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11.01.2010, 11:59

Hamburg: Dünne Personaldecke bereitet Sorgen

Labbadia: "Tanz auf der Rasierklinge"

Bruno Labbadia (43) hat die alten Personalprobleme mit ins neue Jahr genommen. Dennoch blickt Hamburgs Trainer dem Rückrundenstart zuversichtlich entgegen.

Bruno Labbadia, Hamburger SV
Dünne Personaldecke, große Zuversicht: HSV-Trainer Bruno Labbadia.
© picture alliance

kicker: Herr Labbadia, der HSV beendete die Vorbereitung mit einem Sieg gegen Besiktas beinahe schon traditionell mit einem Cup-Gewinn in Antalya. Ist das angesichts der Vergangenheit, in der in den weiteren Saisonverläufen keine Pokale mehr hinzukamen, Fluch oder Segen?

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Bruno Labbadia: Nein, ein Fluch ist es sicher nicht. Wir freuen uns über den Pokal, noch mehr aber über die Tatsache, dass wir in Belek einen guten Grundstein für eine erfolgreiche Rückrunde gelegt haben.

kicker: Wie definieren Sie eine erfolgreiche Rückrunde?

Labbadia: Wir sind derzeit Vierter. Diesen Platz wollen wir mindestens verteidigen, besser aber noch ausbauen. Diese Mannschaft hat einen großartigen Charakter, dennoch wird die Rückrunde ein Tanz auf der Rasierklinge, weil die Last durch unsere dünne Personaldecke auf wenige Schultern verteilt ist.

kicker: Die Führungsspieler rufen trotz der personellen Probleme ganz offen die Champions League als Ziel aus, weil eine Teilnahme an der Königsklasse dem HSV den nächsten großen Schritt in seiner Entwicklung ermöglichen würde. Müssen Sie Ihre Spieler bremsen?

Labbadia: Nein, muss ich nicht. Natürlich ist das als HSV unser Anspruch. Nur tue ich mich derzeit schwer mit solchen Vorgaben, weil ich unsere personelle Situation nicht unterschätze. Wir haben gerade zum Anfang der Rückserie wenige Spieler. Wir müssen wie in der Hinrunde da durchkommen.

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Bruno Labbadia

kicker: Droht ohne die Champions-League-Teilnahme erneut der Abschied von Leistungsträgern? Mladen Petric forderte, dass der HSV dahin kommen müsse, Eckpfeiler langfristig zu halten.

Labbadia: Natürlich wollen wir unsere Topleute halten und unsere Mannschaft weiterentwickeln, aber der HSV steht im Fokus, es wird immer wieder Angebote für unsere Spieler geben. Ich sehe uns derzeit an der Schwelle, uns auf Dauer ganz oben zu etablieren. Aber genau das ist der schwierigste Schritt.

kicker: Wie sehr stört angesichts der großen Aufgaben das Fernbleiben von Zé Roberto?

Labbadia: Zunächst mal freuen wir uns jetzt auf Zé. Er hatte eine hervorragende Hinserie, sein Verhalten haben wir sanktioniert, und damit ist das Thema erledigt.

kicker: Fürchten Sie nicht, dass etwas hängen bleibt? Immerhin galt Zé Roberto bis dahin als Musterprofi.

Labbadia: Genau deshalb fürchte ich nicht, dass etwas hängen bleibt. Er hat sich in der Hinrunde tadellos verhalten. Und wir sind als Verein sehr klar mit der Sache umgegangen. Zé hat sich entschuldigt, ich werde sicher noch mal mit ihm reden. Aber vor allem geht es jetzt darum, ihn dahin zu bringen, wo er vor seiner Verletzung war.

Ich sehe uns derzeit an der Schwelle, uns auf Dauer ganz oben zu etablieren. Aber genau das ist der schwierigste Schritt.Bruno Labbadia

kicker: Wie sieht der Zeitplan aus?

Labbadia: Er kommt am Dienstag nach Hamburg, dann werden wir Krafttests machen und hoffen, dass Zé ab Februar wieder zur Verfügung steht.

kicker: Zumindest beim Auftakt gegen Freiburg reißt sein Fehlen eine Lücke, weil Platzhalter Tomas Rincon für den gesperrten Jerome Boateng in der Viererkette aushelfen muss. Kann Robert Tesche Ihre Probleme lösen?

Robert Tesche
Treibt er anstelle von Zé Roberto an? Robert Tesche ist eine Alternative für den Auftakt gegen Freiburg.
© picture allianceZoomansicht

Labbadia: Robert hat enorme Qualitäten in vielen Bereichen.

kicker: Aber?

Labbadia: Es fehlt ihm noch ein wenig die Präsenz.

kicker: Das haben Sie schon im Sommer moniert.

Labbadia: Das ist richtig, aber das kann man lernen. Wir wollen und können nicht seinen Charakter verändern, aber er muss im Zentrum noch mehr die Bälle fordern.

kicker: Auch in die Rückrunde startet der HSV ohne Sportchef. Macht Ihnen die Doppelrolle noch Spaß?

Labadia: Der Job ist natürlich intensiv. Aber solange eine Mannschaft so mitmacht wie unsere, macht es richtig Spaß. Das erleichtert vieles.

11.01.10
 
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