- trainer - Heiko Herrlich, Michael Frontzeck und Zvonimir Soldo - sprechen sich gegen technische Hilfsmittel aus, wenn es um die Frage Tor oder nicht Tor geht. Die anderen sagen, ebenso wie Vertreter von DFB und DFL, Schiedsrichter sowie die überwiegende Mehrheit der Fans: Chip, Chip, hurra! Der Ball mit integriertem Chip soll das Allheilmittel sein. Aber die FIFA, die allein die Macht hat, ihn einzuführen, sträubt sich weiter und lehnt auch nur Tests mit dieser Technik seit März 2009 kategorisch ab.
Dabei hat die DFL dem Weltverband sogar die Möglichkeit eines Pilotprojekts in der Bundesliga angeboten. Holger Hieronymus, der Geschäftsführer Spielbetrieb: "Wir haben schon bei der vorletzten Managertagung für den Chip im Ball geworben. An unserer Überzeugung hat sich nichts geändert." Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim DFB und ehemaliger FIFA-Referee, sagt: "Wenn das System hundertprozentig funktioniert, würde sich der DFB einer Einführung nicht verschließen." Die Voraussetzung sei, dass keine weitere subjektive Entscheidung getroffen werden muss - also kein Mensch neben dem Schiedsrichterteam eingebunden wird, sondern eine technische Vorrichtung die Position des Balles bestimmt. Nicht mehr und nicht weniger.
Doch die FIFA setzt derzeit gerade auf die "menschliche Komponente im Fußball" und probiert weiter zwei Torrichter aus. Dieses Modell ist das Steckenpferd des UEFA-Präsidenten Michel Platini. Daher wurde die Testzeit für die Unparteiischen Nummer fünf und sechs, zunächst auf die Gruppenphase der Europa League beschränkt, bis ins Finale dieses Wettbewerbs ausgedehnt. Über erste Erkenntnisse wird vom Weltverband öffentlich nichts kommuniziert. Insider wissen jedoch, dass man zunächst mit den Testergebnissen nicht zufrieden war. Die Frage, ob ein Ball die Torlinie überschritten hat oder nicht, musste zu selten beantwortet werden, so dass der personelle Aufwand als zu hoch gilt. Und bei anderen strittigen Entscheidungen, die in das Kompetenzgebiet der Torrichter fielen, wie etwa Fouls im Strafraum, griffen diese zu selten ein.
So geht eine ganz andere Szene derzeit zulasten des Chips im Ball: Das Handspiel von Thierry Henry, das beim WM-Qualifikationsspiel Frankreich gegen Irland (1:0) zum Aus der Iren führte. Ein Torrichter hätte die schändliche Tat, die dem Unparteiischen Martin Hansson entgangen war, wohl aufgedeckt - der Ball mit Chip hätte in diesem Fall nicht geholfen. Eine andere Unzulänglichkeit hat dieser jedoch abgelegt: Seit einer technischen Umstellung ist auf ihn hundertprozentig Verlass. Dies hat die FIFA nach der Klubweltmeisterschaft in Japan 2007 auf ihrer Homepage selbst verbreitet und sich damit ihres Hauptarguments gegen eine Einführung beraubt. Weiter spricht in den Augen des Weltverbands dagegen: Angst um die weltweite Gleichheit des Spiels sowie die Befürchtung, dass man weiteren, ungewollten technischen Hilfsmitteln wie dem Videobeweis Vorschub leistet. Befürworter des Chips im Ball hoffen dennoch, dass bei der nächsten Sitzung des International Board am 6. März zumindest weitere Tests mit ihm wieder erlaubt werden.
Thomas Roth
Welches Paar soll bei der EURO die Innenverteidigung bilden?(47692 Teilnehmer)
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